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Gegen Blähbauch

Mehr als 100.000 Tonnen Joghurt wandern jährlich von den Regalen der Supermärkte in die Mägen der Österreicher. Interessant dabei ist, dass der Anteil jener Sorte des säuerlichen Milchprodukts, die etwa viermal soviel wie die übrigen kostet, immer größer wird. Die Erklärung ist simpel: durch eine massive Fernsehwerbung wird der Eindruck erweckt, dieses spezielle Joghurt sei besonders gesund. Was allerdings, nach Meinung von Fachleuten, nicht stimme.

Besonders im Winter tauchen in TV-Spots Frauen und Kinder auf und es ertönt der Hinweis, dass es nun gelte, die Abwehrkräfte zu unterstützen. Dazu löffeln sie Joghurt. Warum gerade diese Marke? „Eine wissenschaftliche Studie belegt, dass Actimel die Aktivität körpereigener Immunzellen um bis zu 25 Prozent steigern kann", heißt es. Und nach Feiertagen streichen sich andere Frauen über den Bauch, nehmen Actimel zu sich und schwärmen, dies sei „das einzige Joghurt, das nachgewiesen einen Blähbauch reduzieren kann." Ein Wunder also, dieses meist in Polen hergestellte Produkt des französischen Konzerns Danone. Konsumentenschützer sprechen von „irreführender Werbung", da eine medizinische Wirkung von Actimel suggeriert werde. Die Expertin Dr. Alexa Meyer vom Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Wien hat eine Vergleichsstudie zwischen normalem Joghurt und dem mit speziellen probiotischen Keimen angereicherten Actimel veröffentlicht: „Es gibt keine signifikanten Unterschiede zwischen normalem Joghurt und Actimel – und ein vorbeugender Effekt konnte bisher nicht bewiesen werden."

Das heißt also: Actimel wirkt wie Joghurt – ist allerdings teurer.

Internationale Untersuchungen haben ergeben, dass Lebensmittel, die mit dem Etikett „gesund" versehen sind, einen riesigen Wachstumsmarkt haben. Dr. Rainer Haas, ein Wissenschafter aus dem Wiener Institut für Agrarökonomie, schrieb dazu vor einiger Zeit: „Es scheint, dass sich die Vision vom, Kühlschrank als Apotheke‘ zum goldenen Esel für die Nahrungsindustrie entwickeln könnte." Im Rahmen der EU soll die „Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)" nun bis zum Jänner 2010 entscheiden, welche Gesundheitsangaben bei der Werbung für Lebensmittel tatsächlich nachgewiesen und zutreffend sind.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2009 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 18 bis 18. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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