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ARCHIV » 2010 » Ausgabe 06+07/2010 »

Medien

Fernsehen zeigen

Von TEXT: Astrid Kuffner

SignTime heißt der rein gebärdensprachige Info- und Unterhaltungskanal für Gehörlose in Österreich. Die Finanzkrise hat den Internetsender ebenso hart getroffen wie die Medienwelt der Hörenden.

Stell dir vor, du schaust Nachrichten und verstehst kein Wort. So fühlt sich signtime.tv für Menschen an, die mit Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS) nicht vertraut sind. Eine lehrreiche Erfahrung, wenn man sich umgekehrt vorstellt, dass fast das gesamte ORF-Programm nicht nutzbar ist, wenn man nichts hört.

Im Gegensatz zur Gebärdensprache müssen Gehörlose die deutsche Sprache wie eine Fremdsprache lernen und für viele bleibt sie es ein Leben lang. Eine verfehlte Bildungspolitik hierzulande sieht Unterricht für Gehörlose ausschließlich in der für sie nicht wahrnehmbaren Lautsprache vor. Das führt dazu, dass sinnerfassendes Lesen – von der Titelseite einer Zeitung bis zu Untertiteln im Fernsehen – vielen Schwierigkeiten bereitet. Entsprechend schwer haben sie es in Österreich, an aktuelle Nachrichten und Hintergrundberichte zu kommen.

Gründungsgedanke war es also, Nachrichten in Gebärdensprache als Video kostenlos verfügbar zu machen. Hervorgegangen ist SignTime aus dem Beratungs- und Schulungsunternehmen Equalizent. Mehrere Anläufe, den ÖGS-Sender zu finanzieren, sind an hohen Entwicklungskosten gescheitert. Mit einer Förderung des Wiener Zentrums für Innovation und Technologie konnte die Idee 2008 verwirklicht und rund 10.000 Österreichern eine verbesserte gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden. Neben SignTime gibt es auch gebaerdenwelt.at, wo ÖGS-Videos ergänzend zum Text angeboten werden.

Rund ein Jahr lang wurde im Probebetrieb täglich Pionierarbeit geleistet. Jede technische Ausstattung musste auf die Anforderungen von Gebärdensprachvideos optimiert werden. „Hände und Gesicht müssen stets im Fokus bleiben, weil Gestik und Mimik für den Inhalt entscheidend sind. Auch wenn zwei Gebärdende miteinander sprechen. Vom optimalen Make-up über eine Beleuchtung, die keine Schatten wirft, Farbeinsatz, Kontrastsetzung bis hin zur Bedienung des Teleprompters per Pedal, um die Hände frei zu haben, wurden Standards erarbeitet und festgelegt“, berichtet Geschäftsführer Georg Tschare stolz. Auch die redaktionellen Abläufe wurden optimiert. Feedback war von Anfang an wichtig und zeigt dem Team im Zusammenspiel mit den Zugriffszahlen bis heute, was und wer in der Community gut ankommt. SignTime begann mit aktuellen Nachrichten im Netz. Auf Wunsch der Seher wurde neben Information bald auch Unterhaltung ein Fixpunkt und das Programm um die Society-Sendung „Signblicke“, Porträts von gehörlosen Role Models, Reportagen, Horoskope und Witze ergänzt.

Im Durchschnitt werden monatlich 10.000 unterschiedliche User erreicht. In einem unterscheidet sich der Gehörlosensender nicht von der Medienwelt der Hörenden. Durch die Finanzkrise musste das Angebot eingeschränkt werden. Aus mehrmals wöchentlich tagesaktuell produzierten News wurde mit Oktober 2009 ein rund 20-minütiger Wochenrückblick. Das Budget für viele verschiedene Formate, Gesichter und Gebärdenstile am Schirm ist weggebrochen, dennoch bilanziert man positiv durch Auftragsarbeiten. Claudia Schweinzer und Dawei Ni (siehe Interview) bestreiten abwechselnd die Sendung. Im Studio sind sie mit Computer, Kamera und Teleprompter allein. Den Schnitt übernimmt eine Kamerafrau. Vier Hände, vier Augen und vier Stunden Arbeitszeit pro Woche sind für das Programm nötig und finanzierbar.

Mit der aufgebauten Kompetenz und SignTime als Referenz werden gebärdensprachliche Inhalte auch für externe Auftraggeber erstellt. ÖGS-Videos für barrierefreie Webseiten, Inhalte für wien.at oder Wien-Tourismus, aber auch Videoführungen durch Museen finanzieren das Angebot für die Community. Gebärdete Werbespots und ausführliche Produktbeschreibungen sind derzeit rückläufig. In vielen Schritten hat sich das fünfköpfige Team an eine professionelle und kostengünstige Produktion angenähert: eine Minute kostet rund 150 Euro. Die Preise werden gestaffelt. Wer also viel ÖGS-Content benötigt, fährt günstiger.

Ein Absatz in Artikel acht der Österreichischen Bundesverfassung eröffnet seit 1. September 2005 den Gehörlosen Österreichs neue Perspektiven: „(3) Die Österreichische Gebärdensprache ist als eigenständige Sprache anerkannt. Das Nähere bestimmen die Gesetze.“ Ein wichtiger Schritt im zähen Ringen um die angestrebte Anerkennung als sprachliche und kulturelle Minderheit und die Beseitigung von Barrieren für Menschen, die zwar taub sind, aber nicht stumm.

Für die steigende Anzahl derjenigen, die Österreichische Gebärdensprache lernen wollen, hat sich die Webseite zum idealen Übungsmedium entwickelt und ÖGS ist bereits die gefragteste Fremdsprache an der Uni Wien. Ein gutes Zeichen der Zeit.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2010 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 56 bis 56 Autor/en: TEXT: Astrid Kuffner. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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