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Kollegen im Gefängnis: Mauretanien

Hanevy Ould Dehah wurde am 4. Februar zu zwei Jahren Haft verurteilt. Im mauretanischen Gefängnis sitzt er aber schon seit Juni 2009. Da wurde er verhaftet und zu sechs Monaten verurteilt wegen Verstoßes gegen Sitte und Moral. Der Redakteur der Online-Publikation Taqadoumy hatte in einem Artikel über die Vorteile der Sexualkunde geschrieben.

Einen offiziellen Freispruch erhielt er bei der zweiten Anklage, Verleumdung und Aufruf zur Rebellion. Er hatte darüber berichtet, dass sich ein Präsidentschaftskandidat eine sehr teure Villa gekauft hatte. Begründet wurde der Freispruch damit, dass es keine gesetzliche Grundlage gibt zur Verurteilung für Veröffentlichungen in elektronischen Medien. Für den Artikel zur Sexualkunde spielte das offenbar keine Rolle.

Als Dehah nicht wie vorgesehen vergangene Weihnachten freigelassen wurde, begann er einen Hungerstreik. Seine Familie konnte ihn nach zwei Wochen überreden, diesen aufzugeben, da sie Angst um ihn hatte. Er erhielt einmal Besuch vom Gefängnisarzt, der seinen bedrohlichen Zustand zwar feststellte, dann aber für den Rest des Tages das Telefon ausschaltete. Die Gefängnisleitung beharrte darauf, dass Dehah nur auf Geheiß dieses Arztes in ein Spital gebracht werden könne. Weder sein Anwalt noch seine Familie durften ihn während des Hungerstreiks besuchen.

Dazu, dass Dehah ohne jegliche rechtliche Grundlage weiterhin im Gefängnis saß, schwiegen die Behörden beharrlich. Nun wurde er für dasselbe Vergehen nochmals zu zwei Jahren verurteilt.

Helfen Sie Reporter ohne Grenzen, für die Freilassung von Hanevy Ould Dehah und seinen Kollegen zu kämpfen. Weitere Informationen auf www.rog.at

Sylvia Valentin,

Reporter ohne Grenzen, Schweiz

Erschienen in Ausgabe 04+05/2010 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 18 bis 18. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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