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„Zuspitzen verschlimmert die Krise“ - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2009 » Ausgabe 04+05/2009 »

Medien

„Zuspitzen verschlimmert die Krise“

Von Interview: Elisabeth Horvath

?Wie beurteilen Sie die Wirtschaftsberichterstattung in den Medien seit der Finanzkrise?

Elisabeth Bleyleben-Koren: Ich erlebe die Berichterstattung als sehr einseitig. Ich weiß, wir stecken in einer schwierigen Krise, aber man könnte glauben, die Welt geht unter.

Ist das wirklich die Schuld der Medien? Gehen Teile der Welt nicht wirklich unter, wenn man nur an Lehmann und Co. denkt?

Ich gebe zu: Wirtschaftsjournalisten haben derzeit einen sehr schwierigen Job. Es kommt eine Schreckensmeldung nach der anderen und gleichzeitig sagen die Manager: Es ist eh alles paletti. Dieser Widerspruch wird oft als Beschwichtigungsstrategie der Unternehmen verstanden. Und vielleicht stimmt das auch in einigen Fällen. In vielen Fällen sind es aber keine Beschwichtigungen, sondern es ist die Wahrheit.

Über Fakten muss man berichten. Man kann sie doch nicht einfach verschweigen. Oder wird Ihrer Meinung nach ins Negative übertrieben?

Genau das ist das Kernproblem. Wenn Aktienkurse purzeln, Wertpapiere sich von heute auf morgen in Luft auflösen: Was sind dann noch Fakten? Auf welche Werte können wir uns verlassen? Und vor allem: Wer kann diese Werte noch beurteilen?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: die viel zitierte Kreditklemme. Wochenlang war sie in der Zeitung und man hat den Banken den Vorwurf gemacht, dass sie die Unternehmen nicht finanzieren. Politische Parteien haben Aussendungen gemacht, selbst ernannte Volkswirte Analysen gezeichnet, sogar eine eigene staatliche Bank wurde gegründet, um die angebliche Klemme zu verhindern (Anm.: Die AWS wurde mit einer Banklizenz ausgestattet).

Im Jänner haben wir eine Pressekonferenz gemacht und gesagt, dass es die Klemme nicht gibt. Kaum jemand hat es geglaubt.

Und als im Februar die Statistik der Nationalbank veröffentlicht wurde, die gezeigt hat, dass die Banken ihr Kreditvolumen eigentlich ausgeweitet haben, waren die Fakten da und niemanden hat es mehr interessiert.

Was sind die Folgen dieser Berichterstattung?

Eine große Verunsicherung bei den Konsumenten. Ja, wir stecken in der Krise, ja, es gibt Manager, die zur Verantwortung gezogen werden müssen, ja, es gibt auch Unternehmensinsolvenzen, aber es gibt doch auch viele gute Dinge, die passieren.

Sind vielfach die Titel der Geschichten zu reißerisch?

Eindeutig ja, auch wenn Pauschalisierungen natürlich unfair sind. Der Wettbewerb unter den Medien ist wohl sehr hoch und verursacht eine Zuspitzung. Aber Titel wie „Bankencrash durch Ostkredite" oder „Ist unser Geld noch sicher?" sind nicht notwendig und verunsichern. Sie führen dazu, dass die Krise verschlimmert wird. Es ist wie die self-fulfilling prophecy oder die Spirale nach unten. Am Tag nach der Zeitungslektüre kauft sich der Konsument eben nicht den neuen Fernseher oder den neuen Kühlschrank.

Wie anders sollte denn berichtet werden?

Zum einen sollte man die Quellen besser überprüfen. Wochenlang stand in der Zeitung, dass die österreichischen Banken mit einem Kredit- obligo von 230 Milliarden Euro in Osteuropa engagiert sind und ihnen das zum Verhängnis werden könnte. Zum einen stimmt die Zahl gar nicht, und zum anderen sollte man dem Leser auch sagen, dass diesen Krediten etwa ebenso viel Kundeneinlagen gegenüberstehen. Ich würde mir auch mehr volkswirtschaftliche oder geschichtliche Hintergrundberichterstattung wünschen. Aber das ist natürlich weitaus aufwändiger als ein flott geführtes Interview mit guten Sagern. Der „Standard" hatte vor einigen Wochen eine echt gut gemachte Ausgabe, die sich mit Wirtschaftskrisen historisch auseinandergesetzt hat. Ich fand das echt gut. Wenn der Leser erfährt, dass wir in den letzten 100 Jahren schon mehrere Wirtschaftskrisen überwunden haben, fürchtet er sich weniger vor dieser. Journalismus sollte meines Erachtens edukativer sein.

Welches Medium macht es vorbildhaft und warum?

Wie gesagt, der „Standard" hat mir mit dem Ansatz ganz gut gefallen. Aber auch die Nachrichtenjournale von Ö1 sind vorbildhaft. Vielleicht liegt es am elektronischen Medium oder vielleicht auch daran, dass Ö1 keine direkte kommerzielle Konkurrenz hat. Wenn die Leute über den ORF schimpfen, rate ich ihnen, Ö1 zu hören. Dafür zahle ich gerne Rundfunkgebühren.

Gibt es Ihrer Meinung nach Unterschiede in der Wirtschaftsberichterstattung zwischen österreichischen und nichtösterreichischen Medien?

Ich sehe da keinen Unterschied. Ich habe in der „Financial Times" auch schon über Crash-Szenarien gelesen, die übertrieben waren. Man sollte nicht in die typisch österreichische Falle tappen und glauben, dass die Engländer, Amerikaner oder Deutschen das besser machen. Wir haben durchaus gute Journalisten in Österreich, auf die kann man auch einmal ein bisserl stolz sein.

Erschienen in Ausgabe 04+05/2009 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 46 bis 47 Autor/en: Interview: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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