Warning: Use of undefined constant cms_navigation_js - assumed 'cms_navigation_js' (this will throw an Error in a future version of PHP) in /var/www/journalist.at/www/htdocs/wp-content/plugins/cms-navigation/CMS-Navigation.php on line 361
„Wir haben Fehler gemacht“ - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2009 » Ausgabe 02+03/2009 » Abendrot im ORF »

Titel

„Wir haben Fehler gemacht“

Herr Generaldirektor – eines gibt zu denken: Der ORF hat unter Ihnen das größte Imageproblem seiner Geschichte. Wie das?

Alexander Wrabetz: Einspruch. Die Sympathiewerte in der Bevölkerung sind so gut wie immer. In der veröffentlichten Meinung sieht es freilich anders aus.

Klingt nach Kritik an Ihrem Mastermind Pius Strobl, der die Monsterabteilung „Marketing und Kommunikation" leitet.

Nein, wir sind ein Team. Ich räume aber gerne ein, dass Fehler gemacht wurden.

Verständlich. Harald Fidler vom „Standard" hat Sie als „dead man walking" bezeichnet, Alfred Payrleitner nannte Sie im „Kurier" einen „Scheintoten". Wie lebt man damit?

Entspannt. Polemik und journalistische Zuspitzung gibt es rund um den Top-Job im ORF immer.

Am 2. April soll über die Strukturreform im ORF abgestimmt werden. Wie man überall hört, lässt man Sie aus politischen Gründen an die Wand fahren.

Ich habe in meiner ORF-Zeit schon öfter gehört, dass ich an die Wand fahren werde, habe aber immer eine Mehrheit bekommen.

Das ist Vergangenheit – nun zur Zukunft. Es kommt beziehungsweise droht ein neues Rundfunkgesetz. Ihre Wünsche sind welche?

Wie jeder, der an einem überlebensfähigen ORF interessiert ist, wünsche ich mir, dass dem Haus Handlungsspielraum bleibt …

… den haben Ihre Vorgänger ja stets vermisst.

Richtig. Man kann nicht immer, wie man will. Die Führung des ORF ist die „Kunst des Möglichen". Ein CEO eines Industriebetriebs kann bei Auftragsrückgängen 30 Prozent der Leute auf die Straße setzen – und die Aktionäre jubeln. Hire and Fire. Sowas fällt einem WU-Studenten spätestens im siebten Semester ein. Der ORF ist etwas anderes, er hat seinen Programmauftrag auch in Zeiten der Wirtschaftskrise in vollem Umfang zu erfüllen. Rechtliche und reale Arbeitsbedingungen sind für das Management viel enger als in einem Privatunternehmen.

Übersetzt heißt das: Sie sind in Geiselhaft von Politik und Betriebsrat.

Das ist Ihre Interpretation, aber es ist eben die Aufgabe, unter schwierigen Rahmenbedingungen Ergebnisse zu erzielen.

Die Politik hat andere Interessen als Sie. Landeskaiser hätten gerne irgendwelche guten Vertrauensleute auch in der zweiten Ebene.

Mir geht es nicht um gute Leute nach der Politikfarbe, sondern um die Besten. Das geht nicht immer leicht – ich lebe hier mit uralten Strukturen, die nur schrittweise geändert werden können.

Die sind bald vielleicht anders, nach dem neuen Rundfunkgesetz. Da sollte es auch weniger Direktoren geben. Sollten Sie überleben: Auf wen würden Sie ungern verzichten?

(Sehr, sehr langes Schweigen) ‚Tschuldigen Sie, Personalfragen bespreche ich mit den Betroffenen – und sicher nicht mit Ihnen.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2009 in der Rubrik „Titel“ auf Seite 30 bis 30. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;