ARCHIV » 2009 » Ausgabe 04+05/2009 »

Rubriken

Drucker unter Druck

Von Engelbert Washietl

Unter den vielen Problemen, mit denen Printmedien derzeit kämpfen, wird eines seit Jahrzehnten mitgeschleppt, ohne dass es je gelöst worden wäre. Die Druckereibediensteten haben sich dank einer starken Gewerkschaft arbeitsrechtliche Privilegien erkämpft, von denen die Mitarbeiter anderer Branchen und Sparten nur träumen könnten – vor allem auch die schreibenden Journalisten. Hohe Tarifsätze wurden durch ein zum Teil bizarres Zulagen- und Zeitrechnungssystem in die Höhe geschraubt – und dort sind sie noch immer, obwohl es im Gebälk der Printbranche kracht. Der Präsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen, Horst Pirker, nahm sogar das Wort Managergehälter in den Mund. Jahresgehälter über 100.000 Euro bei 32 Stundenwochen seien eher die Norm als eine Seltenheit.

Das finanzielle Anspruchsniveau stammt aus einer Zeit, als Druckerarbeit noch eine schmutzige, finstere und giftige war. Bei den Bediensteten, die heute in modernen, computergesteuerten Betrieben arbeiten, finden die alten Verträge klarerweise noch immer große Sympathie. Kurzum, am 8. April verzögerten von der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck Journalismus Papier (GPA-djp) veranstaltete Betriebsversammlungen die Zeitungsproduktion. Vielleicht kommen noch mehr Warnaktionen oder sogar ein Streik, weil die Arbeitgeber erstmals mit der Gartenschere ins dichte Geäst der Tarifregelung eindringen.

Erschienen in Ausgabe 04+05/2009 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 8 bis 8 Autor/en: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;