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Letzter Erfolg

Das (wahrscheinlich) letzte Kapitel einer unendlichen Geschichte landete nun im Aktenschrank des bekannten Wiener Anwalts Nikolaus Lehner: im Fall des Nazi-Arztes Heinrich Gross wurde jetzt auch ein uraltes Medienverfahren vom Wiener Landesgericht abgeschlossen.

Gross arbeitete während der Nazizeit im Krankenhaus „Am Spiegelgrund“ und soll dort an der Tötung vieler behinderter Kinder beteiligt gewesen sein. Eine Verurteilung in einem Totschlagsprozess gegen ihn wurde wegen eines Verfahrensfehlers 1951 aufgehoben. Gross wird danach Primarius in der Nervenheilanstalt Rosenhügel und vielbeschäftigter Gerichtssachverständiger. 1998 wurde auf Grund von Angaben des Widerstands-Dokumentationszentrums neuerlich ein Strafverfahren gegen Gross eingeleitet und kurz darauf Anklage erhoben. Das Gericht befindet auf Grund von Gutachten den damals 85-jährigen Arzt für Demenzkrank und verhandlungsunfähig und vertagt das Verfahren.

Der ORF gab im Juli 1999 in der TV-Sendung „Brennpunkt“ Aussagen von ehemaligen Insassen des „Spiegelgrund“ wieder, in denen Gross massive Vorwürfe gemacht wurden. Wegen Verletzung der Unschuldsvermutung wurde im April 2000 der ORF zur Zahlung einer Entschädigung von 30.000 Schilling an Gross verurteilt.

Ein Jahr später beantragte der ORF die Wiederaufnahme des rechtskräftig abgeschlossenen Verfahrens, weil ein Gutachter (in einem anderen Gross-Verfahren) die Meinung geäußert habe, dass der alte Mann auf Grund seines Geisteszustands zur Zeit der Einbringung der Medienklage gar nicht die Konsequenzen seiner Handlung hätte abschätzen können. Soll heißen: ein Debiler kann gar nicht selbst klagen, sondern nur durch einen Sachwalter.

Daraufhin beauftragte das Gericht einen neuen Sachverständigen mit der Erstellung eines Gutachten über den Geisteszustand des NS-Arztes. Der Schweizer Experte Volker Dittmann untersuchte zwar nicht Gross, kam aber nach dem Studium der vorhandenen Gutachten zur Meinung, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (aber nicht mit absoluter Sicherheit) Gross im Jahr 1999 nicht mehr in der Lage war, komplexe Zusammenhänge zu erkennen. Dieses Fern-Gutachten steht im Gegensatz zu den Aussagen des Gross-Anwalts Lehner, wonach sein Mandant damals durchaus in der Lage war, die Situation zu beurteilen.

Für das Gericht ergab sich daraus kein neues Beweismittel, der Antrag auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens wurde daher abgewiesen.

Mit keinem Wort wird allerdings im Akt darauf hingewiesen, wieso ein Verfahren fast sieben Jahre im Dornröschenschlaf ruht, ob ein Gutachter auf seine Arbeit vergessen hat oder woran es sonst lag, dass ein im Dezember 2001 begonnenes Verfahren erst jetzt entschieden wurde. Übrigens: Heinrich Gross hat den Erfolg in diesem Prozess nicht mehr erlebt, er ist 2005 verstorben.

Erschienen in Ausgabe 12/2008 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 18 bis 18. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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