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„Es gibt Klischees in den Köpfen“ - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2009 » Ausgabe 02+03/2009 »

Medien

„Es gibt Klischees in den Köpfen“

Von Elisabeth Horvath

Wie unabhängig konnten Sie aus Israel über die Luft- und Bodenangriffe auf Gaza berichten?

Ben Segenreich: In Israel kann man prinzipiell völlig frei berichten. Eine Freigabe durch den Zensor brauchen nur Berichte, die militärisch relevante Informationen enthalten. Das klassische Beispiel dafür ist, dass die genaue Stelle des Einschlags einer Kassam- oder Katjuscha-Rakete nicht angegeben werden darf, weil das natürlich dem Raketenwerfer-Kommando helfen könnte, beim nächsten Mal besser zu zielen. An diese Vorschrift halten sich die Journalisten schon im eigenen Interesse, weil sie ja selbst von der nächsten Rakete getroffen werden könnten. Ein großes Thema war bekanntlich, dass man aus Israel nicht in den Gaza-Streifen hinein konnte. Außerdem wurden zeitweise kleine Zonen am Rand des Gaza-Streifens, wo sich Truppen bewegten, zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Das war aber von keiner großen praktischen Wichtigkeit, weil sich dort nicht sehr viel abgespielt hat.

Gab es auch in Israel Tendenzen zum Instrument „embedded journalists"?

Ja, das Wort „Tendenzen" stimmt. Nach Beginn der Bodenoperation wurden einzelne prominente israelische Journalisten für jeweils einen Tag „embedded" mitgenommen. Für Auslandskorrespondenten wurden gegen Schluss „Pools" von jeweils acht Schreibern organisiert. Die Plätze wurden verlost. Die Pool-Journalisten wurden eine kurze Distanz in den Gaza-Streifen hineingebracht, sie konnten sich dort limitiert umsehen und wurden von Offizieren „gebrieft".

Ihr Urteil darüber, dass Auslandskorrespondenten vom Kriegsschauplatz ausgesperrt waren?

Prinzipiell sollte, wenn immer es möglich ist, der Zugang für Journalisten frei sein. Bei jedem Urteil muss man aber fairerweise auch die Randbedingungen einbeziehen. Zunächst einmal ist die Aussage, dass Auslandskorrespondenten ausgesperrt waren, nicht präzise. Der Personenübergang Eres war generell für alle geschlossen, mit der Begründung, dass die Übergänge in der Vergangenheit von der Hamas immer wieder angegriffen wurden. Abgesehen davon hätte es jeder, der in den Gazastreifen wollte, auch von der ägyptischen Seite her über Rafah versuchen können. Bezüglich der Frage „Journalisten in Kampfzonen" gibt es ein ewiges Dilemma. Die Journalisten wollen möglichst nahe ran. Die Armee will nicht, dass ihr „Journalisten zwischen den Beinen herumlaufen", und zwar nicht unbedingt nur deswegen, weil es etwas zu verbergen gäbe. Selbstverständlich herrscht dort Lebensgefahr, und wenn ein Journalist verletzt oder getötet wird, wird das der Armee zum Vorwurf gemacht. Umgekehrt wird ein Soldat zögern, wenn er in der Ferne eine Gestalt sieht, die etwas hält, was eine Kamera oder ein Gewehr sein könnte – also gibt es auch eine gewisse Zusatzgefährdung für den Soldaten. Im speziellen Fall des letzten Gaza-Kriegs: Was immer der Grund für die „Aussperrung" war, die Israelis haben rein vom Informationsaufkommen her de facto gar nicht davon profitiert, dass keine westlichen Journalisten im Gaza-Streifen waren. Es war ja nicht so, dass keine Bilder und Berichte herauskamen. Im Gegenteil, es kam eine Flut von Fernsehbildern, und die wurden fast alle von palästinensischen oder anderen arabischen Kameraleuten produziert.

Wie unterscheiden Sie zwischen manipulierter Information, seien es Berichte, seien es Bilder, und Tatsachen? Im Sinne: was ist Fälschung, was Wahrheit?

Durch Rückrecherchieren, Skepsis, Kenntnis der Umstände, Plausibilitätsüberlegungen, gesunden Menschenverstand. Sehr oft kann man unter dem Druck der Zeit und des Volumens einer Information aber nicht auf den Grund gehen. Das heißt, man ist zu „Einerseits-Andererseits"-Wiedergaben verurteilt: die Seite A sagt dieses, die Seite B sagt jenes.

Gibt es so etwas wie Spielregeln der internationalen Informationsmaschinen, welche sind das und wie geht man als Journalist damit um?

Es gibt gewisse automatisierte Abläufe. Der Ton und das Gewicht werden von bestimmten Leitmedien vorgegeben. Das sind vor allem die großen Agenturen Reuters und AP sowie weit vernetzte TV-Nachrichtensender wie CNN und BBC. Mit dem, was die spielen, singt ein globaler Chor mit. In den Auslandsredaktionen wird denen oft zu willig geglaubt. Die Agenturtexte finden sich blind multipliziert in unzähligen Zeitungen, Radiomeldungen, Online-Nachrichten wieder. An- dererseits gibt es oft keine Alternative, weil die Agenturen einfach einen gigantischen Apparat haben, mit dem kleine Medien nicht mithalten können. Wenn man etwas besser weiß als die Agentur, kann man als Journalist nur versuchen, seine Redaktion davon zu überzeugen, dass manchmal vielleicht etwas nicht ganz so ist, wie es in der Agentur rüberkommt. Aber man ist in dem Chor nur ein dünnes Stimmchen, und die Agenturgläubigkeit sitzt tief.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2009 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 71 bis 71 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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