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Die Aufreißerin

Dora Varro hat Geschichten, von denen länger im Geschäft befindliche Society-Journalisten nur träumen können. Zuletzt etwa ein Interview mit der Ex-Geliebten von Armin Assinger. Sie gilt in „Österreich“ als Rohdiamant. Was sie auszeichnet: Ehrgeiz, Initiative, Belastbarkeit. Geboren am 16. März 1984 in Budapest, übersiedelte sie im Alter von elf Jahren mit ihren Eltern und Bruder Daniel nach Verona. Mit 13 verschlug es sie nach Österreich, wo sie in Eisenstadt die Handelsakademie absolvierte. Da sie viel unterwegs war und viele kannte, kam nach der Matura ein Angebot der „Burgenländischen Volkszeitung“. Nach nur vier Monaten wurde sie Chefin der Gesellschaftsredaktion. Im Burgenland, wo bekanntlich viel los ist, eine Herausforderung. Seit 2006 ist sie bei „Österreich“.

Wie viel Macht hat eine Journalistin?

Napoleon sagte: „Es gibt nur zwei Kräfte in der Welt: das Schwert und die Feder. Letzten Endes wird immer das Schwert von der Feder besiegt.“ Gegen manche „Schwerter“ ist das übrigens federleicht …

Ihr Verhältnis zur Macht?

Wie in jeder Ehe … wir verstehen uns gut. Macht ist Freiheit und Pflicht gleichzeitig, daher ist es angenehm UND belastend zugleich, wenn man welche hat.

Ihre Vorbilder im Journalismus?

Ich habe kein konkretes, nur ein abstraktes Vorbild – alle, die sich der Erkenntnis annähern: „Niemand ist so wichtig, wie er sich macht.“

Was zeichnet einen guten Journalisten aus?

Man sollte neugierig, ehrgeizig und 24 Stunden erreichbar sein.

Wie kamen Sie an Ihren ersten Beitrag und was war das Thema?

Bei einer Premiere von Roland Düringer. Um ein Interview von ihm zu kriegen, musste ich am Ende des Abends zu ihm auf die Bühne. Ich stand mit weichen Knien vor 700 Menschen im Rampenlicht, aber ich hatte die Story.

Schon einmal überlegt, den Beruf zu wechseln?

Oft! Ich wäre gern Astronautin, Gehirnforscherin oder Quantenphysikerin … Im Ernst: Natürlich überlegt man hin und wieder, wie man die eigenen Ziele verwirklichen könnte, aber überlegt wird erst nach der Arbeit!

Wo und wie lernt man Journalismus am besten?

Ich habe es beim Wolfgang Fellner gelernt und anscheinend hat es funktioniert, ansonsten würde ich jetzt nicht diese Fragen beantworten dürfen.

Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?

Ich bin hartnäckig, ehrgeizig und offen. Schwächen? Schoko-Eis!

Welche Fremdsprachen beherrschen Sie?

Nachdem meine Muttersprache Ungarisch ist: Deutsch. Ich maturierte in Englisch und Französisch und lebte davor zwei Jahre in Verona. Also, un poco Italiano.

Welche ist Ihre Lieblingszeitung?

Raten Sie mal!

Wie wichtig ist Klatsch?

Klatsch ist nicht wichtig, sondern überlebenswichtig. Jeder tut es. Vom Hausmeister bis zum Nobelpreisträger. Klatsch ist ein menschliches Grundbedürfnis wie Liebe oder Sex. Klatsch ist gelegentlich nur öfter, sicherer und unterhaltsamer …

An welchem Ort würden Sie am liebsten arbeiten?

Immer dort, wo gerade die spannendste Geschichte passiert, ich habe deshalb meinen Blackberry immer griffbereit. Los Angeles würde mich reizen.

Journalisten gelten als eitle Zeitgenossen, und Sie?

Nicht immer! Ich musste mal direkt aus der Redaktion in schwarzen Jeans und in einem schwarzen Pullover zu einer Promi-Hochzeit. Was soll ich sagen? Als ich dann nur drei Monate später die Ehefrau anrief, weil ich gehörte hatte, dass es arg kriselte, war ihr Kommentar: „Wissen Sie was? Ihnen verrate ich, dass ich mich scheiden lasse, weil an Sie kann ich mich erinnern. Sie Sind doch die Journalistin, die in Schwarz erschien, oder?“.

Ihr bisher größter Erfolg?

Genau an meinem Geburtstag übernahm die „Bild“-Zeitung eine Geschichte von mir. Die Story kam dann auch noch auf die Titelseite. Aber das größte Kompliment bekam ich einmal von einem Herausgeber (der Konkurrenz), der mich anrief und mir zu einer Geschichte gratulierte, die nicht mit meinem Namen gezeichnet war. Seine Worte gingen runter wie Öl: „Ein Kenner erkennt einen guten Wein auch ohne Etikette.“

Ihr größter Flop?

Meine ersten Auftritte in Redaktionssitzungen floppten alle … Also, liebe Nachwuchsjournalisten: Nur nicht aufgeben!

Ein Tag Bundeskanzler sein, was tun Sie?

Ich checke Faymanns Notizbuch, recherchiere Prölls Diät-Geheimnis und schaue nach, was in Glawischnigs Prada-Tasche wirklich drin ist. Alles für den Tag danach in der Redaktion.

Was sagen Kollegen Böses über Sie?

Wolfgang Fellner sagt „Teufelsreporterin“. Ich weiß aber, von ihm ist das ein Lob.

Was soll Ihnen später einmal nachgesagt werden?

Die Frau, die kam, sah und schrieb.

Erschienen in Ausgabe 12/2008 in der Rubrik “Rubriken” auf Seite 122 bis 122. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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