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„Habe mich dumm gestellt“ - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2010 » Ausgabe 06+07/2010 »

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„Habe mich dumm gestellt“

Georgia Schultze, ORF-Radioreporterin, wurde in Chile während der Recherche festgenommen.

Wie kam es zu Ihrer Festnahme? Als ich bei einer Demonstration mit Mapuches sprach, jenen Ureinwohnern Chiles, die von der Regierung enteignetes Land zurückfordern, haben sich vor mir drei Männer aufgebaut und meinen Ausweis verlangt. Auf dem Weg zum Hotel, wo der Pass lag, gingen sie rechts und links von mir und hinter mir. Als sie im Pass dann auch noch ein Visum für Pakistan entdeckten, zogen sie die Augenbrauen hoch und meinten: Mitkommen! Sicherheitshalber habe ich das Aufnahmegerät in einem Blumenstock verschwinden lassen, man weiß ja nie.

Man ließ mich lange warten und befragte mich dann eingehend, ich habe mich dumm gestellt und gesagt, ich fand die Musik und den Umzug so schön, von Demo sagte ich nichts.

Das hat Sie schlussendlich gerettet? Ja, ich habe sie niedergeredet und unwissend getan. Irgendwann ließen sie mich dann gehen und meinten, ich solle mich nicht mehr erwischen lassen. Als ich wieder draußen war, ist mir schlecht geworden und ich dachte: Puh, das hätte anders ausgehen können, gerade wenn man bedenkt, wie Frauen in chilenischen Gefängnissen schon behandelt wurden.

Hat sich Ihre Arbeitsweise durch den Vorfall geändert?

In Chile bin ich jedenfalls bedachter vorgegangen. Meist ist die journalistische Neugierde größer als die Vorsicht, aber ich habe mir dreimal überlegt, wieder in die Nähe einer Demo zu gehen. Und bei einem Interview mit einem Staatssekretär habe ich die Frage zu den Ureinwohnern erst am Ende gestellt. Ich fahre sicher nicht so schnell wieder nach Chile.

Welche Folgen haben solche Vorfälle für journalistische Arbeit an sich? Ich habe am eigenen Leib zu spüren bekommen, wie groß der Druck von Geldgebern und Politik sein kann. In Chile geht es um Großprojekte, die nicht durch internationale Medienberichte gefährdet werden sollen. Aber auch in vielen anderen Ländern werden Journalisten immer mehr zu Sprachrohren, das ist sehr traurig. Unabhängiger Journalismus wird immer schwieriger. Ich für meinen Teil werde vorsichtiger sein, aber ich denke nicht, dass ich deswegen keine heißen Eisen mehr angreifen werde. Theresa Steininger

Erschienen in Ausgabe 06+07/2010 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 8 bis 8. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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