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Sippenhaftung oder Info-Pflicht - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

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Sippenhaftung oder Info-Pflicht

Eine schwierige Entscheidung hatten jetzt zahlreiche Journalisten in aller Welt zu treffen: Ist die Information der Öffentlichkeit über Details der Fahndung nach einem steckbrieflich Gesuchten wichtiger als die Wahrung der Persönlichkeitsrechte der Tochter des Verdächtigen? Gilt es, mögliche „Sippenhaftung“ zu verhindern und die Tochter aus den Medienberichten herauszuhalten, oder erschwert man dadurch die Fahndung nach dem Mann, da ja die Tochter etwas über ihren Vater wissen könnte?

Im konkreten Fall geht es um die jetzt wieder aktuell gewordene Suche nach dem 1914 in Bad Radkersburg geborenen ehemaligen SS-Arzt Dr. Aribert Heim, der etwa 1941 im KZ Mauthausen (OÖ) den Tod Hunderter Insassen herbeigeführt haben soll. Nach dem Krieg war Heim kurz in amerikanischer Gefangenschaft, wurde bald entlassen und arbeitete dann unbehelligt als Arzt in Deutschland. Er tauchte unter, nachdem Österreich 1961 auf Grund der Aussagen ehemaliger KZ-Häftlinge einen Haftbefehl gegen ihn erlassen hatte. Seither wird er von der Justiz und jüdischen Organisationen weltweit gesucht.

Vor einigen Wochen alarmierte der israelische Nazi-Jäger Efraim Zuroff die Öffentlichkeit, dass er den jetzt mehr als 94-jährigen Heim im Grenzgebiet zwischen Chile und Argentinien vermute. Dabei brachte er auch den Namen von Heims unehelicher Tochter – jetzt 66 Jahre alt – ins Spiel. Über sie könnte ja eine Spur zum Naziverbrecher gefunden werden. Für ein Gespräch mit der Agentur Reuters setzte sich Zuroff vor dem Haus der Heim-Tochter in Puerto Montt, einer 200.000-Einwohner-Stadt in Patagonien, in Szene.

Zeitungen in aller Welt veröffentlichten den Namen der in Tirol geborenen Frau, die verheiratet ist und drei Kinder hat und oft auch in Österreich lebt. Indizien, dass sie Kontakt mit ihrem Vater haben könnte, gibt es nicht. Nach Angaben ihres Innsbrucker Anwalts, Hermann Graus, hat die Frau ihren Vater höchstens als Baby gesehen, ihre Mutter habe ihr später erzählt, er sei im Krieg gefallen. Um zu verhindern, dass die Frau weiterhin am Medienpranger steht, fordert Anwalt Graus von Zeitungen Unterlassungserklärungen oder klagt. Die „Vorarlberger Nachrichten“ und die „Tiroler Tageszeitung“ haben freiwillig bezahlt, gegen „profil“ läuft noch ein Verfahren. In Deutschland vertritt die Frau der Hamburger Anwalt Sven Krüger. Von der „Bild“-Zeitung will er „mindestens“ 20.000 Euro an Entschädigung. Alles in allem wird es wohl noch eine Weile dauern, ehe die Justiz geklärt haben wird, ob die Persönlichkeitsrechte höher eingestuft werden als das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit über Details der Suche nach einem steckbrieflich Gesuchten.

PS: Die Suchmaschine „Google“ listet 808 Einträge mit dem Namen der Frau auf, vor allem Zeitungsberichte in Nord- und Südamerika, in Deutschland und in Österreich.

Erschienen in Ausgabe 12/2008 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 17 bis 17. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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