Warning: Use of undefined constant cms_navigation_js - assumed 'cms_navigation_js' (this will throw an Error in a future version of PHP) in /var/www/journalist.at/www/htdocs/wp-content/plugins/cms-navigation/CMS-Navigation.php on line 361
Gehen im ORF die Uhren anders? - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2010 » Ausgabe 04+05/2010 »

Rubriken

Gehen im ORF die Uhren anders?

Fünf hochrangige Juristen, alle von der Bundesregierung ausgewählt, haben sich unlängst mit der wichtigen Frage beschäftigt, wann ein Tag beginnt und wann er endet. Sie kamen zur Erkenntnis, dass er um null Uhr beginnt und um Mitternacht endet. (Mein Hausmeister ist übrigens der gleichen Meinung.) Im ORF scheinen jedoch die Uhren anders zu gehen. Dort beginnt der Tag um Punkt drei Uhr früh und endet am nächsten Kalendertag exakt um 2.59 Uhr. (Das hat meinen Hausmeister sehr verblüfft.)

Grund für die tiefschürfenden Überlegungen war eine Überprüfung der Fernseh-Werbezeiten durch die im Kanzleramt eingerichtete Kommunikationsbehörde. Als Testtag wurde der 23. November 2009 gewählt. Für die Mitglieder der Behörde wurden die TV-Spots, die gesendet wurden, aufgezeichnet. Die Liste beginnt um 0.19 Uhr mit einer Werbung für Milka, der erste Block des Tages endet 398 Sekunden später mit einer Werbung für Mehl der Marke Finis Feinstes. Werbeblock für Werbeblock wurde so katalogisiert. Ab 23.22 Uhr lief der letzte in der Dauer von 262 Sekunden, die beiden Werbe-Schlusslichter waren Spots für Ariel beziehungsweise für die Telekom Austria. Insgesamt wurde an diesem Tag, dem 23. November, Werbung in der Gesamtlänge von 3.423 Sekunden ausgestrahlt. Dazu die Kommunikationsbehörde: Zulässig seien laut Gesetz nur 3.024 Sekunden. Es liege also ein Gesetzesbruch vor. 359 Sekunden, also fast sechs Minuten, sei zu viel geworben worden.

Der ORF argumentierte, dass man intern seit eh und je die Dauer der Werbung zischen 3.00 Uhr und 2.59 Uhr des nächsten Tages berechne. Nach dieser Rechnung sei im Beobachtungszeitraum nur Werbung in der Länge von 2.887 Sekunden gesendet worden, also weniger als erlaubt. Entscheiden über die differenten Auslegungen, wann ein Tag beginnt und wann er endet, musste der deshalb angerufene Bundeskommunikationssenat unter Vorsitz von Wolfgang Pöschl, seines Zeichens Vizepräsident des Oberlandesgerichts Wien. Die Spitzenjuristen des Senats meinten, der Tag dauere von 0 bis 24 Uhr, daher habe der ORF das Gesetz gebrochen.

Der Schuldspruch ist im Fernsehprogramm ORF 1 zu veröffentlichen. Sonst gibt es keine Sanktionen. Vielleicht wäre es zu überlegen, den zu viel erzielten Werbeerlös abzuschöpfen und einem guten Zweck zuzuführen.

Erschienen in Ausgabe 04+05/2010 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 21 bis 21. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;