ARCHIV » 2010 » Ausgabe 04+05/2010 »

Special

Neue Chancen und härtere Arbeit

Von Umfrage: Bettina Figl

20 Journalistinnen und Journalisten beenden im Juni die Grundausbildung des Kuratoriums für Journalistenausbildung (KfJ). Wie sehen Sie ihre Zukunft im Journalismus, und was wären Ihre Jobalternativen?

Stefanie Schwalb, 26, Sendeleitung

Fernsehen,

ORF, Wien

Was, wenn nicht Journalismus? Nach den Sternen greifen, den Mond suchen. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Das Erbe von Robert Hochner oder Hugo Portisch weiterzuführen, bedeutet auch Arbeitsplätze mit Zukunftsperspektive zu geben – nicht nur das Schaffen der Großen zu preisen. Das sagen die KfJ-Kollegen: Sozial engagierte Journalistin im Dreivierteltakt.

Eduard Müller, 26, Doktorand, Wirtschaftsuniversität, Wien

Was, wenn nicht Journalismus? Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, Landeshauptfraustellvertreter in Salzburg. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Sie erleben durch das Internet eine technologische und (werbe-)-wirtschaftliche Umwälzung, die die gesamte Medienlandschaft auf den Kopf stellt. Das sagen die KfJ-Kollegen: Kritischer Tonangeber.

Marco Witting, 32, Redakteur, „Tiroler Tageszeitung“, Schwaz

Was, wenn nicht Journalismus? Fußballtrainer, Schriftsteller. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Große Veränderungen im Arbeitsalltag. Journalismus bleibt aber der tollste Beruf der Welt. Das sagen die KfJ-Kollegen: Humorvoller Tiroler mit Leib und Seele, viel Hintergrundwissen.

Florian Richter, 24, freier Mitarbeiter, „Bezirkszeitung Flachgau Nord“, Salzburg/Flach-gau

Was, wenn nicht Journalismus? Gitarrist. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Andere An- und Herausforderungen als noch vor fünf Jahren. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist schwerer geworden. Aber es bieten sich auch neue Chancen, die darauf warten, von uns genutzt zu werden. Das sagen die KfJ-Kollegen: Bodenständig, wissbegierig, aufgeschlossen für Neues.

Verena Niedermüller,

24, freie Mitarbeiterin, APA und „Stadtblatt“, Salzburg

Was, wenn nicht Journalismus? PR oder sonstige Pressearbeit. Hauptsache ein „Schreiberling“. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Auf jeden Fall viel harte Arbeit, um sich behaupten zu können, und möglicherweise noch schlechtere Arbeitsbedingungen. Das sagen die KfJ-Kollegen: Engagierte Bloggerin, kontaktfreudig.

Stefanie Fuchs, 27, TV-Journalistin, LT1 Privatfernsehen, Linz

Was, wenn nicht Journalismus? Bergsteigerin und Buchautorin. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Noch mehr Praktika und härtere Assessment-Center, gleichzeitig aber mehr multimediale Möglichkeiten und größere publizistische Spielräume. Das sagen die KfJ-Kollegen: Geradlinige Südtirolerin, aktiv und unternehmungslustig.

Lukas Bauer,

21, Redakteur, Radio Soundportal, Graz

Was, wenn nicht Journalismus? Kapitän der MS Deutschland. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Zukunft ist gut für alle. Das sagen die KfJ-Kollegen: Rohdiamant mit Radio-Stimme, Web 2.0-affin.

Karin Donnerbaum,

36, selbstständige Biologin, Wien/Niederösterreich

Was, wenn nicht Journalismus? Wenn ich nicht schon mit Biologie und Journalismus glücklich wäre, würde ich gerne im Sozialbereich arbeiten. Früher wollte ich Archäologin werden und Troja erforschen. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Hoffentlich spannende Themen und genügend Jobs. Das sagen die KfJ-Kollegen: Aufgeschlossen und tierisch engagiert.

Sabine Kuess,

24, Redakteurin, „Tiroler Tageszeitung“, Lienz

Was, wenn nicht Journalismus? Als Kind wollte ich immer Journalistin werden. Hätte das nicht geklappt, hätte ich es mit Kindergärtnerin versucht. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Sie müssen wahrscheinlich härter um Jobs kämpfen als die bisherigen Journalisten. Das sagen die KfJ-Kollegen: Geradlinig, fröhlich, hilfsbereit.

Christoph Schlemmer,

25, freier Mitarbeiter, APA, Wirtschaftsressort, Wien

Was, wenn nicht Journalismus? Raumplaner, Haubenkoch oder Ökonom. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Das Ende der gedruckten Tageszeitung. Eine Goldgräberzeit für die Gründung neuer Online-Medien. Das sagen die KfJ-Kollegen: Altruist mit 360-Grad-Blick und Gespür für Themen.

Alexandra Dasch, 29, Redakteurin, „Salzburger Nachrichten“, Salzburg

Was, wenn nicht Journalismus? Rangerin in einem Nationalpark. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Struktur-, Le-ser-, Aufgabenwandel. Das sagen die KfJ-Kollegen: Aufmerksame Beobachterin, wortstark, immer im Einsatz.

Stefanie Kompatscher,

24, Redakteurin, kurier.at, und Publizistik-Studentin, Wien

Was, wenn nicht Journalismus? Ich wollte schon immer einmal auf einem Schiff arbeiten. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Wenn ich das wüsste, müsste man mich hier nicht mehr vorstellen. Wohl viel Unsicherheit, aber auch viele Chancen. Das sagen die KfJ-Kollegen: Neugierige Kritikerin mit Humor.

Karin Temel, 37, Polizeibeamtin, Öffentlichkeitsarbeit des Landespolizeikommandos, Salzburg

Was, wenn nicht Journalismus? Für mich bietet der Journalismus die Möglichkeit, unseren Bereich des Services für die Medien zu verbessern. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Sie müssen in Zukunft unglaublich flexibel sein. Das sagen die KfJ-Kollegen: Korrekt, recht-schaffend, Leatherman und Laufsachen immer griffbereit.

Weltenbummlerin

Was, wenn nicht Journalismus?

Was, wenn doch?!

Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten:

Schrei nach mutigen Machern, die unkonventionell in alle Richtungen denken.

Das sagen die KfJ-Kollegen:

Mutige Kritikerin, hintergründige Weltenbummlerin.

Viola Bauer, 28, APA, Außenpolitik, Wien

Matthias Lassnig, 27, fixer Freier, „Österreich“, Salzburg

Was, wenn nicht Journalismus? Metzgermeister, wie mein Papa. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Mehr Arbeitsaufgaben, weniger fixe Verträge. Das sagen die KfJ-Kollegen: Zielstrebig, trockener Humor, mit Zug auf’s Tor.

Esther Farys, 29, Pauschalistin, „Kleine Zeitung“, Klagenfurt

Was, wenn nicht Journalismus? Ich habe meine Profession als Journalistin gefunden. Wenngleich mir Fotografieren und Lektorieren ebenfalls Freude bereiten. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Die Zukunft sehe ich als spannenden, erfahrungsreichen Selbstversuch. Das sagen die KfJ-Kollegen: Reflektierte und zielstrebige Kulturliebhaberin.

Alexander Dworzak, 29, Pressereferent, Universität Wien

Was, wenn nicht Journalismus? Stadtplaner, Souffleur oder Stadionsprecher. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Die Schere öffnet sich weiter: Journalisten ohne Spezialisierung droht das Prekariat, Experten werden finanziell abgesichert sein. Das sagen die KfJ-Kollegen: Belesene und wortgewandte, auch konfrontative „Stimme der Uni“.

Peter Jungwirth, 47, freier Mitarbeiter, „Wiener Zeitung“ (extra), Ö1 (Diagonal), Wien

Was, wenn nicht Journalismus? Autor, Profiler bei der Polizei. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Mit Sicherheit genug Herausforderungen und interessante Themen; mit unerfreulich hoher Wahrscheinlichkeit zu wenig zahlungsfähige Arbeitgeber. Das sagen die KfJ-Kollegen: Der Columbo unter den Journalisten.

Bettina Figl, 26, freie Journalistin, Wien

Was, wenn nicht Journalismus? Wissenschaftlerin, Tischfußballweltmeisterin, Synchronsprecherin. Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten: Wer Online-Medien nutzt, sich nicht anpasst und kritisch hinterfragt, wird im Journalismus bestehen – wenn nicht in Österreich, dann eben anderswo. Ich hoffe jedoch, dass sich auch hierzulande gute Journalistinnen und Journalisten bewähren und Filzokratie und Selbstinszenierung abnehmen. Das sagen die KfJ-Kollegen: Aufgeweckte Multitaskerin, motiviert und hartnäckig.

Triathlon-Mama

Was, wenn nicht Journalismus?

Mit Tieren arbeiten, Traumberuf war schon immer Journalistin.

Das bringt die Zukunft für Jungjournalisten:

Veränderung; Journalisten müssen umdenken, auch bereit sein, sich auf Crossmedia einzustellen. Bin zuversichtlich: Gute Journalisten werden immer gefragt sein.

Das sagen die KfJ-Kollegen: Triathlon-Mama, authentisch und sozial e
ngagiert.

Sarah Eigenthaler, 28, Redakteurin, Media Enterprise, Bad Aussee

Erschienen in Ausgabe 04+05/2010 in der Rubrik „Special“ auf Seite 70 bis 73 Autor/en: Umfrage: Bettina Figl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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