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Special Politik

„Die Kritik ist auszuhalten“

Von Interview: Engelbert Washietl

?Wie geht es einem Spitzenjournalisten, wenn er ein österreichisches Denkmal zerstört?

Herbert Lackner: Es geht mir gar nicht ums Denkmalzerstören, denn zerstören kann man es eh nicht. Ich halte Helmut Zilk nach wie vor für einen sehr guten Kulturpolitiker und ändere an meiner Einstellung nichts. Allerdings empfinde ich sein Verhalten für schwerst unethisch, und insofern geht es mir nicht schlecht. Denn wenn man seine eigene Partei bespitzelt und das an den kommunistischen Geheimdienst verkauft, dann ist das einfach unanständig – auch wenn es folgenlos für die Weltgeschichte war.

Und wenn man das so wie Sie anrührt und aufdeckt, kommt Kritik von allen Seiten, vom Bundeskanzler abwärts. Hat Sie das irritiert?

Das ist auszuhalten. Wir Journalisten sind ja nicht dazu da – das wissen Sie auch –, Politikern Freude zu machen. Wenn die das so sehen, ist mir das auch recht. Was mich nur verblüfft ist, dass das irgendwie als parteipolitische Aktion verstanden wurde. Ich hatte das Gefühl, viele in der ÖVP haben sich gefreut und viele in der SPÖ waren bös. Dabei geht’s überhaupt nicht um Parteipolitik, sondern um ein Stück Zeitgeschichte. Der Fall ist typisch für die Zeit des kalten Krieges.

„profil" kritisiert auch die Medien heftig.

Zu Recht, denn es wurde ja blanko behauptet, dass das alles nicht stimmt und gefälscht ist, ohne dass sie sich auch nur eine Sekunde bemüht haben, in den Akt hineinzuschauen. Ich hab sogar selber alle die, die das sagten, angerufen und eingeladen in die Redaktion zu kommen und sich das selber anzuschauen und danach zu schreiben, ob es gefälscht ist oder nicht. Niemand hat davon Gebrauch gemacht.

Typisch Boulevard?

Das waren „Krone" und „Österreich". Besonders typisch „Österreich": Die haben einerseits unsere Geschichte mit den Zitaten nachgeschrieben, und darauf ist ein Kommentar gekommen, dass wir uns entschuldigen sollen. Ein besonderer Scherz.

Kann es sein, dass Spitzenbeamte wie der damalige Sicherheitsdirektor Michael Sika, der 1998 offenbar wider besseres Wissen jeden Verdacht zerstreute, von Natur aus der Meinung sind, sie müssten nicht Fakten erheben, sondern große Politik machen?

Diesen Eindruck kann ich nicht zerstreuen. Wenn es stimmt – und es stimmt sicher – dass Sika zwei hochrangige Staatspolizisten nach Prag geschickt hat, worauf sie nach ihrer Rückkehr gesagt hätten „Da ist nichts" – so beschreibt Sika das in seinem Buch – dann haben diese Beamten gelogen. Sie hatten das gleiche Material wie wir.

Jetzt könnten wir die Geschichte von 1998 bis heute fortschreiben und fragen: Wo ist der Akt, warum wird er so lange nicht gefunden und wer hält ihn noch immer geheim?

Das, was jetzt gefunden wurde und nicht hergegeben wird, ist nur ein kleiner und wenig interessanter Teil. Die wirklich interessanten Stücke wären das, was die österreichische Staatspolizei 1998 herausgefunden hat. Davon gibt es nach wie vor keine Spur.

Österreich hat während des Kalten Krieges sowieso eine seltsame Rolle gespielt als Aufmarschgebiet und Treffpunkt aller möglichen Agenten. Könnte ja sein, dass auch die österreichischen Geheimdienstler viel verbergen wollen?

Das weiß ich nicht. Im Kern geht es darum, dass sich ein sehr prominenter Mann jahrelang vom tschechischen Geheimdienst bezahlen ließ und dafür Informationen von wechselndem Wert geliefert hat. Manche waren mehr wert und manche weniger. Das hat den Tschechen offenbar genügt, sonst hätten sie ihn nicht bezahlt.

Man könnte auch die Version verfolgen, dass ein Spion aufgebaut werden sollte: Die Auftraggeber hoffen, dass aus ihm noch mehr wird, er also noch größeren Einfluss bekommt. Gibt es dafür Indizien?

Sie haben jedenfalls gehofft, dass Zilk weiter Karriere macht, und gewusst, dass sie ihn in der Hand haben. Die Tschechen erwähnen in ihrem Akt auch immer wieder: „Er ist vollkommen kompromittiert." Sie hatten ja die unterschriebenen Rechnungen in der Hand. Nachdem er Fernsehdirektor geworden ist, vermerken sie in den Aufzeichnungen positiv, dass er noch mehr Zugänge zu Informationen haben werde.

Erschienen in Ausgabe 04+05/2009 in der Rubrik „Special Politik“ auf Seite 84 bis 85 Autor/en: Interview: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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