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Sprechstunde - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2009 » Ausgabe 02+03/2009 »

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Sprechstunde

Was Sie schon immer über Medien wissen wollten. Dr. Media beantwortet drängende Fragen der Branche.

Ist Mediengeld in der Schweiz sicherer angelegt?

Dr. Media: Wie man´s nimmt. Wenn damit jenes Geld gemeint ist, dass Verleger Eugen Russ und die Innsbrucker Familie Moser über ihre Familienstiftung für die Gründung von „.ch" (wird gesprochen: Punkt ch) nach Zürich gekarrt haben, dann kann diese Frage derzeit nicht mit „ja" beantwortet werden. Russ soll zum Start zehn Millionen Euro locker gemacht haben, die Moser Familienstiftung vermutlich ebensoviel. Einzelheiten sind großes Betriebsgeheimnis! Eigentlich wollte man damit „20 Minuten" Gas geben, Europas erfolgreichster Gratiszeitung. Das Ergebnis? Mager, reichlich mager! Größter Gratiszeitungskrieg der jüngeren Geschichte losgetreten. „20 Minuten" erfolgreicher denn je (2008 angeblich 25 Millionen Euro Reingewinn – so viel wie noch nie!). Und „.ch"? Journalistisch inzwischen besser, wirtschaftlich aber ein Fiasko der Sonderklasse, ätzen Beobachter. 50 Millionen Euro sollen ursprünglich im Topf gewesen sein. Im Herbst vergangenen Jahres wurde nun eine neue Gesellschaft gegründet, neues Geld nachgeschossen. Und eigentlich wäre jetzt Beten angesagt. Und was sagt Eugen Russ? „Die Entwicklung des Projekts macht uns große Freude." Äh? Ja? Was freut da? Der Druckauftrag, den sich Russ mit seinem Geld selbst bezahlt hat?

Ist Fellner der Vignetten-Man?

Dr. Media: Ja. In jeder Hinsicht! Ein guter Bekannter von Dr. Media bekam zum Abo nicht eine, sondern zwei Vignetten, die gleich hintereinander verschickt worden sind, wie die Einschreibnummern belegen. Da (fast alle) Bekannten von Dr. Media grundanständige Menschen sind, hat er ein Stück an das offenbar nicht gut funktionierende „Österreich"-Abo-Service zurückgeschickt.

Zwei Wochen später kam die dritte Vignette! Der geplagte Abonnent hat auch diese per Einschreiber retourniert – „mit eigenem Geld" wie Wolfgang Fellner sagen würde. Ist nicht so billig, so ein Einschreiber.

31.000 Pickerl (Stückpreis 73,80 Euro) hat „Österreich" 2008 der ASFINAG abgenommen. „Keine Zeitung hat soviel geordert", hört man. Die Freude hält sich dennoch in Grenzen. Fellner hat nach drei Jahren „tierischen Verhandelns" die ASFINAG zu einem – erraten – zu einem Gegengeschäft im Wert von 150.000 Euro überredet. Kein anderer Verleger hat das bisher geschafft. Kompliment!

Who the hell ist Karl Amon?

Dr. Media: Karl Amon ist bekanntlich Chefredakteur im ORF-Fernsehen – also nicht irgendwer. Bis zur Telefonzentrale hat sich das freilich nicht durchgesprochen. Wer ihn an einem normalen Werktag kurz nach 19 Uhr zu erreichen versucht, hat Pech. Man kennt ihn nicht. Dort sitzen offenbar Ahnungslose. Auch die Kaufmännische Direktorin ist eine Unbekannte. „Können Sie den Namen vielleicht buchstabieren?" „Sissy Mayerhoffer" ist ja nicht ganz leicht zu buchstabieren, mit Doppel-S und Doppel-F und den zwei Ypsilons dazwischen. Pikant: Die gute Frau ist Chefin der Telefonzentrale, die nach Umorganisation zu ihrem „Facility Management" gehört. Normalerweise lernt jede 1.300-Kraft bei Dienstbeginn, dass Empfang und Telefonzentrale zu den Visitkarten eines Unternehmens zählen. Im ORF ist man – trotz sauteurer Beratungen übrigens – noch nicht so weit.

Des Rätsels Lösung: Am Abend sitzen am Küniglberg Leute eines Wachdiensts. Amon war natürlich erreichbar – am Handy.

Ist Uschi Fellner eine Zynikerin?

Dr. Media: Nein, sagt jeder, der die Powerfrau auch nur ein bisserl kennt. Wie jedem Blattmacher passieren ihr freilich Fehler. Über ihre – übrigens immer besser werdenden – Samstag-Beilage „Madonna" konnte man sich zuletzt freilich wundern. Da gab es wochenlang die Schuldnerberaterin, die nicht nur verzweifelten Alleinerzieherinnen beim Sparen hilft. Dort zehn Euro beim Handy, da 20 Euro… Es reicht trotzdem nicht.

Man blättert um und findet dann Schuhe, die gerade angesagt sind, um 400 bis 500 Euro. Unfreiwilliger Zynismus. Tipp von Dr. Media an Frau Fellner: Sie haben im Büro und auch zu Hause einen vielleicht um einen Tick besseren Blattmacher. Der würde den Seitenspiegel vielleicht anders zeichnen, sprich: Sozialporno-Elend und Luxus passen so nicht ganz zusammen hintereinander.

Wer folgt Pándi als neuer Chronik-Chef in der „Krone"?

Dr. Media: Ist noch offen – wie immer in der „Krone". Der Wechsel von Chronik-Chef Claus Pándi in die Innenpolitik wurde trotz Medienberichten bisher nicht bestätigt. Jeder kann nur lesen und denken. Pándi schreibt seit kurzem wöchentlich (auch aus dem Urlaub) eine einseitige Politik-Kolumne. Ab 1. März wird er dort Dieter Kindermann ersetzen, der dem Blatt aber als Autor erhalten bleibt. Nachfolger von Pándi im Chronik-Ressort wird aller Voraussicht nach Thomas Schrems. Derzeit werkt er in der Steiermark. Er gilt als guter Mann. Nur: Nichts ist fix. Das Orakel von Delphi ist leichter zu deuten als die einsamen Entscheidungen von „Krone"-Herausgeber Hans Dichand.

Was halten Sie von Pándi?

Dr. Media: Über Pándi hört man vieles. Gutes und Schlechtes. Fazit der Branche: Er ist ein echtes A…, aber ein sauguter Journalist. Bestens vernetzt. Von Strache bis zum linkslinken Flügel der Caritas. Ist ein Profi. Die „Krone"-Innenpolitik kriegt mit ihm sicher mehr Zunder.

Wie macht das der Schmitt?

Dr. Media: Meinen Sie die vielen Exklusivgeschichten in der Gratis-Tageszeitung „Heute"? Ja, die fallen vielen auf in der Branche. Die Luxuskarossen der Nationalbankdirektoren und der Aufmacher über ORF-Gagen – alles exklusiv. Führend auch über den Bundesheerskandal beim tragischen Autounfall. Wie macht er das? Schmitts Antwort: „Sehr langer und mühsamer, Kundendienst´. Also Informantenpflege, täglich bis zu zehn Telefonate mit guten Bekannten aus Politik, Wirtschaft, Exekutive, Heer, ORF etc. Außerdem: Glück."

Dass „Österreich" tags darauf oft nachzieht und daraus einen Pseudo-Eigenaufmacher macht, stört Schmitt nicht. „Der Doppel-Leser denkt sich seinen Teil." Ein „Österreich"-Redakteur sagt: „Es gibt den Schmitt, wir haben die Schmitterls." Treffender kann man es kaum sagen.

Wie geht es zu bei „News"?

Dr. Media: Ziemlich turbulent. Der „Testosteron gesteuerte Atha" (so nennt man dort den neuen Chefredakteur) wirbelt wild herum und verabschiedet viele. Zum Beispiel Christian Neuhold, Chefredakteur für Sonderprojekte, und seit Beginn des Magazins ein Produktionsmuskel der Sonderklasse. Weiters: Isabelle Daniel.

Man muss sich um die beiden nicht wirklich Sorgen machen: Sie haben Kündigungsfristen von acht Monaten (Daniel) und einem Jahr (Neuhold). Letzterer soll wieder an das Haus gebunden werden, hört man aus der Umgebung von Generalherausgeber Oliver Voigt. Und Innenpolitikerin Daniel hat schon einen Fuß in der „Krone"-Tür. Sie mit Pándi wäre ein echter Generationswechsel.

Was macht eigentlich ein geschasster Chefredakteur?

Dr. Media: Ja, was macht eigentlich ein Chefredakteur, wenn er seinen Job los ist? Sich in ein Mäuseloch verkriechen, Wunden lecken, Giftpfeile abschießen? Die Tiroler Moser Holding hat 2008, also in nur einem Jahr, gleich zwei Chefs vom Thron gestoßen: Josef „Pepi" Ertl bei der „OÖ Rundschau" und Frank Staud bei der „Tiroler Tageszeitung". Und zwangsläufig fragt der eine oder andere stille Beobachter, hat das nun mit einem unglücklichen Händchen bei der Auswahl des Personals zu tun? Oder hat das Moser Ober-Alphatier Hermann Petz vielleicht einen etwas zu saloppen Umgang mit seinen Unter-Alphatieren. Wie auch immer. Eines muss man der Moser Holding zu Gute halten, sie lässt ihre geschassten Chefs zumindest nicht verhungern. Frank Staud ist bei vollen Bezügen buchstäblich nach Hause geschickt worden – und das gleich für die nächsten drei Jahre. Und „Pepi" Ertl sind Gerüchten zu folge 500.000 Euro umgehängt worden. Bedingung: Schweigen im Walde, andernfalls
Geld futsch.

Halt! Fast hätten wir auf ihn jetzt vergessen: Noch einen gibt es, der derzeit gut bezahlt durch die Gegend marschiert. Josef Votzi, früher Chefredakteur im „profil", dann bei „News". Er gilt als Top-Kanditat für die „Kurier"-Innenpolitik.

Eigentlich super, oder? Füße ausstrecken, morgens länger schlafen, kein Ärger mit unfähigen Mitarbeitern … Leider nein! Den Chefs dürfte es nicht anders gehen, als jedem kleinen journalistischen Hackler, der seinen Job los ist: Zweifel an den eigenen Fähigkeiten: Habe ich alles richtig gemacht? Zukunftsangst. Und natürlich eine Sauwut. Aber darüber darf man ja nicht reden.

Dr. Media beantwortet in der „Journalist"-Sprechstunde regelmäßig Leserfragen zur Medienbranche. Fragen bitte per E-Mail an: sprechstunde@ oberauer.com

Erschienen in Ausgabe 02+03/2009 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 88 bis 89. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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