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Praxis

Der König des Klatsches

Von Renzo Ruf

Selbstverständlich ist auch TMZ, die führende amerikanische Klatschseite im Internet, vor groben Fehlern nicht gefeit – so publizierte TMZ jüngst ein Bild, das angeblich John F. Kennedy in einer Gruppe von nackten Frauen auf einer Jacht zeigt. Dumm nur, dass das Foto aus dem Jahr 1967 stammte, als der US-Präsident bereits vier Jahre tot war. Aber abgesehen von diesem Schnitzer hat sich die Webseite, zu der auch eine tägliche Fernsehsendung gehört, im vorigen Jahr zur zuverlässigsten Quelle für saftige Nachrichten über Stars und Sternchen gemausert. Seien es die privaten Verfehlungen von Tiger Woods oder sei es das Ableben von Michael Jackson – als Erstes stand es auf tmz.com. Der kreative Kopf der Webseite, der 59-jährige Harvey Levin, hat deshalb im neuen Jahr expandiert und einen Ableger gegründet, der sich mit dem Privatleben von bekannten Sportlern beschäftigt. Levin glaubt an eine Marktlücke und erwähnt die hohen Zugriffszahlen: Im Dezember, auf dem Höhepunkt der Woods-Affäre, wurde seine Webseite von 16 Millionen Amerikanern gelesen – darunter überraschend viele Frauen. Diskutiert wird auch über die Gründung einer Klatschseite, die sich mit dem politischen Personal in Washington beschäftigt – allerdings scheint TMZ-Besitzer Time Warner Vorbehalte zu hegen, da angeschuldigte Politiker dem Medienhaus regulatorisch das Leben schwer machen könnten. Allerdings gilt TMZ in der Branche immer noch als Schmuddelkind. Denn nötigenfalls fließt Geld, damit die Klatschjournalisten an Dokumente wie den Autopsie-Bericht der Schauspielerin Brittany Murphy gelangen können. Levin, ein Rechtsanwalt, lässt Kritik aber nicht gelten: Er verweist auf die 110 Angestellten und sagt: „Es ist kein Zufall, dass wir so häufig mit der Nachricht als Erster herauskommen.“

Erschienen in Ausgabe 04+05/2010 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 96 bis 96 Autor/en: Renzo Ruf. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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