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ARCHIV » 2010 » Ausgabe 04+05/2010 »

Praxis

Blasen und Phrasen

Das Brevier für mehr Klartext.

„Ich gehöre zum Verein für klare Aussprache.“

Solche Sätze hören wir gerne. Da erklärt sich jemand zugehörig zum „Verein für klare Aussprache“. Und sagt damit: Ich schwafele nicht nur, ich rede Klartext. Klasse. Toll. Oder? Die anfängliche Begeisterung weicht einem leisen Misstrauen. Hat einer, der immer spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, es nötig, das noch zu betonen? Wäre das nicht so, als sagte ein Millionär von sich: „Ich gehöre zum Verein der reichen Menschen“? Denn könnte es das geben – einen Klartextsprecher, dem man es nicht anmerkt, dass er Tacheles redet? Schwierige Fragen. Also, der Reihe nach. Die Phrase ist schön und wird gerne von Journalisten zitiert. Sie darf aber nur gegenüber Journalisten verwendet werden, wenn man tatsächlich auch mal den Mund aufmacht. Ein dröger Verwaltungssprech-Politiker kann nicht plötzlich seine Mitgliedschaft im Verein für klare Aussprache bekannt geben, das wäre unglaubwürdig. Als Interviewer ist zu hinterfragen, warum sich jemand hier so auffällig inszeniert. Medienvertreter schalten gerne den Verstand aus, wenn ihnen gegenüber jemand klare Worte ankündigt. Der Verein für klare Aussprache wird von ihnen gehätschelt, wo es nur geht. Es sollte nur nicht so weit gehen, dass man gleich selbst stilles Mitglied wird.

„Unbequeme Wahrheiten.“

Wer von „unbequemen Wahrheiten“ redet, will sich inszenieren. Nicht nur die Wahrheiten sind unbequem, sondern auch der Sprechende selbst will sich zu einem unbequemen Querdenker stilisieren, der nicht einfach mit dem Mainstream läuft. Eine Plattform für unbequeme Wahrheiten gibt es in den Medien immer und überall. Doch unbequem zu sein, muss man sich leisten können. Meistens sind es nur Politiker ohne aktives Mandat oder Manager im Ruhestand, die wirklich den Mund aufreißen können. Der Rest tariert sorgfältig ab, was er sagt. Denn Wählerstimmen oder Aufträge dürfen unbequeme Wahrheiten natürlich nicht kosten. Denn sonst wären sie nur für einen selbst unbequem.

„Strategische Partnerschaft.“

Partnerschaften sollten ja eigentlich aus gegenseitiger Zuneigung entstehen und andauern. Im Geschäftsleben oder der Politik ist Zuneigung aber allenfalls etwas für sentimentale Geister. Darum gibt es die „strategische Partnerschaft“. Wenn Länder oder Unternehmen eine solche abschließen, kann erst gar nicht der Eindruck entstehen, hier möge sich jemand gerne leiden. Höchstens zufällig. Nein, hier schließen sich zwei zusammen und paktieren, weil es ihnen gerade gut in den Kram passt und zum Vorteil gereicht. Alles Strategie, eben. Man ist nur so lange verbunden, wie es beiden Seiten nützt. Geht auf der einen Seite einmal ein Vorteil flöten, ändert sich die Strategie des anderen, oder verärgern sich beide gar, lässt sich eine solche Partnerschaft auch schnell wieder entflechten. Wer von strategischer Partnerschaft spricht, betont darum seine kühle, berechnende Seite; nicht selten schwingt auch ein Hauch von Angriffslist mit. Denn diejenigen, die nicht bei der Partnerschaft mitmachen dürfen, könnten bald allein dastehen. Rein strategisch betrachtet, natürlich.

Erschienen in Ausgabe 04+05/2010 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 110 bis 110. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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