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Unser Liebling des Monats

Warum wir ihn lieben? Weil Werner Faymann einfach so verdammt gut zu uns Medien ist. Während die wichtigsten Staatschefs dieser Welt den depperten Banken das Geld in den Hintern schieben, hat Faymann bereits 2008, damals noch Infrastrukturminister, klar erkannt, dass die Finanzkrise schnell zur Wirtschaftskrise und noch schneller zur Medienkrise auswachsen wird. Super! So viel Weitblick hätten wir uns auch von den Bankenheinis gewünscht. Doch damit nicht genug! Faymann hat auch instinktiv gespürt, dass man diese Krise umgekehrt behandeln kann. Also, wenn man bei den Medien anfängt.

Ein unkonventioneller Gedanke! Leider haben nicht alle diesen Zugang. Gabriela Moser etwa, von den Grünen, fehlen diese Zusammenhänge und nur daraus ist ihre jüngste parlamentarische Anfrage zu erklären. Sie will wissen, warum das Infrastrukturministerium, also unser Derzeit-Kanzler, 2008 beim Mucha-Verlag um 75.000 Euro Anzeigen geschaltet hat („in alter Währung also mehr als eine Million Schilling", schreibt die Grüne, als ob irgendjemand noch so rechnen würde).

Besonders irritiert Moser, dass auch unter der neuen Regierung weiter brav bei Mucha inseriert wird. „Alleine rund um den Jahreswechsel 2008/09 dürften mindestens ein halbes Dutzend weiterer Inseratenrechnungen des Mucha-Verlages beim BMVIT eingegangen sein." Aber hallo, Frau Moser, irgendwas vom Ende der Krise gehört? Also!

Und was soll Die Anfrage betreffend der neuen Mucha-Zeitschrift

„Poker"? Was irritiert Sie an den 17.000 Euro (234.000 Schilling), die Herr Faymann dort für eine Tabernakelanzeige ausgegeben hat? Hätten Sie doch im Infrastrukturministerium angerufen und man hätte Ihnen eine plausible Antwort gegeben: „Bei, Poker‘ sind sehr viele gefährdete Menschen", erklärt die für Schaltungen verantwortliche Mitarbeiterin. O. k., das ist jetzt vielleicht etwas zweideutig ausgedrückt. Wenn also „Poker" von besonders vielen unfallgefährdeten Menschen gelesen wird – und so hat es vermutlich das Ministerium sagen wollen –, dann muss man in so einem Magazin zwangsläufig für die Verwendung von Kindersitzen und das Anlegen von Sicherheitsgurten werben. 0,4 Tote weniger, dank W. C. Muchas „Poker"-Magazin. Spätestens in der nächsten Statistik des Kuratoriums für Verkehrssicherheit werden wir das auch nachlesen können.

„Gefährdete Menschen!" Hi, hi, hi! Auf die Idee muss man erst mal kommen! Wäre interessant, wem so etwas einfällt! Reichlich schwach dagegen Frau Mosers achter und letzter Punkt in ihrer Anfrage, wo sie zum Thema Korruption spekuliert. Schwach, Frau Moser! Sehr schwach. Hoch lebe dagegen unser Kanzler, dreimal hoch!

Erschienen in Ausgabe 02+03/2009 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 8 bis 8. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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