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„Wer klagt, klagt gegen die Zukunft“ - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2009 » Ausgabe 04+05/2009 »

Titel

„Wer klagt, klagt gegen die Zukunft“

Von Interview: Engelbert Washietl

?Ihre Dissertation, die sich mit der Idee einer „Content Engine" befasst, ist bis 2012 unter Verschluss. Haben Sie Ihr wissenschaftliches Werk sperren lassen, um ein Projekt zu verwirklichen, bevor andere auf ähnliche Ideen kommen?

Horst Pirker: Meine Dissertation beschäftigt sich gar nicht mit der „Content Engine", sondern mit der „Zukunft der Zeitung". Dass sie gesperrt ist, hängt allein damit zusammen, dass das, was ich erarbeitet habe, zunächst der Unternehmensgruppe, für die ich verantwortlich bin, zugute kommen soll.

Was ist die Content Engine in Ihrem Konzept?

Dass meine Überlegungen in vielen Ländern der Welt auf großes Interesse stoßen und jeweils als Titelgeschichten führender Fachmagazine publiziert werden, liegt vermutlich ja wohl nicht daran, dass das Konzept den österreichischen Kollektivvertrag (KV) für Tageszeitungen untergraben soll, wie die Gewerkschaft unablässig behauptet. Der Kollektivvertrag interessiert niemanden außerhalb Österreichs und ist – dort wo er zu Recht besteht, nämlich bei den Menschen, die überwiegend für eine Tageszeitung (auf Papier) arbeiten – außer Streit.

Ist „Die Presse" Content Engine GmbH damit deckungsgleich?

Nein, jetzt nicht. Aber sie sollte eines nicht zu fernen Tages darin münden. Die Gewerkschaft will diesem Ansatz mit Klagen begegnen, höre ich. Wenn das so ist, klagt sie gegen die Zukunft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Medienunternehmen verlegerischer Herkunft. Wenn das Erfolg hat, dann wird die digitale Zukunft ausschließlich unter neuen Marken stattfinden; unter Marken, die eben nicht wie bis vor einigen Jahren nur für Information und Unterhaltung auf Papier gestanden sind, also nicht unter Zeitungsmarken.

Ist die „Content Engine" ein Modell für andere Styria-Redaktionen oder überhaupt die mediale Zukunft?

Wenn Medienunternehmen verlegerischer Herkunft überhaupt eine Zukunft haben, dann in diesem oder einem vergleichbaren Modell. Dass der international in der Branche anerkannte Vordenker Eugen Russ offenbar zu einem sehr ähnlichen Schluss gekommen ist, freut mich. Er war in der Umsetzung schneller als wir in der Styria. In Österreich werden wir dafür gegeißelt, dass wir versuchen, der Zeitung, also Medienunternehmen verlegerischer Herkunft, eine Bresche in die Zukunft zu schlagen. Manche scheinen den amerikanischen Weg zu bevorzugen; dort sperrt schon jede Woche eine Tageszeitung zu, darunter übrigens auch große.

Sind Sie bereit, mit Betriebsrat bzw. der Gewerkschaft über die Gestaltung dieser Content Engine zu verhandeln?

Ich bin immer offen für jedes Gespräch. Was aber leider nicht möglich ist, ist die Realität zu verhandeln. Sie können nicht wirksam über die Wirtschaftskrise verhandeln und so können Sie auch nicht wirksam über den disruptiven Strukturwandel der Medien verhandeln.

Erschienen in Ausgabe 04+05/2009 in der Rubrik „Titel“ auf Seite 36 bis 37 Autor/en: Interview: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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