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Beruf

Der Diener zweier Herren

Von Georg Taitl

Über eine angebliche "Kampa- gne von Raiffeisen-Medien" und Unvereinbarkeiten in der Sportberichterstattung.

Noch am 26. Februar 2009 schreibt Sportjournalist Johann Skocek in einem Kommentar im „Standard“ von einer Kampagne der Raiffeisen-Medien gegen den Langzeit-Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC), Heinz Jungwirth. Die Fakten dazu: Bereits am 22. Februar 2009 wurde der Dienstvertrag zwischen Jungwirth und ÖOC „per 28. Februar einvernehmlich gelöst“. Jungwirth musste dem immer stärker werdenden Druck der Öffentlichkeit wegen Ungereimtheiten bei Salzburgs Olympiakandidatur weichen.

Jungwirth dürfte trotz der massiven Malversationsvorwürfe noch genügend Zeit für einen geordneten Rückzug gehabt haben. Einen Tag vor seinem Ausscheiden aus dem ÖOC – am 27. Februar 2009 – und nach 27 Dienstjahren überweist er persönlich seinem Fürsprecher im „Standard“ 18.000 Euro (siehe Faksimile). Erhalten hat Skocek das Geld für 15 Interviews mit Fotos von „Olympischen Helden“ – laut Rechnung Skoceks vom 14. Februar 2009 „ohne Aufwandsspesen“. Skocek hat das Honorar offenbar vor Beendigung seiner Arbeit erhalten. „Ich bin schon sehr gespannt auf die Porträts“, sagt dazu der neue Präsident des ÖOC, Karl Stoss. Auch was man mit den Interviews – falls sie noch kommen – machen soll, weiß im ÖOC niemand. Skocek dazu: „Wenn ich fertig bin, werde ich die Interviews abliefern.“

Skocek stand also im Sold des Österreichischen Olympischen Comités, als er im „Standard“ Kommentare über dessen Generalsekretär und Präsidenten schrieb. Eine Unvereinbarkeit zwischen beidem kann Skocek nicht erkennen: „Als ich für den ,Standard‘ tätig war, kannte die Chefredaktion und die Sportredaktion das Projekt. Frau Alexandra Föderl-Schmid schrieb mir, meine diesbezügliche Nebentätigkeit sei unbedenklich.“

Und seine Chefin von damals sieht dies auch heute so: „Bereits unter meinem Vorgänger Gerfried Sperl wurde Johann Skoceks Angestelltenverhältnis durch einen Vertrag als freier Mitarbeiter ersetzt. Bekanntlich müssen laut Kollektivvertrag nur Angestellte für eine Nebentätigkeit eine Genehmigung des Herausgebers beziehungsweise Chefredakteurs oder der Chefredakteurin einholen.“ Gefragt, ob die Nebentätigkeit gar der Grund sei, warum Skocek nicht mehr im „Standard“ schreibe, antwortet Föderl-Schmid: „Mit Herrn Skocek gab es Differenzen, er hat sich entschieden, nicht mehr für den ,Standard‘ zu arbeiten.“ Und unwirsch auf die Nachfrage, ob sie nicht eine Unvereinbarkeit sehe: „Ich habe dem nichts hinzuzufügen.“

Auf der Payroll.

Stellt sich die Frage, ob Johann Skocek schon früher in Diensten des Österreichischen Olympischen Comités stand. „Ich habe weder vor noch nach diesem Projekt mit den Olympiahelden für das ÖOC gearbeitet und auch noch nie einen Cent vom ÖOC erhalten.“ Nachprüfen lässt sich diese Aussage nur schwer, sind doch mit Ausscheiden Jungwirths als Generalsekretär die Finanzunterlagen unauffindbar.

Skocek erklärt unterdessen in einer vierseitigen Rechtfertigung an den „Journalisten“ unter anderem: „Als Angestellter des ,Standard‘ wäre das Olympiaheldenprojekt meiner Meinung nach für mich inkompatibel gewesen. Doch ich bin … seit 1. Juli 2004 freier Unternehmer und meine Kommentare und Berichte betreffen nicht das Projekt.“ Es kommt also in diesem Fall anscheinend auf das Angestelltenverhältnis an, ob man befangen ist oder nicht. Und wie ÖOC-Präsident Stoss auf Skocek wartet, wartet auch Skocek auf Stoss: „Ich warte seit seinem Amtsantritt darauf, dass er sich bei mir meldet und mir dafür dankt, dass ich mich um die Zeitzeugen kümmere, die er vernachlässigt. Wahrscheinlich ist Karl Stoss einfach noch nicht dazugekommen.“

Dazugekommen ist dafür Skocek, sich für den Olympialobbyisten Erwin Roth, der vor dem Olympia-Ausschuss unter anderem wegen fürstlicher Honorare aussagen muss, einzusetzen. Beim Sportjournalistenverein Sports Media Austria intervenierte Skocek – allerdings erfolglos – für Roth um eine Akkreditierung bei der Vier-Schanzen-Tournee. Seltsam, eine Journalisten-Akkreditierung für einen Lobbyisten.

Nachdem Skocek die Interviews noch nicht abgeliefert hat, steht er de facto noch immer in Diensten des ÖOC. Das hindert ihn nicht, weiter über das ÖOC zu schreiben. Allerdings jetzt in der „Presse“ und ausgerechnet über Objektivität – unter anderem fragt er am 10. Mai, wie es denn um diese in Stoss’ Prüfbericht bestellt ist.

Freie als Säule der Redaktion?

Journalisten finden immer seltener eine Anstellung. Sie müssen als Freie ihren Unterhalt verdienen. Natürlich nimmt man da mehr Jobs an als nur von einer Zeitung – immer häufiger auch PR-Jobs. Chefredakteure müssen sich fragen, ob sie Freie mit Nebenbeschäftigungen zu Säulen ihrer Redaktion machen und sie für das Blatt kommentieren lassen (siehe dazu auch die Umfrage auf der nächsten Seite).

Erschienen in Ausgabe 06+07/2010 in der Rubrik „Beruf“ auf Seite 46 bis 46 Autor/en: Georg Taitl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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