Warning: Use of undefined constant cms_navigation_js - assumed 'cms_navigation_js' (this will throw an Error in a future version of PHP) in /var/www/journalist.at/www/htdocs/wp-content/plugins/cms-navigation/CMS-Navigation.php on line 361
Einbrecher gegen „News“ - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2010 » Ausgabe 04+05/2010 »

Rubriken

Einbrecher gegen „News“

Die Öffentlichkeit soll keine Details erfahren, sich kein Bild von den Tatsachen machen: Niemand darf außer den Anwälten an einem März-Vormittag in den Saal 205 des Wiener Straflandesgerichts; sowohl Zuhörer als auch die Presse wurden vom Prozess ausgeschlossen. Es war ein Verfahren nach dem Mediengesetz. Ein 17-jähriger Bursche fühlte sich zu Unrecht durch einen Zeitungsbericht angegriffen. Er sei „gekränkt“ worden, wie es das Gesetz formuliert. Seine Vertreterin hatte den Ausschluss der Öffentlichkeit verlangt, im Verfahren gehe es ja um persönliche Dinge des Jugendlichen.

Dennoch hier ein paar Details: Der jetzt so scheue Bursche, einschlägig vorbestraft, drang am 5. August 2009 zwei Minuten vor halb drei Uhr nachts mit einer eigens besorgten eisenbewehrten Gartenharke in den Merkur-Markt in der Kremser Landesdorferstraße ein. Alarmierte Polizisten schossen auf ihn und verletzten ihn, sein Kumpan wurde tödlich getroffen. Der Einbruch misslang also. Dabei hat sich der angeschossene Bursche eine große Beute erhofft, wie er später mitteilt. Stattdessen: Haft und Verurteilung. Zusammen mit den Vorstrafen, die ursprünglich nur bedingt ausgesprochen worden sind, hat er jetzt 38 Monate Haft auf dem Kerbholz.

Dem offenkundig unter Geldmangel leidenden Einbrecher stehen mehrere Juristen zur Seite, unter anderem Eva Plaz, die in den Medien gerne als „Opferanwältin“ bezeichnet wird. Ist der Bursche aus Krems also auch ein Opfer?

Jedenfalls wurde er am 10. März in dem Prozess gegen jenen Polizisten, der den zweiten Einbrecher in der Merkur-Filiale erschossen hat, von Eva Plaz als solches vorgestellt. Seine Anwältin meinte, er werde Schmerzengeld von dem Polizisten fordern, weil er nach dem Todesschuss auf seinen Freund lange nicht ruhig schlafen konnte. (Die Straftat selbst dürfte seinen Schlaf nicht so gestört haben …)

Doch damit nicht genug: Vor Richter Gerald Wagner begann nun, wie erwähnt, auch ein von den Wiener Anwältinnen Maria Windhager und Nadja Lorenz initiierter Prozess gegen „News“. In dem Bericht des Magazins über den Supermarkteinbruch sei „der höchstpersönliche Lebensbereich“ des Burschen so dargestellt worden, dass er in der Öffentlichkeit bloßgestellt wurde – wahrlich eine Peinlichkeit für einen vorbestraften Einbrecher -, darüber hinaus sei auch seine Identität aus dem Text trotz abgekürztem Familiennamen herauszulesen gewesen. Alles also Anträge nach Paragraf 7 und folgende des Mediengesetzes.

Wie gesagt, verhandelt wurde hinter verschlossenen Türen, eines darf aber wohl gesagt werden: Die Anwältin des im Gefängnis sitzenden Kremsers meinte, wenn „News“ 6.000 Euro zahle, könne man ohne Urteil davonkommen und einen Vergleich abschließen.

Hoffentlich nicht nach dem Motto: Wenn schon der Einbruch misslang, könnte ja probiert werden, von jemand anderen Ersatz zu bekommen. Als Opfer von einer Zeitung. Da „News“ auf den Vergleich nicht einging, wurde der Prozess vertagt. Bald werden andere zum gleichen Thema folgen. „Wir haben reihum Anträge eingebracht“ erfuhr der „Journalist“ von der Anwältin des Einbrechers. Im Visier sind die Tageszeitungen „Kurier“, „Krone“ und „Österreich“ sowie die Gratiszeitung „Heute“. Auch diese Medien hatten offenbar den Kremser Burschen durch ihre Berichte „gekränkt“ und sollen nun Entschädigungen zahlen. „Wir werden das durchfechten“, meint Medienanwalt Peter Zöchbauer dazu. Er und Kollegen wollen nicht mitspielen, wenn sich ein Täter als Opfer darstellt.

Mitleid erfährt der Einbrecher jedoch von der Grün-Politikerin Tanja Windbüchler-Souschill. In einer parlamentarischen Anfrage an Justizministerin Claudia Bandion-Ortner will die Abgeordnete wissen, wann der Angeschossene „als minderjähriges Opfer“ einvernommen worden ist und ob ihm – offenkundig kostenlos – eine „psychosoziale und eine juristische Prozessbegleitung zur Seite gestellt“ worden sei.

Erschienen in Ausgabe 04+05/2010 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 20 bis 20. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;