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Special

Gratiswochen- und Monatszeitungen 2008

1.

“Sonntags-RUndschau”: Verbreitungsgebiet: OÖ; Auflage: 488.885; Erscheinungsweise: wöchentlich; Ersterscheinung: 2001; Anzahl der Redakteure: Wird von der Redaktion der “OÖ Rundschau” gemacht.

Titelseite: Diese Zeitung kommt am Sonntag zu ihren Lesern. Sehr modern, journalistisch ambitioniert. Allerdings oft mit Leichen und zerissenen Autos als Aufmacher. Muss das sein am Sonntag? Gut: Anriss von Themen. Problematisch: Große Fotos in der Kopfzeile. Sind selten wirklich überzeugend.

4 Punkte

Inhalt: Guter Start auf der Seite 1, der sich auf den folgenden Seiten fortsetzt – und dann im zweiten Buch verflüchtigt. Was ist noch Redaktion, oder ist man schon in einer der vielen bezahlten Geschichten? Beides fließt harmonisch ineinander – und macht spätestens hier die Zeitung langweilig. Schade eigentlich, weil die durchwegs gute journalistische Leistung damit unter Wert geschlagen wird.

4 Punkte

Layout: Sehr professionell. Die Großzügigkeit der Titelseite ist allerdings ein leeres Versprechen. Mit jeder Seite wird die “Rundschau” dichter. Gerade am Sonntag wäre etwas mehr Weiß wünschenswert.

4 Punkte

Summe

12 Punkte

1.

“WOCHE”: Verbreitungsgebiet: Kärnten; Auflage: 222.999;

Erscheinungsweise: wöchentlich;

Ersterscheinung: 1996; Anzahl der Redakteure: 10

Titelseite: Zeitungskopf, Aufmacherbild, Aufmacher und Anzeigen stehen in einem angenehmen Verhältnis. Das “Schaufenster” gleicht allerdings eher einem Bild, das wie ein Aquarell ineinander fließt. Etwas mehr Abgrenzung wäre wünschenswert. Oder was haben die beiden hübschen Mädchen mit der Imagepolitur von Reifnitz zu tun?

4 Punkte

Inhalt: Die “Woche” tritt journalistisch niemandem auf die Füße – und ist trotzdem nicht langweilig. Die Redaktion beschäftigt sich mit vielen “weichen” Themen, ohne dabei in die klassische Society- oder Vereinsberichterstattung abzugleiten. Viel Kleinteiliges, das vor allem in der Kopfleiste untergebracht ist, zeigt, dass die Journalisten nicht einfach nur Platz füllen wollen.

4 Punkte

Layout: Eine der wenigen Zeitungen, die es schafft, im Kleinformat über die Doppelseite zu layouten. Sehr schön. Weniger schön: Viele Seiten wirken überladen. Muss alles zugepflastert werden?

4 Punkte

Summe

12 Punkte

“Bezirksblätter”: Verbreitungsgebiet: Tirol, OÖ, Burgenland, Salzburg; Auflage Eisenstadt: 24.018 (gesamt: 1,3 Millionen); Erscheinungsweise: wöchentlich; Ersterscheinung: 2000;

Anzahl der Redakteure: 80 (gesamt)

Titelseite: Diese Zeitung erscheint inzwischen in fast jedem Bezirk in Österreich und heißt zum Beispiel in Eisenstadt “Bezirksblätter Eisenstadt”. Richtig wäre doch “Bezirksblatt Eisenstadt” – oder? Wohltuend journalistisch gemacht! Lokale Themen im Mittelpunkt! Optisch ansprechend präsentiert. Ein, zwei Themen weniger würden die Seite ruhiger und damit übersichtlicher machen.

4 Punkte

Inhalt: Die gewohnte Lokal- und Vereinsberichterstattung intelligent weiter entwickelt mit ernsthaftem journalistischen Anspruch nach lokalen Aufregern. Auf der anderen Seite leider oft auch dicht an Presseaussendungen entlang geschrieben – ist langweilig. Viele Umfragen als Leserblattbindungselemente. Sehr guter Veranstaltungskalender.

4 Punkte

Layout: Auf sehr hohem Niveau – allerdings schmerzen dann auch Fehlgriffe besonders: Pfiffig die Seite 1, aber regelmäßig mit Text-Bild-Scheren und überladen. Innen aufgeräumt, gut lesbar.

4 Punkte

Summe

12 Punkte

4.

“Salzburger Fenster”: Verbreitungsgebiet: Salzburg; Auflage: 207.379; Erscheinungsweise: wöchentlich; Ersterscheinung: 1979; Anzahl der Redakteure: 14

Titelseite: Einprägsames Logo. Immer zwei Themen auf der Seite 1, die von der Redaktion bewusst “gesetzt” werden und nicht einfach nur passieren. Das bestimmende Bildelement ist immer eine Anzeige, was nicht stört, weil die Geschichten tragen.

4 Punkte

Inhalt: Eigentlich reichen für jede Zeitung zwei, drei wirklich gute Geschichten. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Dem “Fenster” gelingt das. Die Redaktion ist mit den Themen nahe an den Salzburger Lesern. Das entschädigt für das Übermaß an Werbung. Dass diese oft redaktionell daher kommt, beschädigt die Glaubwürdigkeit. Informativ das Servicemagazin “Fenster Magazin”.

4 Punkte

Layout: Mit der Optik gewinnt diese Zeitung keinen Blumentopf. Die Seiten sind alle viel zu voll. Weißraum würde die Zeitung wertiger machen. Hat schon mal jemand über die Bilder nachgedacht? Schlimm: 5 Seiten roter Raster im Magazin. Immerhin werden die wichtigsten Themen gut präsentiert.

2 Punkte

Summe

10 Punkte

5.

“Der Grazer”: Verbreitungsgebiet: Graz und Graz Umgebung; Auflage: 171.000; Erscheinungsweise: wöchentlich; Ersterscheinung: 2007; Anzahl der Redakteure: 8

Titelseite: Unverwechselbarer Zeitungskopf. Moderner Ge- samtauftritt. Farben werden bereits auf der Titelseite bewusst mit dem Blau im Logo in Verbindung gebracht – sehr harmonisch.

4 Punkte

Inhalt: Journalistisch sollte eigentlich in einer Stadt wie Graz mehr drinnen stecken, meint man. Wohlfühljournalismus hat unbestritten seine Qualitäten, aber über weite Strecken scheint der Pressedienst von Stadt und Land die Vorlage der Redaktion zu sein. Diese Zeitung muss man nicht lesen. Und das überrascht bei dem, was man ansonsten aus dem Haus Styria kennt.

2 Punkte

Layout: Die Titelseite ist das Schönste dieser Zeitung. Ab Seite 2 ist nur noch der Mut zu bewundern: Beim Einsatz von Farbe oder wie Schriften in Fotos gesetzt werden. Wem sind die orangefarbenen Striche unter den Titeltexten eingefallen? Interessant: Zum Start einer neuen Rubrik ist in den Kopf der Autor mit Foto, Namen und eMail eingeklinkt.

3 Punkte

Summe

9 Punkte

5.

“Wann & WO”: Verbreitungsgebiet: Vorarlberg; Auflage: 141.000 (Sonntag); Erscheinungsweise: 2x wöchentlich (Sonntag und Mittwoch);

Ersterscheinung: 1977; Anzahl der Redakteure: 4

Titelseite: Macht auf den ersten Blick einen wertigen Eindruck. Klarer Aufmacher. Kleine Fotos unter dem Zeitungskopf sind verzichtbar.

4 Punkte

Inhalt: Auffallend viele Halbnackte – sind die Vorarlberger unterversorgt? Im Anschluss eine ganzseitige Geschichte über den internationalen Frauentag zu bringen ist mutig. Überraschend viele Seiten mit Leserbriefen und Fotos von jungen Discobesuchern, die uns zwar nicht ihren Nachnamen nennen, dafür aber ihre schönen weißen Zähne zeigen. Journalistisch trotzdem eine recht bunte und ansprechende Mischung, leider in einem wilden Durcheinander präsentiert. Das tut richtig weh. Von einer Führung durch das Blatt keine Rede!

3 Punkte

Layout: Profitum und Diletantismus neutralisieren sich bemerkswert. Schöne Seite 1. Viele unnötige Briefmarkenfotos. Grundschrift bei Kurzmeldungen absolut unbrauchbar: Bitte lies mich nicht! Freisteller schön. Gute Fotos.

2 Punkte

Summe

9 Punkte

5.

“BZ-Wiener Bezirkszeitung”: Verbreitungsgebiet: Wien; Auflage: 655.827; Erscheinungsweise: 26x jährlich; Ersterscheinung: 1984; Anzahl der Redakteure: 4

Titelseite: “PZ-Wiener Parteizeitung” wäre die ehrlichere Ansage im Titel dieser Zeitung. Das Themenangebot auf der Einser verspricht auch Nicht-Roten Unterhaltung.

4 Punkte

Inhalt: Der Bürgermeister gleich auf der Seite 2 im Editorial – oder was immer das ist. Das findet man nur noch in Wien oder in entlegenen Dorfgemeindezeitungen. Mutig! Auch die Themen und Personen, die in der Rubrik “Politik” gespielt werden, machen klar, woher der Wind weht. Brauchbar das Horoskop und die Tierecke. Sogar mit Tier- ombudsmann. Witzige Idee: Ein “bz”-Zauberkurs. Dabei wird die Zeitung zerschnippelt und findet als “Zeitungsleiter” eine neue Verwendung. Schwacher Terminkalender: sieben Tipps für 14 Tage. Passiert nicht mehr in Wien?

2 Punkte

Layout: Eine gut aufgeräumte, einladende Seite 1. Rubrikenköpfe führen gu
t durch die Zeitung, schöne Kästen. In der Mitte ein überbelegter Friedhof von Anzeigen und PR-Texten.

3 Punkte

Summe

9 Punkte

5.

“Tiroler Woche Innsbruck”: Verbreitungsgebiet: Tirol; Auflage: 248.691; Erscheinungsweise: wöchentlich; Ersterscheinung: 2007; Anzahl der Redakteure: 14

Titelseite: Auf den ersten Blick ansprechend und einladend. Entpuppt sich dann aber als mehrteiliges Suchspiel. Was macht die hübsche Blonde in der Kopfzeile. Noch eine Namenlose eingeklinkt in die Titelzeile. Und das Aufmacherbild? Gehören die Fans zu den geneppten Stadionanrainern? Fein der Hinweis auf zwei Tests der Zeitung. Leider ohne Seitenangabe.

3 Punkte

Inhalt: Einige gute Ansätze von engagiertem Journalismus, auch gut geschrieben. Viele an sich gute Geschichten kratzen leider nur an der Oberfläche. Eine hervorragende Idee: der lokale Heimwerkermarkt im Test. Schade nur, dass man wenig Platz gibt und auch sehr locker in der Bewertung ist. Gute Gliederung in zahlreiche Rubriken. Was ist “Szenario”? Sagt das ein Durschnittstiroler so?

3 Punkte

Layout: Im Detail gute Ansätze: die Gemeindewappen zum Beispiel – allerdings fürchterlich, wenn sie in Bilder eingeklinkt werden.

3 Punkte

Summe

9 Punkte

9.

“BF”: Verbreitungsgebiet: Burgenland;

Auflage: 116.000; Erscheinungsweise: 14-täglich; Ersterscheinung: 1921; Anzahl der Redakteure: 9

Titelseite: Sehr dominierend der runde Zeitungskopf mit der anschließenden Zeile “Burgenland Freizeit”. Journalistisch im TItel immer mit einem Lokalbezug – aber weit von einem Aufreger entfernt. Schärfer dagegen die Inserate: 129 Euro für eine Stunde Zimmerservice im Club Arabella als “Aktion Mai und Juni”. Das muss man sich trauen.

2 Punkte

Inhalt: Überraschend journalistischer Einstieg. Nationale Themen werden konsequent auf das Burgenland runtergebrochen. Viele Geschichten werden aber geschickt hinter langweiligen Einwort-Titeln versteckt: “Elektronisch”, “Bodenschutzprogramm”, “Losradeln”. Viel zu lang dagegen die Vorspänne – bis zu sechs Zeilen über drei Spalten!

3 Punkte

Layout: Gähn! Viele Seiten sind so gut aufgeräumt, dass dabei offenbar auch die Aufreger in der Lade verschwunden sind. Langweilige Allerweltsfotos! Etwas mehr Mut! Wir sind im Jahr 2008. Fernsehen gibt es auch schon.

2 Punkte

Summe

7 Punkte

9.

“Hallo Oberösterreich”: Verbreitung: OÖ-Zentralraum; Erscheinungsweise: monatlich; Verbreitete Auflage: 209.000; Ersterscheinung: 1996; Anzahl der Redakteure: 4

Titelseite: In voller Größe absolut mies – aber erstaunlich lesbar. Das klare TItellogo und der interessante lokale Aufmacher retten die mit Anzeigen vollgestopfte Seite. Gefaltet ist diese Zeitung nicht wiederzuerkennen. Der größte Teil der Anzeigen ist dann im unteren Teil versteckt. Und oben dominiert das Titelthema, das in einer Boulevard-Typo reinknallt.

3 Punkte

Inhalt: Ein Anzeigenfriedhof – über weite Strecken deutlich über der Grenze des Erträglichen. Dazwischen aber richtige Lesegeschichten, die auch sehr gut geschrieben sind. Leserführung gleich null. Bei den 16 Seiten Umfang aber auch nicht wirklich störend.

3 Punkte

Layout: Eine der ganz wenigen Gratiszeitungen, die noch im Großformat erscheinen. Die Möglichkeiten dieses Formats werden nicht ernsthaft genützt. Vielmehr hat man den Eindruck, dieses Layout passiert irgendwie und sowieso. Bemerkenswert ist die Titelseite. Hier ist alles Machbare gemacht.

1 Punkt

Summe

7 Punkte

11.

“unser niederösterreich”: Verbreitungsgebiet: NÖ; Auflage: 374.200; Erscheinungsweise: 14-täglich (St. Pölten: wöchentlich); Ersterscheinung: 2001; Anzahl der Redakteure: 6

Titelseite: “Sturmkatastrophe – Helfer berichten” – so wird die Aufmachergeschichte innen “verkauft”. Und außen? “Sturm-Tote: Helfer im Gespräch”. Da schlafen ja die Füße ein. Darunter ein “Osterbild”, das anscheinend in der Nacht aufgenommen wurde. Alles schwarz. Sogar der Osterhase schläft. Grundsätzlich zwei gute Themenideen, beide schlecht umgesetzt.

2 Punkte

Inhalt: Man hat den Eindruck, dass sich hier Journalisten über Themen Gedanken machen. “Gähnende Leere: St. Pöltens leere Häuser” – Leere leider auch bei der journalistischen Aufbereitung: “Einige sehr gute Ideen werden derzeit umgesetzt oder stehen noch in Planung”, lesen wir als Ausstieg. Na dann!

2 Punkte

Layout: Brauchbare Seite 1. Innen ein Desaster: dicke blaue Linien als Spaltentrenner, schwarze Punkte in der Kopfzeile, gelb unterlegte Bildtexte ins Bild eingeklinkt. Das gab es nicht mal im vorigen Jahrhundert. Die Grundschrift ist selbst für ein Technikmagazin ungeeignet.

1 Punkt

Summe

5 Punkte

12.

“Tips”: Verbreitungsgebiet: OÖ, Melk; Auflage: 671.800; Erscheinungsweise: wöchentlich (Melk: 14-täglich); Ersterscheinung: 1986; Anzahl der Redakteure: 45

Titelseite: “Puppenwagen weg – zwei Linzer im Gefängnis”. Das macht neugierig. Doch wer sind die Leute auf dem Foto darunter? Die Täter? Waren angeblich doch nur zwei? Die Opfer? Auch der Bildtext klärt nur zum Teil auf. Viel zu klein die Themenanrisse oben am Kopf. Keine Gratiszeitung in Oberösterreich wird derart stark mutiert – warum sagt man dies nicht im Logo – und schafft damit Identität.

3 Punkte

Inhalt: Journalismus passiert – auf der Titelseite mit Überlauf auf Seite 2 und 3. Und dann? Äh. Gut eingerichtete Presseaussendungen soweit das Auge reicht. Einzig beim Sport scheint etwas Ehrgeiz das Team zu treiben.

1 Punkt

Layout: Wenige Handgriffe könnten den “Tips” helfen. Sofort, einfach und ohne Kosten zu ändern: 1. Schriften, vor allem Grundschrift und Durchschuss. 2. Weg mit den vielen Farben in den Überschriften. 3. Das Logo auf der Titelseite gerade richten, und schon wirkt die Zeitung wie eine Zeitung.

0 Punkte

Summe

4 Punkte

Erschienen in Ausgabe 06+07/2008 in der Rubrik “Special” auf Seite 78 bis 83. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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