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Titel

Pirkers MMM-Strategie und ihre drei Säulen

Horst Pirker beschäftigte sich in seiner Doktorarbeit „Zur Zukunft der Zeitungen" nach eigener Aussage nur zu rund einem Prozent mit der „Content Engine". Dieser Begriff kommt aber sogar im Titel der Dissertation vor, scheint also von zentraler Bedeutung zu sein. Aus Vorträgen und Artikeln, die der Vorstandsvorsitzende der Styria Medien AG verfasst hat, lässt sich folgende Theorie ableiten:

Um in der täglichen Zusammenarbeit der Redakteure die Synergien richtig nutzen zu können, bilden sie eine gemeinsame „Content Engine". Diese bearbeitet ähnlich einer Multimedia-Agentur die Informationsinhalte und sorgt dafür, dass die Produkte über alle passenden Kanäle verbreitet werden. Die Content Engine ist somit die organisatorische Basis der „MMM"-Strategie des digitalen Zeitalters. Die MMM-Strategie hat laut Pirker drei Säulen:

1. Multimedialität: Die Digitalisierung und die mit ihr einhergehende Desintegration der Zeitungsindustrie ermöglichen es, nahezu alle Medientypen zu integrieren und den Kunden multimediale Inhalte anzubieten. Die bisher für unterschiedliche Darstellungsformen wie Ton, Bild und Daten organisierten Industrien verschmelzen zu einer Branche.

2. Multiplattform: Die Zeitung ist nicht mehr an das bedruckte Papier gebunden, sondern bespielt im digitalen Zeitalter sämtliche neuen Plattformen wie PC, Notebook, Mobiltelefon oder Personal Digital Assistents (PDA) mit multimedialem Content. In dem Zusammenhang hebt Pirker hervor, dass das Wort „Zeitung" im ursprünglichen Sinn gleichbedeutend mit „Nachricht" war, also nicht unbedingt bedrucktes Papier bedeutete. Unter Berufung auf Otto Groth werde die Zeitung durch vier Wesensmerkmale definiert: Aktualität, Periodizität, Publizität und Universalität. Wenn eine Zeitung nicht mehr Papier sein muss, „wandeln sich Bedrohungen in Chancen um. Digitalisierung, Desintegration und der Aufstieg des Internets ermöglichen es nämlich, Nachrichten in neuen Formen und auf neuen Wegen zu verbreiten und gleichzeitig dem, Always-On-Trend‘ und individuellen Nachrichten-Präferenzen genüge zu tun." (Pirker). Unter „Always-On" versteht man die Möglichkeit eines Zugriffs auf das Internet bzw. allgemeiner auf Informations- und Unterhaltungselemente an jedem beliebigen Ort und zu jeder beliebigen Zeit.

3. Multichannel: Der Einsatz unterschiedlicher Plattformen sowie die Multimedialität erfordern die Nutzung vielfältiger Kanäle, sowohl im digitalen als auch im analogen Bereich. Alles wird möglich, auch für die Zeitung. „Hauszustellung" bekommt eine neue Bedeutung, wenn die Zeitung nicht auf ihre papierene Erscheinungsform reduziert wird.

Erschienen in Ausgabe 04+05/2009 in der Rubrik „Titel“ auf Seite 35 bis 35. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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