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Medien

Styria Multi Media sucht Gewinn

Von Interview: Engelbert Washietl

Mit Frauenpower und Männerstärke treibt Vorstand Michael Tillian ein buntes Magazine-Programm voran.

?Herr Tillian, sind Sie beleidigt wenn ich frage, ob Sie Vorstand eines Durchhauses sind, in das die führenden Leute vorn hinein- und meist sehr bald hinten wieder hinausgehen? Die Fluktuation ist beeindruckend. Erst dieser Tagen sind die „Diva“-Chefredakteurin Veronika Pelikan und „Wiener“-Chefredakteur Maximilian Mondl verschwunden. Wie kann man das verstehen?

Michael Tillian: Der Vorgang gehört im Wesentlichen noch zur Konsolidierung, die sich aus zwei Zusammenführungen ergab: aus der Übernahme der ET Multimedia durch die Styria Medien AG sowie bald darauf der Fusion mit dem Sportmagazin-Verlag von Herbert Pinzolits. Das war voriges Jahr. Dann waren Pinzolits und ich eine Zeitlang gemeinsam im Vorstand. Pinzolits ist im März dieses Jahres aus dem Vorstand ausgeschieden.

Pinzolits musste weg, weil die Styria alles haben wollte?

Er musste weg aus dem operativen Bereich. Und natürlich gibt es in einer solchen Phase der Zusammenführung da und dort noch einmal eine Veränderung. Zu mir sind die Anzeigen und verlegerischen Ressorts, Redaktionen etc. gekommen. Das wirkt sich dann beispielsweise auf den „Wiener“ aus, und zusammen mit den schon vorher durchgeführten personellen Veränderungen könnte man auf eine gewisse Unruhe im Haus schließen. In Summe ist das sicher eine unruhige Zeit. Es geht darum, die Konsolidierung des Hauses auf jener Basis hinzukriegen, die man durch die Fusion gelegt hat: einerseits ein Stärkefeld im Männerbereich der Magazine zu entwickeln, und andererseits eines im Frauenbereich.

Von der Sportseite kam der männliche Teil, von der alten ET Multimedia der feminine?

Ungefähr so. Wir sind auf der Männerseite zwar auch nicht ganz schlecht, denn wir haben über die Achse „BusinessPeople“ in Richtung „WirtschaftsBlatt“ und „Presse“ aus der Gesamtsicht der Styria auch im Männerbereich ein beträchtliches Fundament. Aber im Magazingeschäft lag der Hauptschwerpunkt mit „Wienerin“, „Diva“, „Wohnen“, „miss“ bei den Frauen und Ergänzungen im Männerbereich fehlten. Ich habe mich mit Herbert Pinzolits gut verstanden und wir haben versucht, ein gemeinsames Haus zu schaffen. Dabei stellten sich nicht unbeträchtliche kulturelle Unterschiede heraus. Eine von zwei unternehmerischen Linien musste sich durchsetzen, und es war dann klar, dass Pinzolits die Mehrheit abgab und sich aus dem Operativen zurückzog. Und daraus ergaben sich weitere personelle Veränderungen.

Auch die Produkte wurden und werden verändert. Ist das Magazine-Sortiment noch nicht klar aufgestellt?

Die wesentliche Stoßrichtung ist gefunden. Überall kann man Ausrichtung oder Stärke noch verbessern. Aber der Sportbereich ist im Wesentlichen klar positioniert, der Frauenbereich ebenso. Der Relaunch des „Wiener“ bewirkte das im Männerbereich durch die Übertragung seines genetischen Codes ins Heute. Jene Titel, die strategisch schwierig und von den Zielgruppen her nicht klar definiert und auch nicht ertragreich waren, mussten verwandelt werden.

Reise- und Gartenmagazin sowie „Wohnen“ sind ganz verschwunden …

Diese Themen werden in einer Corporate-Publishing-Plattform betreut. Man kann das Reisemagazin verwenden, um ein Branding für spezielle Kunden abzuleiten. Das „Wohnen“ wird zusammengelegt mit der „Diva“, „Garten“ wird da und dort eine Rolle spielen, aber nicht als eigenes Magazin.

Also nicht nur konsolidieren, sondern auch säubern?

Sicher. Es waren 20 Publikumstitel, und jetzt sind’s um ein paar weniger. In Summe ist Styria Multi Media die Nummer zwei im österreichischen Magazingeschäft. Wir wollen zielgruppenorientiert und fokussiert arbeiten.

War die Übernahme der Sportmagazine Folge einer Kontroverse, aus der Sie als Alleinvorstand des gesamten Unternehmens hervorgingen?

Nein. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass sich eine Symbiose der Zugänge des Herbert Pinzolits und des Michael Tillian auf dem Papier perfekt darstellen lässt. Es handelte sich nicht so sehr um die Folge eines Streits, sondern der unterschiedlichen Unternehmenskultur, die im Vorstand begonnen hat und sich in die operativen Einheiten fortsetzte. Wir versuchen sehr dezentral und subsidiär zu führen und die Verantwortung dorthin zu geben, wo das Geschäft gelebt und gespürt wird. Wir haben eine Struktur mit mehreren Tochtergesellschaften, der Herr Pinzolits hat als Unternehmer agiert, der gewohnt war, jedes Detail zu bestimmen. In dem Sinn brachte er eine ganz andere Kultur herein. Im totalen Einvernehmen beantworteten wir die Frage, welche Kultur sich langfristig durchsetzen sollte, um das Unternehmen zum Erfolg zu führen. Pinzolits hatte außerdem für sich selbst ein Ablaufdatum gesetzt, ohne es definiert zu haben.

Ist die Styria Multi Media 2008 schon in den schwarzen Zahlen?

Wir starteten mit einem beträchtlichen Verlust. Das Unternehmen hat sich jedes Jahr signifikant verbessert. Ich fürchte, dass die Zahlen 2008 nach wie vor negativ sein werden. Gesamtverfassung und Stoßrichtung stimmen, aber es dauert vielleicht noch länger, als wir uns vorgenommen hatten. Wir haben in den letzten Jahren die Ergebnisse jeweils verdoppelt, das heißt die Verluste halbiert. Das ist uns 2008 nicht mehr gelungen, aber wir werden von den schwarzen Zahlen nicht so weit weg sein, dass dies ein Grund zu beträchtlicher Besorgnis wäre.

In der Bilanz von 2007 war aber schon ein leichtes Plus drin?

Ja, in der Bilanz der Holding ist ein leichtes Plus. Aber man darf nicht vergessen, dass wir in der „Styria Multi Media“-Gruppe keine Bilanz legen. Man müsste die Bilanzen der einzelnen Töchter noch prüfen. Wir haben 2005 beträchtliche Investitionen vorgenommen, das gibt Abschreibungen, hinzu kommen die Zinsbelastungen. Das bedeutet operativ betrachtet, dass wir auf EBITDA-Basis von einem schwarzen Ergebnis nur ganz leicht entfernt sind. Wirklich interessant ist unternehmerisch das echte Jahresergebnis, und da müssen wir uns noch mehr anstrengen, um dorthin zu kommen.

Styria Multi Media hat etwas, was andere nicht haben, nämlich einen „Frauen-Cluster“. Was ist denn das?

Wir sind grundsätzlich davon überzeugt, dass die klassische Unterscheidung zwischen einzelnen Mediengattungen – Zeitungen, Zeitschriften, Online etc – in ihrer Bedeutung zurückgeht. Wirklich relevant ist die Frage der Zielgruppen und wie ich sie erreiche – sowohl auf dem Leser-, User-, Hörermarkt als auch auf dem Anzeigenmarkt. Wir wollen mit dem Frauen-Cluster zielgruppenorientiert Medienangebote schaffen, die sehr wohl noch von Zeitschriften geprägt sind, denn wir sind ein historisch gewachsenes Zeitschriftenhaus. Der Fokus auf die Zielgruppe der Frauen soll aber nicht bei Zeitschriften enden, sondern in Form eines Frauen-Clusters zu allgemeinen Aktivitäten für die Zielgruppe führen. In der Ausbaustufe bedeutet das: digitales Geschäft, vielleicht Buchgeschäft, vielleicht andere Aktivitäten, die für die Zielgruppe interessant und relevant sind. Mehrere Medientitel und mehrere Mediengattungen werden sowohl redaktionell als auch vom Management bearbeitet. Das wird auch vom Anzeigenmarkt her sichtbar sein. Der Kunde, der die Zielgruppe Frauen erreichen will, kann dann mittelfristig gesehen nicht nur eine Anzeigenseite in einem Magazin buchen, sondern die Zielgruppe nach bestimmten Segmenten erreichen, also ältere Frauen, jüngere Frauen, reiche, kosmetikorientierte und so weiter. Darauf müssen die Organisation, die entsprechenden Medien und auch der Vertrieb ausgerichtet sein.

Vorläufig dominiert freilich noch Print das gesamte Erscheinungsbild.

Selbstverständlich Print. Internet ist vorhanden, aber stark entwickelbar, Buch ist punktuell vorhanden – wir bringen jetzt beispielsweise das Sportjahrbuch heraus, das ist mehr für die Männer.

In Ihrem Verlagshaus in Wien Simmering gibt es noch die Tageszeitung „WirtschaftsBlatt“ und &#x84
;media- net“. Welche Rolle spielen diese Produkte in Bezug auf „Multi Media“? Sind das Konkurrenten, Mitbewerber – denn auch sie können Ihre Zielgruppen im Auge haben, wenn auch auf andere Weise?

Ich sehe „medianet“ als ein Unternehmen im gleichen Haus, mit dem es sicher am Rande Überschneidungen gibt, aber das fällt nicht besonders ins Gewicht.

Und das „WirtschaftsBlatt“ spielt sowieso in einer anderen Liga und gehört außerdem wie „Multi Media“ zu Styria.

Die Zeitung ist aus der ET Multimedia entstanden, wurde herausgelöst. Ich bin dort gemeinsam mit Styria-Vorstand Pirker im Aufsichtsrat, operativ ist das aber ein anderes Feld. Operativ kümmert sich Hans Gasser um das „WirtschaftsBlatt“, auf der Eigentümerebene ist das wieder zusammengeführt in der Styria.

Irgendwann muss die Styria Multi Media aber doch zum Geschäft werden und Gewinn abwerfen?

Sicher, sonst hat es keinen Sinn.

Gibt es eine Deadline? In dem Jahr geht es nicht mehr. Jetzt kommt das schwierige Jahr 2009, vor dem alle Angst haben.

Ich war mir in meiner Planung ab 2005 sicher, dass wir 2008 oder 2009 in die schwarzen Zahlen kommen. Die Frage wird jetzt sein, wie sich die Krise wirklich auswirken wird, wie lange sie dauert und was sie für die Realwirtschaft bedeutet.

Erschienen in Ausgabe 12/2008 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 108 bis 109 Autor/en: Interview: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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