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ARCHIV » 2009 » Ausgabe 02+03/2009 »

Medien

Viel Soll und Haben bei der Moser Holding

Von Engelbert Washietl

Der Expansionsfeldzug schlägt in der Bilanz zu Buche und senkte das EGT von 2005 bis 2007 erheblich ab.

Der Eroberungszug der Tiroler Moser Holding hat eine Nebenwirkung. Wieder einmal hat ein großes Bankinstitut seine Stellung in Österreichs Medienbranche ausgebaut. Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich war schon in den vergangenen Jahren auffallend umtriebig und Geburtshelferin mehrere Veränderungen bei der Wochenzeitung „Oberösterreichische Rundschau", an der sie einen Anteil von 40 Prozent gehalten hatte.

Die vor kurzem erfolgte Übernahme der „Rundschau" durch die Tiroler veränderte – von zwei Firmengründungen für die Nachfolgeblätter abgesehen – die Beteiligungsverhältnisse. Die RLB OÖ ist nicht mehr an der „Rundschau" beteiligt, seit Dezember aber gleich an der Moser Holding, und zwar mit 14,63 Prozent.

Man kann die Neuerung von der Mikro- oder von der Makro-Ebene betrachten. Die Mikro-Ebene – obwohl dank expansivem Unternehmenskurs eindrucksvoll groß: die Moser Holding. Sie hat Geld gebraucht, weil die teilweise kostspieligen Akquisitionen offenbar aus Eigenem doch nicht zu finanzieren sind, zumal sie sich erst in Zukunft rechnen können. Und das wird gewiss nicht im Jahr 2009 geschehen.

Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender des Konzerns, kommentierte den Schritt mit dem Satz: „Wenn man als Unternehmen einen konsequenten Expansionskurs verfolgt, ist es sinnvoll, Akquisitionen nicht nur in Cash, sondern auch in Equity abzubilden." Übersetzt heißt das wohl, dass man in Innsbruck die Stärkung des Eigenkapitals durch die Giebelkreuzler aus Linz recht gut brauchen konnte.

Auf der Makro-Ebene setzt sich der Vormarsch der Banken in der Medienbranche fort. Kaum eine Veränderung auf dem Zeitungsmarkt, ohne dass Banken den Fuß in die Tür stecken. Bei der Gründung der Tageszeitung „Österreich" stand gleich ein ganzes Konsortium bereit, um Wolfgang Fellners Pläne finanziell abzusichern. In Ostösterreich spielt vor allem die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich/Wien die führende Rolle („Kurier", News-Verlagsgruppe), was so weit geht, dass ihr Obmann Christian Konrad sogar Interesse am ORF bekundete und mit der Raiffeisentochter Medicur bereits mit 40 Prozent in der Sendetechnik ORS verankert ist.

Kümmerte sich der oberösterreichische Raiffeisenchef Ludwig Scharinger medial bisher nur um das eigene Bundesland, so ist er mit der Einladung durch Petz nun auch in Tirol gelandet, und nicht nur dort. Denn die Tiroler entfalten ja, wie vielfach beschrieben, eine gesamtösterreichische Hektik mit Zukäufen in Oberösterreich und dem Ausbau des Bezirksblätterringes in allen Bundesländern. Der Erwerb der Wiener „Bezierkszeitung" („bz") durch die Moser Holding ist kartellrechtlich genehmigt. In dieser auflagenmäßig größten Gratis-Bezirkszeitung der Bundeshauptstadt wird man zumindest Kenntnis davon nehmen, dass Scharinger eine Säule in der Gesamtkonstruktion ist. Gleiches gilt für das Jointventure zwischen Styria und der Moser Holding namens „Regionalmedien Austria" (siehe Seite 50). Über die Medien stößt Scharinger geografisch somit auf die Gegenwelt Christian Konrads. Beispiel Niederösterreich: Konrads Raiffeisen-Holding ist mit 20 Prozent am Niederösterreichischen Pressehaus beteiligt, deren Wochenzeitung „Niederösterreichische Nachrichten" in Konkurrenz zu den „Bezirksblättern" der Moser Holding steht.

Hat Petz dringend Geld gebraucht? Seit 2006 haben eine ganze Reihe von Unternehmensmaßnahmen viel gekostet. Gegen die Gratiszeitung „Heute" und auch gegen die Tageszeitung „Österreich" munitionierte sich das Verlagshaus mit einer Boulevardzeitung neben der „Tiroler Tageszeitung" und sogar einer Gratiszeitung – beide Projekte sind niemals rentabel geworden. Eine neue Sonntagszeitung entstand und wurde nach kurzer Zeit umgebaut, auch die „TT" wurde gerelauncht, die „Bezirksblätter" eroberten flächendeckend Niederösterreich. Die Moser Holding kaufte Druckereien, das Frauenmagazin „Tirolerin" und in mehreren Etappen seit Ende 2006 die Wochenzeitung „Oberösterreichische Rundschau" – ein schwer defizitäres Unternehmen. Das war der äußere Anlass für den Abgang des Südtiroler Verlages Athesia aus der Moser Holding. Die Nordtiroler mussten die Anteile um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag zurückkaufen. Jedenfalls hört man von den Südtirolern, für sie sei die kurzzeitige Hälftepartnerschaft in der Moser Holding ein ausgezeichnetes Geschäft gewesen.

2007 verkauften die Nordtiroler für viel Geld einen Teil des Familiensilbers: Ihre Beteiligung an der profitablen Kabel- und TV-Gesellschaft „TelesystemTirol GmbH" wurde im Oktober jenes Jahres an die UPC Austria abgestoßen, und zwar zu vorteilhaften Konditionen für den Verkäufer, wie Petz damals dem „Journalist" versicherte. Kein Wunder, dass im Konzernabschluss 2007 außerordentliche Erträge von 51,97 Millionen Euro aufscheinen, die sich freilich schon 2008 verflüchtigt haben dürften: Der völlige Umbau der „Oberösterreichischen Rundschau" in zwei separate Gratiswochenprodukte samt Abschreibung der alten Verluste kostete eine in Zahlen nicht bestätigte Rekordsumme. Allein der Sozialplan für Kündigungen, Abfertigungen, Vertragsänderungen verschlang 7,5 Millionen Euro.

Da sich in einer Holding mit zahlreichen Tochterunternehmen nie genau sagen lässt, wo sonst noch Verlustbringer versteckt sind, zögern auch Wirtschaftsprüfer mit definitiven Aussagen über die Wirtschaftslage der „MoHo". Für die Bilanz 2007 wurden auf Anfrage des „Journalist" eine sehr gute Cash-Flow-Rate, Eigenkapitalausstattung (nach dem Verkauf der Kabelgesellschaft) und gute Umsatzrendite bestätigt. Allerdings stiegen die Fremdkapitalzinsen in den drei untersuchten Konzern-Jahren 2005 bis 2007 von 1,6 Millionen auf 2,7 Millionen Euro, das Ergebnis gewöhnlicher Geschäftstätigkeit (EGT) sank von 3,0 Millionen (2005) auf 867.000 Euro (2007). In der Bilanz 2007 wird vermerkt, dass die Holding Ausfallsbürgschaften für Beteiligungsunternehmen in der Höhe von 2,1 Millionen übernahm. Die Umsatzerlöse blieben mit 84,3 Millionen Euro gegenüber 2006 nahezu unverändert. Als Bilanzgewinn wurden 2007 noch 41 Millionen Euro verzeichnet. Die Zahl der Arbeitnehmer betrug bei aliquotierten Teilzeitkräften 515. In der Konzernbilanz bestätigt PricewaterhouseCoopers zur generellen Entwicklung der Moser Holding: „Insbesondere durch Neuorientierung im Tageszeitungsbereich erfolgt plangemäß eine sukzessive Transformation vom printorientierten Medienunternehmen hin zu einer multimedialen Unternehmensgruppe"

Im so genannten Quicktest wurde dem Konzern in allen drei Jahren eine „gute" Gesamtlage beschein- igt, 2007 sogar eine „sehr gute" finanzielle Stabilität und in jedem Jahr eine „gute" Ertragslage. Als ungünstig werden EGT-Entwicklung, Gesamtkapital, Fremdkapitalzinsen und Cash-Flow-Verbindlichkeiten beurteilt.

Das mit Styria geknüpfte strategische Bündnis auf dem Bezirksblätter-Sektor entlastet die Tiroler, weil Kosten und Gewinne künftig in der „Regionalmedien Austria" RMA auf beide Seiten aufgeteilt werden. Das gilt bereits für den Kaufpreis der „Bezirkszeitung" in Wien, nicht aber für das Abenteuer „Oberösterreichische Rundschau". Styria ist nicht bereit, alles mitzuzahlen, was die Tiroler in Oberösterreich riskierten.

Abseits von diesen betriebswirtschaftlichen Details treibt die Moser Holding die Festigung der medialen Wagenburg im eigenen Bundesland zügig, wenn auch im Zickzackkurs, voran. Machten die Printprodukte des Innsbrucker Konzerns noch vor zwei Jahren mit Blitzstartern wie einer Gratiszeitung („Neue Express") und einer Hybridtageszeitung („Neue") einen willkürlichen und vor allem unübersichtlichen Eindruck, so versucht Petz jetzt im Retourgang alles unter einer „Dachmarke Tiroler Tageszeitung" („TT") zu vereinen. Das ist bei der „TT am Sonntag", „TT kompakt" und „TT online" bereits gesche
hen. Vermutlich wird sich die Uniformierung bereits im Herbst auf das Format auswirken. Das Flaggschiff „Tiroler Tageszeitung", das zwar erst im September 2007 reformiert worden ist, erscheint derzeit noch im gewohnten Großformat. Eine Umfrage ergab jedoch, dass die Leser für Neuerungen durchaus empfänglich wären und sich auch das Tabloid-Format einreden ließen, zumal sie sich sonntags gut daran gewöhnt hätten. Laut Unternehmenssprecherin Lisa Berger nimmt soeben eine gemischte Arbeitsgruppe die Beratungen auf, ob die „TT" auf Tabloid umschalten soll.

Die Zeitung kämpft in Tirol gegen die „Tiroler Krone" als größtem Herausforderer. Auflagenmäßig stand das Match Verkaufsauflage im ersten Halbjahr 2008 bei 87.356 „TT" gegen 50.298 „Tiroler Krone" von Montag bis Samstag. Das ist knapp und zweifellos anstrengend für die „TT" – auch Rechtsanwälte leben davon. Kürzlich betonte Petz bei einer Medientagung, dass er das Modell einer regionalen Kauftageszeitung durchaus für überlebensfähig halte, allerdings nannte er Vorbedingungen: Kosten müssen „optimiert" werden, die Zeitung muss auf Synergien zugreifen können, die in seinem Medienhaus auch vorhanden seien. Allerdings sei die Zeit vorbei, in der Medien alles selber machen müssten. Der Moser-Holding-Chef ist ein Fan von „Zukäufen": Was über die lokale Leistung der Zeitung hinausgehe, könnten alle Medien gemeinsam und somit billiger erledigen.

Dass Journalisten mit überregionalem Ehrgeiz sehr rasch wegrationalisiert werden könnten, ist eine konkrete Perspektive der Branche. Der Blick über den Tellerrand erscheint den Verlegern als zu kostspielig.

Die „TT" hat im Zuge aller Veränderungen in der Moser Holding kürzlich unter nicht näher erläuterten Umständen auch ihren Chefredakteur Frank Staud verloren. Petz sagt darüber nur kryptisch: „Alles hat seine Zeit." Immerhin war zuvor Staud als Überchefredakteur aufgebaut worden, der auch auf die Sonntagszeitung, die Gratis- und Halbgratisprodukte Einfluss nahm und bis Ende 2008 Geschäftsführerpositionen in der „TT", der „Neuen", dem „Express", der Sonntagszeitung und dem Schlüsselverlag J.S. Moser inne hatte. Staud hatte 2005 Claus Reitan als „TT"-Chefredakteur abgelöst. Im Dezember teilte Petz der Redaktion per Mail mit, dass ab sofort zwei Chefredakteure an der „TT"-Spitze stehen: „Mit Alois Vahrner und Mario Zenhäusern setzen wir auf personelle Kontinuität in der Umsetzung unseres innovativen Weges, insbesondere was die Integration mehrerer Kanäle (Print, Online, Radio) in der Redaktion betrifft." Die beiden Genannten gehören seit den 80er-Jahren zur Zeitung.

Einen Generationswechsel gibt es bei der „Tirolerin", dem lokalen Frauen- und Lifestyle-Magazin. Die gebürtige Südtirolerin Elisabeth Strobl löste die bisherige Chefredakteurin Gertrud Schattanek ab, die die Zeitschrift mitbegründet hatte.

Die Aufzählung „Print, Online, Radio" gilt in Innsbruck als die große Herausforderung des Verlagshauses. Zwar soll nicht der multifunktionale Redakteur erfunden werden, es müsse aber gelingen, relevante Informationen über Print und Online zu verbreiten. Im Radiobereich hat die Moser Holding laut eigenen Angaben die „benutzerfreundlichste Radioplattform" eröffnet, die im Anfangsstadium aber auch mit einer Orchideenzüchtung verwechselt werden könnte. Über Radio.at haben die Internet-Nutzer Zugang zu 2.300 internationalen und selbstverständlich auch österreichischen Radiosendern. Man muss warten, was daraus wird, auch werblich gesehen. Die Moser Holding betreibt Radio.at in Lizenz der Radio.de GmbH Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2009 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 76 bis 79 Autor/en: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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