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Präzedenzfälle der Pressefotografie

Von Theresa Steininger

Fotografien, die Kontroversen ausgelöst haben, darunter zahlreiche Pressefotos, werden noch bis 20. Juni im Kunst Haus Wien gezeigt. Heute bestehende Regeln in der Presse- und Kunstfotografie werden als Ergebnisse dieser Diskussionen veranschaulicht, Streitbares und Aufsehenerregendes wurde zusammengeführt. Todd Maisels Foto einer abgetrennten Hand eines 9/11-Opfers sorgte 2001 für einen medialen Aufschrei, da es trotz einer Übereinkunft von TV- und Printmedien, keine Leichen in der 9/11-Berichterstattung zu zeigen, erschien. Auch ein viele Jahrzehnte früher entstandenes Foto löste einen Medienkrieg aus, das anonyme Bild wurde gleich mehrfach verwendet: von Franco-Anhängern und Gegnern, um die Gräuel des jeweils anderen aufzuzeigen, aber auch von einer französischen Zeitung als Foto des Rifkriegs in Marokko.

Anhand von Präzedenzfällen werden Urheberrecht und Persönlichkeitsrecht diskutiert, etwa, wenn Henri Cartier-Bresson Tausende Originalabzüge an Verlage schickte und sie später, als er berühmt war, nur schwer oder nie zurückbekam … und wenn 1898 zwei Fotografen in Bismarcks Sterbezimmer eindrangen – der Reiz der Sensationsmeldung bestand schon damals. Einige Bilder stellen auch das Dilemma von Fotografen dar, die Kämpfende oder Sterbende ablichten: Horst Faas fragte sich nach einem Massaker 1971 in Bangladesch, ob er die Mörder erst zu Untaten anstiftete, indem er die Kamera hinhielt. Frank Fournier bekam für sein Foto eines kleinen Mädchens, das nach dem Ausbruch eines Vulkans 1985 in Kolumbien im Schlamm feststeckte und starb, gar einen World Press Photo Award – und kämpfte später mit Zweifeln und Vorwürfen, ob es überhaupt möglich sei, Leiden zu zeigen, ohne die Würde zu verletzen. Eine Schau, die interessante Kontroversen, Konflikte und Fragen dokumentiert.

Kunst Haus Wien, 1030 Wien, Untere Weißgerberstraße 13,

www.kunsthauswien.com

Erschienen in Ausgabe 04+05/2010 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 16 bis 16 Autor/en: Theresa Steininger. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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