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Beruf
Der alte Presserat
Der 1961 gegründete Presserat war oftmals Ziel scharfer Kritik. Einerseits wurde ihm Zahnlosigkeit vorgeworfen, andererseits nahmen ihn die vom Presserat kritisierten Medien manchmal heftig unter Beschuss. Dabei tat sich besonders die Kronen Zeitung hervor, deren Artikel überdurchschnittlich oft Anlass für Rügen durch den Presserat gaben. Die Kontroverse eskalierte, als die Krone am 8. Oktober 1997 unmittelbar nach der Verhaftung des Briefbomben-Attentäters Franz Fuchs dessen Foto als Cover veröffentlichte und mit dem Titel überschrieb: Ein Bild wie ein Geständnis. Der Presserat sah in dieser Vorverurteilung eine schwere Beschädigung des Ansehens der Presse. Die Krone schlug zurück und klagte einzelne Presseratsmitglieder auf insgesamt drei Millionen Schilling (220.000 Euro). Die Klage lief bis zum OGH und wurde von diesem abgewiesen.
Die Kontroversen um den Presserat belasteten offensichtlich den Zeitungsverband VÖZ immer stärker, die Reibungspunkte zwischen ihm und der Journalistengewerkschaft mehrten sich. Am 28. Dezember 2001 meldete die APA lakonisch: Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) hat die Mitwirkung beim Österreichischen Presserat aufgekün- digt. Begründet wird dieser Schritt damit, dass die Selbstkontrolle der Medien gestärkt werden soll. Angestrebt wird ein neues Organ, in dem die Zeitungen selbst und nicht Interessensvertretungen die Selbstkontrolle nach den Grundsätzen des Ehrenkodex für die Presse wahrnehmen, erklärte VÖZ-Generalsekretär Walter Schaffelhofer gegenüber der APA.
Erschienen in Ausgabe 12/2008 in der Rubrik “Beruf” auf Seite 76 bis 77. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.
