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Titel

Ein Mann mit viel Profil

Von Freddie Kräftner

Michael Nikbakhsh. Der Wirtschafts- und Textchef des führenden Nachrichtenmagazins ist Journalist des Jahres.

Er mag das Wort. Schreibt saugut, ist aber kein Drüberflieger wie manche Wortartisten. Grundlage sind penibel recherchierte Fakten.

Michael Nikbakhsh wurde mit Respektabstand zum Journalist des Jahres gewählt.

Er ist schon früher aufgefallen. Mit einer Anekdote. Der ehemalige Wirtschaftsminister Martin Bartenstein feilschte beim Humanic um einen Rabatt. Das hängt ihm heute noch nach, weil einfach ein bisserl peinlich. Manchmal reicht auch ein Einspalter.

Was hat Nikbakhsh geleistet? Er hatte unter anderem exklusiv den Nationalbank-Prüfbericht zur Meinl-Affäre. Er hatte über die BAWAG-Affäre exklusive Infos. Dennoch oder vielleicht deshalb bekam er das einzige Elsner-Interview. Er hat auch als einziger Journalist exklusiven Zugang zum geheimnisumwitterten Milliardär Wolfgang Schlaff.

Was sagt er zur weltweiten Finanzkrise? „Ich begegne ihr mit großer Demut. Sie hat die Grenzen des Wirtschaftsjournalismus aufgezeigt. Alle haben versagt. Die Analysten, die Journalisten – und einige Nobelpreisträger, sind ja nicht die Dümmsten.“

Man habe sich von der Euphorie treiben lassen, Jubelberichte verfasst – ohne die Bilanzen zu hinterfragen. Nikbakhsh ernüchtert: „Da waren wir Kinder unserer Zeit.“

Topjournalisten gelten oft als Einzeltäter (Alfred Worm war so einer). Der diesjährige Preisträger ist keiner – er führt auch ein Ressort. Und dieses ist sehr gut. Er ist übrigens auch Betriebsratschef im „profil“. Nach dem Abgang von „profil“-Chefredakteur Stefan Janny ist er quasi auch Textchef des „profil“. Irgendwer muss ja die Arbeit machen, wenn der Herausgeber am Abend mit Raiffeisen-Chef Christian Konrad auf Sause ist.

Er wurde geboren am 20. Juli 1970 in Stockerau. Vater ist ein aus Persien stammender Arzt, die Mutter eine österreichische Schneiderin – vielleicht deshalb legt er auch heute noch Wert auf feines Tuch.

Er besuchte das Elite-Gymnasium Lycée.

Sein großer Mentor, der „profil“-Herausgeber Christian Rainer, meint, er sei ein typischer Lycée-Schüler. Dort gäbe es drei Typen: die Normalen, die Traumatisierten, die Genialen. Laut Rainer gehört Nikbakhsh eindeutig zur letzten Kategorie.

Dem Vater zuliebe hat er Medizin inskribiert. War nicht seines. Dann wechselt er auf ein Dolmetschstudium in Französisch und Russisch. Begründung des Lebemannes: „Dort gab es die besten Hasen.“

Zum Journalismus kam er durch „puren Zufall“. Viel gelernt hat er von Margarete Freisinger („Presse“ und später „Salzburger Nachrichten“). Er nennt sie liebevoll „Tante“. Christian Rainer vom „profil“ ist wohl so was wie „großer Bruder“. Über seine Informanten sagt er natürlich nichts. Wie man hört, sind es vor allem einige in seinem Alter, die es auch zu was gebracht haben. Und er hat – wie jeder gute Journalist – besten Zugang zu den Chefetagen. Weil man meint, es sei doch vielleicht besser, mit ihm direkt zu reden, statt eine gelegentlich nicht sachkundige Pressesprecherin vorzuschicken.

In der Redaktionskonferenz ist er eher schweigsam. Man kann ja nie wissen, ob sich nicht wer vor Erscheinen des Magazins verplaudert. Sind ja Exklusiv-Geschichten.

Er ist eine Marke. Er gilt als besonnen und gut organisiert. Sein Büro ist für heikle Aktenauswerter extrem ordentlich – kein Vergleich zum legendären Papierchaos von Alfred Worm.

Charme hat er auch, und er ist ein fescher Kampel, wie man in Wien zu sagen pflegt.

Wie veranlagt Österreichs bester Wirtschaftsjournalist sein Geld? „Gar nicht, ich gebe es aus.“

Zum Privatleben: Der Perser-Österreicher ist mulitikulturell unterwegs und befreundet mit einer Türkin, die den schönen Namen Tülay trägt.

Sein großes Hobby – Biking – hat er ihr zuliebe aufgegeben. „Sie fand es zu gefährlich.“ Das muss große Liebe sein.

Erschienen in Ausgabe 12/2008 in der Rubrik „Titel“ auf Seite 44 bis 45 Autor/en: Freddie Kräftner. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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