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ARCHIV » 2009 » Ausgabe 02+03/2009 »

Medien

Friedenssuche im Meer des Hasses

Von Engelbert Washietl

Krieg und Medien II. Für den Gaza-Krieg zahlte Israel mit einem enormen Image-Verlust. Jetzt ist US-Präsident Obama dabei, eine gerechte Lösung zu finden.

Die Waffen im Krieg Israels gegen die palästinensische Bevölkerung des Gaza-Streifens schweigen, der Krieg der Worte geht unvermindert weiter. Manchmal sogar so, dass Worte unterdrückt werden: Der britische Rundfunksender BBC, dem man üblicherweise Objektivität zuschreiben würde, weigerte sich, einen Spendenaufruf zugunsten der geschundenen Bevölkerung des Gaza-Streifens auszustrahlen – aus Gründen der „Objektivität der Berichterstattung", wie die BBC-Verantwortlichen sagten. Sie mussten sich allerdings von Regierungsmitgliedern und sogar in einer Debatte des britischen Parlaments vorwerfen lassen, vor Israel in die Knie zu gehen.

Als Israel und die palästinensische radikale Hamas am 18. Jänner unabhängig voneinander den Waffenstillstand verkündeten, glichen die bewohnten Gebiete des eingekesselten Gaza-Gebietes bereits einem Trümmerhaufen. Die israelischen Luft- und Bodentruppen hatten nicht nur ganze, sondern brutale Arbeit geleistet.

Im Nahen Osten ist keine gerechte Aussage möglich, ohne beide Seiten als Mitspieler im verhängnisvollen Kreislauf der Gewalt zu outen, am besten in einem einzigen Satz.

Der ORF ging sorgfältig ans Werk und führte eine neue Form aktueller Berichterstattung ein. Die Korrespondenten Ben Segenreich (Tel Aviv) und El-Gawhary (Kairo) wurden fast regelmäßig und oft auch in simultaner Präsentation aufgefordert, das Kriegsgeschehen aus ihrer jeweiligen Sicht darzustellen.

International fiel das Urteil nicht immer in Äquidistanz zu beiden Kriegsparteien aus. Tatsache ist, dass Israel nach seinem Feldzug gegen die benachbarte palästinensische Bevölkerung nicht nur in der arabischen, sondern in vielen Teilen der übrigen Welt unbegreiflicher, weil unmenschlicher Härte bezichtigt wird. Der Zusammenstoß zwischen dem israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres und dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan auf der Bühne des Weltwirtschaftsforums in Davos wirkte wie ein später Nachhall dieses Konfliktes in der öffentlichen Meinung.

Israel wehrte sich gegen die feindlichen Raketen, die die Hamas aus dem Gaza-Streifen auf israelische Siedlungen abfeuerten und führte den dreiwöchigen Krieg mit einer Konsequenz, als wären alle Bewohner des schmalen Gaza-Streifens Terroristen – Schulkinder, Krankenhauspatienten und Babys eingeschlossen.

Die Hilfsorganisation Oxfam International hat Agenturberichten zufolge den im Gazastreifen angerichteten Schaden auf umgerechnet 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Bei der Militäroperation seien insgesamt 1.327 Menschen ums Leben gekommen, 1.314 davon seien Palästinenser. 5.500 Menschen wurden verletzt, etwa 50.000 obdachlos. In dem ganzen Landstreifen, der vom Rest der Welt abgezäunt ist, leben nur 1,5 Millionen Menschen.

Der Zeitplan der israelischen Racheaktion gegen die Raketenangriffe durch die radikale Hamas berücksichtig auch eine wichtige weltpolitische Komponente. Die israelischen Strategen nützten die letzten drei Wochen der Ära des amerikanischen Präsidenten George W. Bush, um das auszuführen, was unter dessen Nachfolger Barack Obama wohl auf Widerstand ihrer waffenliefernden Schutzmacht USA gestoßen wäre. Die Bomber, Panzer und Fußtruppen der Israelis wurden pünktlich noch unter Präsident Bush mit ihrer Aufgabe fertig.

Mit dem letzten Panzer, den die Israelis aus dem Gaza-Streifen abzogen, ist freilich auch die unselige Ära Bushs im politischen Sinn verpufft. Obama ernannte gleich in den ersten Tagen den erfahrenen Ex-Senator George Mitchell zum Sonderbeauftragten für den Nahen Osten. Dieser reiste unverzüglich nach Kairo, das sich zum Drehpunkt aller politischen Bemühungen um einen dauerhaften Waffenstillstand und eine gerechte Friedenslösung etabliert hat. Mitchell hat die fast unmögliche Aufgabe, in einer auf beiden Seiten aufgeheizten Atmosphäre zukunftstaugliche Ideen anzupreisen. Nicht nur die Palästinenser im Gaza-Streifen und selbstverständlich die radikale Hamas, sondern auch das gesamte arabische Lager sind nach dem israelischen Überfall auf Gaza weniger denn je zu Kompromissen bereit. Und in Israel herrschte bis 11. Februar Wahlkampf, in dem die extremistischen Siedlerkolonien den Takt vorgaben: keine territorialen und sonstigen Zugeständnisse an die Gegenseite. Schon befürchten ernst zu nehmende Experten, dass das angestrebte Modell einer friedlichen Zweistaatenlösung sich im wechselseitigen Hass verflüchtigen könnte.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2009 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 70 bis 70 Autor/en: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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