Warning: Use of undefined constant cms_navigation_js - assumed 'cms_navigation_js' (this will throw an Error in a future version of PHP) in /var/www/journalist.at/www/htdocs/wp-content/plugins/cms-navigation/CMS-Navigation.php on line 361
Journalistische Ehe mit Überbau - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2009 » Ausgabe 04+05/2009 »

Special Politik

Journalistische Ehe mit Überbau

Von Engelbert Washietl

Die Pressereferentin von Bundeskanzler Werner Faymann, Angelika Feigl, sieht keine Ursache, sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Ein Ansuchen um ein Interview beantwortet sie nach einwöchiger Überlegung: „Ich danke für Ihr freundliches Angebot, nehme es aber nicht an." Schade, denn der Hauptteil des Interviews hätte sich, so wie telefonisch angekündigt, um das politische Kommunikationssystem der Marke Faymann gedreht.

Freilich, eine Frage hätte gestellt werden müssen, die Feigl möglicherweise unangenehm ist, an die sie sich aber gewöhnen muss: Wie sich ihre Spitzenfunktion gewissermaßen als Sprecherin der Republik damit verträgt, dass ihr Ehemann Claus Pándi zu einem Top-Innenpolitiker der „Kronen Zeitung" aufgerückt ist, der kämpferische Sonntags-Kolumnen mit innenpolitischen Neuigkeiten unterfüttert. Um die engen Verflechtungen von Bundeskanzler Werner Faymann mit der „Krone", die sich im Wahlkampf massiv und parteiisch für seinen Erfolg eingesetzt hat, kommt ja niemand herum. Die Frage, ob die berufliche Arbeitsteilung zweier Ehepartner in ihrer Tagesarbeit mehr praktisch oder mehr störend ist – für sie selber oder für andere – wird gestellt. Also ist sie da.

Die „Oberösterreichischen Nachrichten" schüttelten vor kurzem den Kopf über die enge Symbiose zwischen Faymann und Medienstaatssekretär Josef Ostermayer, „diese kleinste Form eines Netzwerkes um die Stationen Wiener Mietervereinigung, Stadtregierung, Verkehrsministerium und eben jetzt Ballhausplatz", und fügten hinzu: „Dass mit Claus Pándi ein Innenpolitik-Autor des Massenblattes mit Faymann-Sprecherin Angelika Feigl verheiratet ist, ergänzt dieses Bild."

Im „Standard" wunderte sich Günter Traxler im „Blattsalat" über „das Auftreten des innenpolitischen Beauftragten, der es im Blatt zum Gagschreiber eines Bundeskanzlers gebracht hat, welcher mit bewunderswertem politischen Feingefühl dessen Frau als seine Pressesprecherin beschäftigt".

Nun, Claus Pándis Problem ist es nicht, und gegen eine Ehe kann niemand sein. Die Konstellationen sind es, die auch von manchen Chefredakteuren mit Stirnrunzeln registriert werden. Gerald Mandlbauer, „OÖN": „Natürlich ist diese Angelegenheit inkompatibel – und zwar für beide Seiten. Es müsste daher entweder die, Kronen Zeitung‘ reagieren (wie es der, Standard‘ ja in einem ähnlich gelagerten Fall auch einmal getan hat) – oder der Bundeskanzler. Aber bei allem, was zwischen, Krone‘ und Kanzler läuft, ist diese Inkompatibilität wenigstens offensichtlich und damit für alle erkennbar. Schlimmer sind die Dinge, die unter der Budel laufen. Ich denke dabei vor allem an die Art und Weise, wie der, Krone‘ Zuwendungen aus öffentlichen Unternehmen und Ministerien vermittelt werden (von A wie Asfinag bis V wie Verkehrsministerium) Was ich damit sagen will: Das Verhältnis zwischen, Krone‘ und Kanzler ist vielschichtiger, als es in dieser rein personellen Verquickung zum Ausdruck kommt."

Claus Reitan, „Die Furche", arbeitet bei aller Zurückhaltung die entscheidende Frage heraus. „Man kann niemandem Verwandtschaften vorwerfen, auch Journalisten nicht", sagt er, aber: „Ist den betroffenen und handelnden Personen klar, dass sie vor möglichen strukturell bedingten Interessen- und Loyalitätskonflikten stehen, die sie in einen Widerspruch zu ihren staatlichen bzw. publizistischen Verpflichtungen bringen können? Und wie gehen sie damit um, dies zu vermeiden? Vielleicht haben diese Personen und deren Dienstgeber eine Antwort. Wichtig wäre es jedenfalls."

Andreas Unterberger, „Wiener Zeitung": „Es hat auch in der Vergangenheit genug Fälle gegeben, wo es – schon aufgrund des ständigen gemeinsamen Auftretens im journalistisch/politischen Wanderzirkus – zu sehr engen Kontakten zwischen Journalisten, Politikern und Politiker-Kabinetten gekommen ist. Im Fall Pándi hat das alles eine absolut neue Qualität erreicht, die alle bisherigen Fälle wohl dramatisch übertrifft. Denn erstens gibt es absolut keine Bemühungen Herrn Pándis, solchen Themen auszuweichen. Zweitens ist Herr Pándi gerade erst nach dem Offiziellwerden seiner privaten Verbindung in eine innenpolitische, viel einflussreichere Position gehievt worden. Hätten wir eine funktionierende medienpolitische Diskussion, hätte das so wie in anderen Ländern gewaltiges Aufsehen erregen müssen, insbesondere da die, Kronen Zeitung‘ die auflagenstärkste Zeitung Österreichs ist."

Andreas Koller, „Salzburger Nachrichten", zieht Analogien zu vergangenen Naheverhältnissen: „Ich habe es immer als absurd und unfair empfunden, dass man Stefan Gehrer aus dem Ministerstatus seiner Mutter einen Strick drehen wollte – so als würde es sich bei dem ORF-Journalisten nicht um eine eigenständige Person handeln, sondern um die journalistische Inkarnation seiner Mutter. Auch die Lebenspartnerschaft Claudia Reiterers mit einem grünen Funktionär war für mich nie eine journalistische Kategorie. Ich gehe bis zum Beweis des Gegenteils davon aus, dass eine Journalistin bzw. ein Journalist zwischen Beruf und Lebenspartnerschaft zu unterscheiden versteht. Niemand wäre je auf die Idee gekommen, aus der Ehe Peter Rabls mit der ÖVP-Politikerin Helga Rabl-Stadler eine politische Einäugigkeit des, Kurier‘-Herausgebers abzuleiten. Das Problem sind nicht die Lebenspartnerschaften zu ebener Erde, sondern die Verhaberungen im ersten Stock. Nicht die Verbindung Feigl-Pándi ist es, die die, Krone‘ zur Kanzleramtspostille macht, sondern die Verbindung Faymann-Dichand. Der Umstand, dass die Regierungsspitze mit dem Zeitungsboulevard gute Geschäfte macht, und das leider im wörtlichen Sinn, wäre nicht aus der Welt geschafft, wenn Faymann eine andere Pressesprecherin engagierte."

Erschienen in Ausgabe 04+05/2009 in der Rubrik „Special Politik“ auf Seite 78 bis 79 Autor/en: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;