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Kollegen im Gefängnis: Absurde Strafen in Burma

Nay Phone Latts Mutter rechnete mit „nur" zehn bis zwölf Jahren Haft für ihren Sohn. Es werden 20 Jahre und sechs Monate. Der burmesische Blogger und Besitzer von zwei Internetcafés wurde letztes Jahr in drei Punkten schuldig gesprochen. Für die Diffamierung des Staates erhielt er zwei Jahre Haft, für den Verstoß gegen ein Video-Gesetz dreieinhalb Jahre und für jenen gegen ein Gesetz über elektronische Medien fünfzehn. Der 29-Jährige besaß ein Video, das von den Behörden als subversiv eingestuft wurde, und betrieb einen Blog. In diesem thematisierte er immer wieder, wie schwierig es in Burma ist, frei seine Meinung zu äußern. Sein Blog war während der Demonstrationen der Mönche im September 2007 eine wertvolle Informationsquelle im In- und Ausland.

Auf die brutale Niederschlagung der „Safran-Revolution" folgte letztes Jahr die zweite Katastrophe in Burma, der Wirbelsturm Nargis. Auch hierfür waren Zeugen unerwünscht. Zum Beispiel Zarnganar: Der bekannte Schauspieler und Blogger, der den Behörden schon lange ein Dorn im Auge war, wurde verhaftet, nachdem er der BBC ein Interview über die verzweifelte Lage der Wirbelsturm-Opfer gegeben hatte. Er wurde zunächst zu 45 Jahren Gefängnis verurteilt, ein paar Tage später kamen weitere 14 Jahre hinzu.

Nay Phone Latts Mutter war es übrigens nicht erlaubt, am Prozess teilzunehmen. Sein Anwalt wurde selbst ins Gefängnis gesperrt, da er das Verfahren kritisiert hatte.

Sie können „Reporter ohne Grenzen" helfen und sich für die Freilassung von Nay Phone Latt und seiner Kollegen einsetzen. Werden Sie Mitglied von „Reporter ohne Grenzen", unterschreiben Sie die Petition auf www.rsf.org oder schlagen Sie Ihrer Chefredaktion vor, eine Patenschaft zu übernehmen.

Informationen dazu bei: Reporter ohne Grenzen Österreich, Internet: www.rog.at

Sylvia Valentin,

Reporter ohne Grenzen, Schweiz

Erschienen in Ausgabe 04+05/2009 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 12 bis 13. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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