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„Ein bisschen eine Chuzpe“ - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2010 » Ausgabe 06+07/2010 »

Medien

„Ein bisschen eine Chuzpe“

Von Interview: Elisabeth Horvath

VP-Klubobmann und Mediensprecher Karlheinz Kopf kritisiert ORF 1 und möchte via ORF-Gesetz in die Programmgestaltung eingreifen.

Gibt es abgesehen von ORF-Finanzierung, Kontrolle der Gebarung, Werbevorschriften etc. seitens der Politik noch andere Verantwortlichkeiten gegenüber den ORF-Eigentümern, nämlich den Gebührenzahlern?

Karlheinz Kopf: Eine ganz große, meine ich. Denn: Warum gibt es staatliches Fernsehen und Radio?

Sie sagen „staatliches“, klingt anders als der übliche „öffentlich-rechtliche“ Begriff.

Ja, aber in Wahrheit ist es das. Weil auch der Staat letzten Endes im Eigentum seiner Bürger ist. Also warum gibt es das? Das hat ja nur eine Berechtigung, wenn man damit einen besonderen Auftrag verbindet. Denn es gibt genug Private, die Fernsehen, Radio, Online auf dem Markt anbieten. Dazu braucht man nicht den ORF. Daher geht es wohl darum, in besonderer Weise einen qualitätsvollen Journalismus zu erhalten. Und zwar als Verpflichtung. Denn die Privaten haben dazu keine Verpflichtung. Obwohl es manche trotzdem ganz ordentlich machen, weil Information für die Leute offenbar auch Entertainment und Unterhaltung ist, sonst würden es Private nicht tun.

Gilt das auch fürs Programm?

Natürlich geht es neben einer journalistischen Ausgewogenheit im Informationsbereich auch im Programmteil um heimisches Kulturgut, um ein unverwechselbares Programm, das nicht immer zwingend nach der Quote schielt, sondern einfach einen Kulturauftrag und in der Unterhaltung einen bestimmten Qualitätsanspruch erfüllt. Das heißt in Wahrheit: möglichst wenig ORF 1. Denn dort widerspricht so ziemlich alles dem, was ich unter der Definition „öffentlich-rechtlich“ verstehe.

Das heißt, die Politik ist also auch dafür verantwortlich, wie der ORF 1 jetzt dasteht?

Indirekt. Weil die Politik natürlich nicht in die ORF-Programmgestaltung eingreifen darf. Die Unabhängigkeit des ORF ist ein hohes Gut, also muss die Politik Bedingungen im Gesetz definieren. Daher gab es auch jetzt bei den Parteienverhandlungen Diskussionen darüber, ob man den Qualitätsanspruch nicht konkreter definieren könnte.

Derzeit bewertet die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrages der ORF selbst, und der Stiftungsrat entscheidet, ob der Auftrag erfüllt ist oder nicht.

Das ist ein bisserl eine Chuzpe, wenn ein ORF-Organ darüber entscheidet, ob das eigene Unternehmen die gesetzlichen Bedingungen erfüllt. Deshalb haben wir ja darauf gedrängt, dass dies künftig eine weisungsfreie, unabhängige Medienbehörde macht. Das ist schon einmal ein Fortschritt. Aber die große Frage bleibt natürlich, woran messen die die Erfüllung oder Nichterfüllung des Auftrages?

Generell wird angenommen, es geht den Politikern eigentlich nur darum, dass sie vorkommen, nach der Hierarchie gestaffelt, und dass die ORF-Journalisten auch immer den Parteien zugeordnet werden. Wie viel daran ist wahr?

Es ist so, dass viele denken, dass die bewegten Bilder des Fernsehens am meisten meinungsbildend und imageprägend sind. Meinerseits gibt es aber auch eine große Wertschätzung jener Tageszeitungen, die qualitätsvolle Information transportieren. Gleichzeitig ist natürlich letzten Endes ein Foto etwas anderes als ein bewegtes Bild. Insofern ist logischerweise das Bestreben da, möglichst oft, möglichst gut insbesondere im Fernsehen vorzukommen.

Und wenn dem die ORF-Redakteure nicht von sich aus nachkommen, dann wird interveniert?

Na ja, aus Sicht einer Partei oder einer Person kann es Ungereimtheiten geben zum Beispiel bei der Frage: Jetzt hat man eine Pressekonferenz gemacht und meint, etwas Tolles angekündigt zu haben, und in der „ZIB 1“ kommt nix. Und dann wird halt offenbar einmal angerufen beim Chefredakteur, beim Chef vom Dienst oder wo immer. Das habe ich jedenfalls gehört.

Das ist zulässig, dass man oben anruft?

Ich ruf überhaupt nie an oben. Sie können gerne nachfragen.

Man lässt anrufen. Ist es auch zulässig, in total unabhängigen Medien anzurufen oder soll man eigentlich generell intervenieren? Denn das ist es ja.

Es kommt wahrscheinlich auf die Art an. Nachzufragen, warum etwas nicht gebracht wurde, das kann ja auch jede Privatperson. Solange es über einen normalen Kontakt nicht hinausgeht, würde ich einmal nichts daran finden. Wenn natürlich versucht wird, Druck auszuüben oder – umgekehrt – wenn sich Journalisten korrumpieren lassen würden, …

… versuchen wird man es ja noch dürfen?

Man kann sich auch beschweren. Es gibt einen Publikumsrat, einen Bundeskommunikationssenat usw. und es kommt ja auch immer wieder vor, dass Sendungen oder Einzelnes auch verurteilt oder zumindest kritisiert werden. Das ist natürlich ein mühsamer Weg. Aber noch einmal: Ich meine, dass Pressesprecher einen regelmäßigen Kontakt zu Journalisten haben – na hoffentlich ist das so. Davon leben ja beide Seiten. Ich habe es mir seit jeher zur Gewohnheit gemacht, nicht zu intervenieren.

Sind Sie da in der Minderheit?

Ich glaube schon.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2010 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 54 bis 55 Autor/en: Interview: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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