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Liebling des Monats: Renate Brauner

Warum wir sie lieben?

Weil die Wiener Finanzstadträtin in dieser wirtschaftlich angespannten Zeit noch immer sehr viel, nämlich 6,4 Millionen Euro, für die Zukunftssicherung der Medien lockermacht. Die SP-Mehrheit hat ihren Antrag zur Schaffung eines „Medienausbildungsprogramms“ bereits genehmigt.

Warum wir ihr vertrauen?

Weil Brauners gute Tat so richtig synchron zur sonstigen Finanzgebarung der Stadt Wien passt, in der der Schuldenstand im laufenden Jahr die 2-Milliarden-Grenze überschreiten dürfte. 2009 war Wien mit 1,87 Milliarden ja schon nahe der Schallmauer, nachdem 400 Millionen zusätzliche Schulden gemacht worden waren. Diese sind allerdings im Rechnungsabschluss nicht deutlich erkennbar. Dort sind Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen – die 400 Millionen Kredit wurden als Einnahme verbucht.

Was wir noch gern erlebt hätten?

Dass die Stadträtin uns erklärt, dass ihr Medienausbildungsprogramm erstens sinnvoll und zweitens parteipolitisch neutral ist. Während sich auf dem Markt schon Hunderte ausgebildete und halbausgebildete Journalisten und Medienmanager vergeblich um Jobs bemühen, soll jetzt ein neuer FH-Lehrgang aus dem Boden gestampft werden, als ob es in der Mediensparte nicht schon genügend gäbe. Und das Geld dafür soll der Einfachheit halber gleich an die Wien Holding überwiesen werden, die Träger dieses Lehrgangs sein wird. Die Holding versteht gewiss viel davon, denn sie ist auch für Musicals und das Ronacher zuständig – beide defizitär.

Worüber wir mehr wissen möchten?

Ob das Bildungsprogramm „International Media Innovation Management“ bloß dazu dient, den Medien-Cluster St. Marx aufzufetten, in welchem wahrscheinlich auch das ORF-Zentrum platziert werden wird. Und ob die Stadt Wien dem ORF einen Teil der Ausbildungsarbeit abnehmen will. Denn die 160 Millionen, die der ORF gerade aus anderer Quelle bekommt, werden nicht lange reichen.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2010 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 9 bis 10. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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