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ARCHIV » 2010 » Ausgabe 04+05/2010 »

Titel

Pelinkas News: Mehr Qualität

Der neue Chefredakteur des Wochenmagazins "News" über die späte Emanzipation vom Fellnerismus.

Bei „News“ gibt es einen regen Wechsel von Chefredakteuren – steckt eine Richtungsdiskussion dahinter?

Natürlich ist „News“ immer eine Gratwanderung, gerade jetzt wieder. Und zwar eine Gratwanderung zwischen Breite und Anspruch. Das wird verschärft durch die Marktveränderungen seit einigen Jahren und führt zu einer veränderten Konkurrenzsituation.

Also mit der „Breite“ ist es auch nicht mehr so wie einst?

Richtig. Als „News“ 1992 begonnen hatte, war es praktisch konkurrenzlos. Es gab das schon alte und eingefahrene „Profil“ und sonst nicht viel. Da war es logisch, Breites mit einem gewissen Anspruch auf den Markt zu setzen, und das hat Wolfgang Fellner sehr gut gemacht. Heute haben wir eine ganz andere Situation. In diesem Haus gibt es 15 Magazine, dazu noch zwei oder drei andere relevante Produkte. Außerhalb gibt es mit „Österreich“ eine Tageszeitung, die nicht zufällig vom Gründer von „News“ ins Leben gerufen wurde. Sie greift täglich Themen auf, die klassische „News“-Themen waren. Ich will „Österreich“ nicht bewerten, aber die Zeitung ist natürlich auf eine gewisse oberflächliche Weise ein tägliches früheres „News“.

So hat es Fellner bei der Gründung von „Österreich“ deutlich gesagt: Wir machen täglich ein „News“.

Richtig. Die Antwort ist, dass sich „News“ verändern muss.

Die Antwort kommt aber reichlich spät – die Zeitung „Österreich“ wurde 2006 gegründet.

Vielleicht, ja, ist nicht meine Verantwortung. Ich würde sagen, dass wir verstärkt ein eigenes Profil entwickeln müssen, das nicht ganz mit der „News“-Tradition bricht. Diese besteht darin, ganz unterschiedliche Magazine in einem zu vereinen und dennoch diesen Qualitätsanspruch zu bewahren. Die Mehraufgabe meines Teams ist jetzt, diesen Qualitätsanspruch umzusetzen. In dieser Funktion ist es schon etwas besonders Neues. Ich habe 1992 bei „News“ in einer Chefredaktion mit vier Leuten begonnen, und einer der vier war der Eigentümer, nämlich Wolfgang Fellner. Das heißt, meine Eigenverantwortlichkeit war überschaubar. Das hat sich jetzt geändert. Ich habe einen Herausgeber, der heißt Oliver Voigt, aber redaktionell bin ich eigenverantwortlich.

Wenn Ihnen die Aufgabe gelingt, wie kann man „News“ dann beschreiben?

Im Idealfall wäre das ein „News“, das nicht an Auflage verliert, aber Qualität gewinnt. Durch Relevanz und Brisanz hervorsticht. Es muss wieder notwendig sein, jede Woche in „News“ zu blättern, egal was man davon hält.

Und warum sagen Sie dann nicht gleich, es soll ein politisches Magazin werden?

Weil das zu eng wäre. „News“ wird weiterhin wesentlich einen Society-Teil haben. Mehr als die Hälfte der Auflage resultiert von diesem hinteren Teil. Es ist noch viel schwieriger, einen Society-Teil mit Qualitätsanspruch zu machen als den vorderen Teil mit Politik und Wirtschaft. Dieses Ziel setzen wir uns.

„Politisches Magazin“ wäre vielleicht auch deshalb der falsche Begriff, weil es den Krieg gegen „Profil“ schon gegeben hat, auch wenn er nicht gewonnen wurde?

Gewonnen schon, weil „Profil“ an Bord ist. Die Gründung von „Format“ hatte ja das Ziel, „Profil“ zu konkurrieren und es nicht zuletzt an Bord zu bekommen.

In der heißesten Phase klang das anders. Der „News“-Verlag wollte mit „Format“ das „Profil“ umbringen.

Das weiß ich nicht. Jedenfalls besteht das Ergebnis darin, dass „Profil“ zur Familie gehört und „Format“ ein eigenständiges Profil entwickelt hat. „Format“ hat gute Zahlen, und ich denke, das ist mit ein Grund, warum ich jetzt noch einmal bei „News“ einreite.

Sie reden locker über Relevanz, Seriosität, Kompetenz. Das sind starke Ansagen für ein Magazin, das noch vor Kurzem bei Mega-Themen wie Kampusch und vor allem dem Inzestfall Fritzl so ziemlich alle Grenzen journalistischer Anständigkeit übertreten hat. So etwas wird es ab sofort nicht mehr geben?

Bei Kampusch weiß ich nicht im Detail, worauf Sie ansprechen. Bei Fritzl gab es sicher die Sache mit den Opferbildern auf der Titelseite. Das hätte ich in dieser Form nicht gemacht.

Und „Der Mann, der Haider outete“ – diese Geschichte hat auch negatives Aufsehen erregt.

Aufsehen schon, aber wenn die Story stimmt, mit allen Kriterien – natürlich wäre das eine Story.

War das nicht vielmehr der Trick, auf dem Umweg über den Mann die Geschichte über Haiders Intimleben auszupacken, allerdings zu einer Zeit, als Haider schon tot war und sich nicht mehr wehren konnte?

Wenn jemand dazu einsteht und sich im Interview gewissermaßen dem öffentlichen Interesse stellt und sich fotografieren lässt … aber ich will heute nicht beurteilen, ob die Geschichte mit mir möglich gewesen wäre. Ich finde sie nicht von vornherein für unmöglich. Ich werde jedenfalls versuchen nachzuweisen, dass Qualität kein Gegensatz zur Breite ist.

Sie probieren die Kursänderung ausgerechnet in dem Moment, in dem manche Medienexperten und auch Verleger zu zweifeln beginnen, ob Qualitätsjournalismus überhaupt finanzierbar ist. Gibt Ihnen das nicht zu denken?

Das ist richtig. Und wir merken schon in den ersten Wochen, dass die Kosten gewaltig sind. Sie kennen ja das auch, man redet darüber, ob jüngere Bevölkerungsschichten überhaupt noch Printmedien lesen, ob es sich rentiert, ob Online finanzierbar ist – all das ist natürlich auch bei uns ein Riesenthema, und der Kostendruck ist da. Man kann nur versuchen, optimal damit umzugehen. Ich wäre aber nicht gekommen, wenn ich den Eindruck hätte, ich sollte ein Sparprogramm exekutieren. Aber Kostenbewusstsein habe ich schon bei „Format“ gelernt.

Das Print-Geschäft läuft allgemein nicht gut, auch für „News“ mit 181.000 Verkaufsauflage nicht, den erweiterten Großverkauf eingerechnet. Genügt diese kommerzielle Basis, und die Qualität soll steigen?

Niemand hätte etwas dagegen, wenn auch die Auflage steigt. Ich weiß, eine Qualitätsansage ist noch nicht die Grundvoraussetzung für Auflagenerhöhungen. Da machen wir uns keine Illusionen. Hauptziel ist, die Auflage keinesfalls sinken zu lassen und trotzdem mehr Relevanz zu bekommen, mehr Akzeptanz auf dem Markt und auch bei den Anzeigenkunden. Auch die Anzeigenkunden schauen genau auf das Umfeld.

Ist Ihre Einsetzung als Chefredakteur auch ein Zeichen dafür, dass sich zumindest bei manchen Verlagschefs die Erkenntnis durchsetzt, dass der Markterfolg mit der Güte der journalistischen Inhalte zu tun hat?

Das wäre schön, wenn man das so interpretieren könnte. Ob es wirklich stimmt, da müssen sie unsere Eigentümer fragen. Es wäre in unser aller Interesse.

Will das breite Publikum in Österreich tiefschürfend informiert sein oder bloß unterhalten werden?

Also erstens war es immer der Anspruch von „News“ und auch meiner, Information und Unterhaltung nicht als Gegensatzpaar zu sehen. Gescheites Infotainment fasziniert mich und kann auf dem Markt reüssieren. Es handelt sich dabei um den Versuch, wichtige Inhalte unterhaltsam zu präsentieren. Natürlich gibt es Grenzen in dieser Strategie. Aber ich halte zum Beispiel die „Presse am Sonntag“ für ein total interessantes Experiment, weil offenbar gegen alle scheinbaren oder tatsächlichen Marktgesetze etwas in den Markt gesetzt wird, was an das Qualitätsbewusstsein der Kunden gewisse Anforderungen stellt. Ich kenne keine Details der kaufmännischen Gestion, aber es ist ein spannendes Signal. Ich finde es auch spannend, dass Qualitätsprodukte in den elektronischen Medien nicht unbedingt an Quote verlieren. Auch das „Profil“ ist gut unterwegs. Warum also soll das nicht noch eine Stufe breiter möglich sein? Es versuchen doch alle Tageszeitungen mit Ausnahme der ganz klassischen Boulevardmedien, sich eigens zu positionieren. Die schauen heute völlig anders aus als vor fünf oder zehn Jahren. Das sind schon tägliche Magazine. Offenbar ist es notwendig, auf allen Sektoren etwas Neues zu probieren.

Würden Sie Kritikern recht geben, die behaupten, „News“ habe wirksam mitgeholfen, Jörg Haider hochzuschreiben?

Das ist eine verkürzte Ansc
hauung. Haider war erstens ein politisches Phänomen und zweitens ein mediales. Kein Medium ist an ihm vorbeigegangen. Selbst mein lieber Freund Armin Thurnher schaffte es im „Falter“ nicht, Haider nicht zu covern. Dass natürlich manchmal versucht wurde, Haider ausschließlich um der Auflage willen verkrampft zu covern, ist ein anderes Thema. Haider hat es verstanden, sich in Szene zu setzen. Die Wechselwirkung ist dann wie Henne und Ei. Es wäre aber zu kurz gegriffen, seinen Aufstieg allein auf Medien oder gar auf „News“ zurückzuführen.

Sie definieren sich zweifellos als Homo politicus. Möchten Sie mit Ihrer Zeitschrift in der österreichischen Innenpolitik Akzente setzen und mitmischen?

Mitmischen nicht. Aber ich würde schon sagen, dass es Redaktionslinie ist – wir haben das erst am vorigen Donnerstag in einer Klausur ausdiskutiert -, dass wir nicht bei Tendenzen mitmachen, Gruppen in der Gesellschaft gegeneinander aufzuhussen. Wir wollen dazu beitragen, in einem Land leben zu können, in dem im internationalen Vergleich doch noch ein hohes Maß an friedlichem Zusammenleben möglich ist. Das betrifft Religionen, Kulturen, Ethnien. Das heißt nicht, Konflikte zu verschweigen, im Gegenteil. Aber das Aufhetzen von Gruppen gegeneinander, um Auflage zu machen, ist nicht unsere Sache.

Nicht nur die Inhalte, auch das Erscheinungsbild beziehungsweise die Präsentation prägt ein Produkt. Haben Sie bei „News“ Änderungen vor?

In kleinen Dosen. Zwei Grundprinzipien haben wir schon ausdiskutiert. Erstens vermehrte Fotostrecken, also das optische Element im Vordergrund. Das ist eine Marktnische im Wochenmagazin. Nur in dem Punkt nehme ich mir den „Stern“ als Vorbild. Und zweitens mehr Reportagen. Mindestens einmal im Heft und unabhängig von der Tagesaktualität soll es eine große internationale oder nationale Reportage geben. Die starre Ressortaufteilung wird infrage gestellt.

Was geschieht denn bei „News“ mit Online?

Das ist eine Aufgabe, die die ganze Verlagsgruppe besser machen muss, denn „News“ ist da nicht allein aufgestellt. Da sind wir eindeutig noch hinten nach. In meinen Augen gibt es in Österreich nur zwei weit entwickelte Online-Plattformen, nämlich die von ORF und „Standard“. Die ganze Verlagsgruppe wird sich bemühen müssen, auch bei uns etwas zu tun.

Das geht nicht ohne Geld.

Da müssen Sie den Eigentümer fragen. Aber ohne Geld geht es natürlich nicht. Es handelt sich um eine eigene Form von Journalismus. Aber die Printjournalisten müssen sich überlegen, was sie für diese eigene Form des Online-Journalismus beitragen. Die Verzahnung muss von beiden Seiten gedacht werden.

Manchmal, aber selten fällt österreichischen Journalisten oder Verlegern etwas Großes ein, was sie nicht tun müssten, aber unbedingt tun wollen. Beispiele reichen chronologisch von Hugo Portischs Österreich-Serien bis zur Gründung von Intellektuellen-Zeitschriften wie „Datum“ und demnächst vielleicht „Phoenix“. Haben Sie irgendetwas dieser Art im Kopf?

Ich hatte schon einmal die Idee – das ist lange her, war vor der „News“-Gründung -, eine Wochenzeitung zu gründen. Es hat damals den „Chronisten“ gegeben, die Idee wäre gewesen, so eine Art österreichische „Zeit“ zu machen. Das hat keine entsprechende Finanzierung gefunden. Lebensgeschichtlich hat sich das für mich erledigt, weil der Fellner gekommen ist und mich für „News“ verpflichtet hat.

Somit könnten wir gewissermaßen gemeinsam beschließen, dass die mediale Qualität in Österreich steigt?

So schlecht finde ich sie gar nicht. Spätestens mit der Gründung der „Presse am Sonntag“ nehme ich das als spannendes Signal: So schlimm ist die Printqualität nicht in diesem Land. Es gibt einen heftigeren Boulevardmarkt, aber auch einen heftigeren Qualitätsmarkt.

Vielleicht bewirkte der heftigere Boulevard, dass auf der anderen Seite die Qualitätsanstrengungen ernster genommen wurden?

Früher hat es die „Kronen Zeitung“ allein gegeben, dann Kurt Falk mit „täglich alles“, jetzt „Österreich“. Also ich finde, so schlecht ist auch das nicht geworden. Aber mir steht nicht zu, zwischen „täglich alles“ und „Österreich“ zu werten. So what.

Erschienen in Ausgabe 04+05/2010 in der Rubrik „Titel“ auf Seite 36 bis 39. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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