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ARCHIV » 2009 » Ausgabe 02+03/2009 »

Beruf

Zum Nachteil der Journalistinnen

Von Elisabeth Horvath

Obwohl Journalismus schon lange nicht mehr ein reiner Männerberuf ist, sind die geschlechtlichen Unterschiede in Salär, Anstellungs- und Aufstiegschancen gewaltig.

Frauen im Journalismus sind stärker im Kommen als auf dem Gesamtarbeitsmarkt, sowohl mit Blick auf ihre Erwerbsbeteiligung als auch auf ihr hohes Qualitätsniveau. Dies jedenfalls in Österreich, wo der Frauenanteil unter den Journalisten 42 Prozent beträgt, in Deutschland hingegen erst 37 und in der Schweiz gar nur 33 Prozent. Dabei lautet die Generationenverteilung: Je jünger die Journalisten sind, desto mehr Frauen werken in diesem Beruf. So stellen die Journalistinnen unter den Jungen bis 29 Jahre mit 58 Prozent bereits die Mehrheit. Bei den 30- bis 39-Jährigen – übrigens die größte Gruppe unter Österreichs Journalisten (weiblich und männlich) – herrscht Parität. Während in der Gruppe der 50- bis 60-Jährigen bloß knapp mehr als ein Viertel aller Journalisten Frauen sind. Dehalb leistete diese zahlenmäßig vergleichsweise kleine Journalistinnengeneration ja auch Pionierarbeit, was die heutige Erhöhung der geschlechtlichen Chancengleichheit in diesem Beruf angeht.

Journalismus ist also schon lange nicht mehr ein Männerberuf. Trotzdem sind die geschlechtlichen Unterschiede im Salär, in den Anstellungs- und Aufstiegschancen noch immer gewaltig. Zum Nachteil der Journalistinnen, versteht sich. So förderten die Autoren des Journalisten-Report II „Österreichs Medienmacher und ihre Motive" (eine von Gallup durchgeführte repräsentative Befragung im Mai 2008) Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin, Daniela Kraus und Astrid Zimmermann folgende duchschnittliche Netto-Gehaltsunterschiede zutage: Während Tageszeitungsjournalistinnen monatlich 2.068 Euro erhalten, bringen es die männlichen Kollegen auf 2.546 Euro. Radiojournalistinnen erhalten 1.986 im Monat, Radiojournalisten 2.486 Euro. Nur bei den TV-Sendern sind die Gehaltsunterschiede nicht so krass: Fernsehjournalistinnen verdienen rund 2.283, Fernsehjournalisten 2.568 Euro. Im Schnitt verdienen also Journalistinnen 500 Euro netto weniger als ihre männlichen Kollegen.

Die Gründe für diesen Gehaltsgap sind vielschichtig. Ein gewichtiger Grund ist die Tatsache, dass bei Monatszeitschriften, Magazinen und Special-interest-Medien prozentuell mehr Frauen arbeiten als in anderen Mediengattungen. Dabei ist in diesen Medientypen der Anteil der freien Journalisten mit 44 Prozent hoch und die Gehälter schon vom Kollektivvertrag her niedriger. Unter den Freien ist wiederum der Frauenanteil höher (46 Prozent) als bei den Angestellten.

Des Weiteren sind die Nettogehälter der Journalistinnen in den einzelnen Ressorts niedriger als jene der Männer. Den höchsten Einkommensunterschied erleben Innenpolitik-Journalistinnen: Diese beziehen durchschnittlich 2.278 Euro monatlich, die Männer hingegen 3.500 Euro. Einzig die Kolleginnen im Lifestyle-Ressort haben, was den Monatsbezug angeht, gegenüber den Männern die Nase vorn: Frauen 2.660 Euro, Männer bloss 2.460 Euro.

Dazu kommt auch die Tatsache, dass nur rund jede zehnte Journalistin eine leitende Funktion erringt – und wenn dann vorwiegend in Lifestyle- und Frauenmagazinen – während dies fast jedem fünften Journalisten gelingt. Und schließlich beginnen Journalistinnen im Schnitt um vier Jahre jünger in den Beruf einzusteigen, arbeiten aber um rund fünf Stunden (42,1 Wochenstunden) weniger als die männlichen Kollegen. Freilich sind dabei auch die Teilzeitbeschäftigten mit eingerechnet. Und in dieser Gruppe stellen die Frauen 57 Prozent. „Da die größte Gruppe der Teilzeit arbeitenden Journalistinnen", folgern die Studienautoren, „im Alter bis 49 Jahre ist, liegt die Intepretation nahe, dass der Hauptgrund für Teilzeitarbeit Betreuungspflichten sind."

Kein Wunder also, dass es zwischen Journalisten und Journalistinnen ebenfalls einen großen Unterschied gibt, was den Familienstatus und die Kinderzahl angeht. So leben 78 Prozent der männlichen Kollegen in einer Partnerschaft aber nur 64 Prozent der weiblichen. Bei Tageszeitungen sind es gar nur 57 Prozent der Frauen, hingegen 77 Prozent der Männer. Eigene Kinder haben 56 Prozent der Journalisten, jedoch nur 36 Prozent aller Journalistinnen.

Und was die Aufstiegschancen betrifft, so herrscht unter den weiblichen Journalisten klarerweise mehr Unzufriedenheit als unter den männlichen Kollegen, wiewohl insgesamt sowieso nicht einmal jeder dritte Journalist mit seinen Karrierechancen zufrieden ist: 59 Prozent männliche Unzufriedene stehen 66 Prozent weiblichen Unzufriedenen gegenüber. Was freilich angesichts der zahlenmäßig tatsächlich wenigen Journalistinnen in Führungspositionen gar nicht ein so großer Unterschied in der Unzufriedenheit ist. Dies lässt jedenfalls die Vermutung zu, dass viele Journalistinnen noch immer zu wenig in die oberen Etagen drängen.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2009 in der Rubrik „Beruf“ auf Seite 36 bis 37 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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