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Zeitungen vorausschauend gepfändet

Von Kurt Tozzer

Kremser Bank hält bei Zeitung die Hand auf.

Der Bruder und die Eltern des im Vorjahr in Krems erschossenen Einbrechers wollen Geld von Zeitungen, die damals über den aufsehenerregenden Fall berichtet haben. Bei den Gerichtsverfahren wurden seltsame Begleitumstände bekannt.

Kevin, der 20-jährige Bruder des Einbrechers, fühlt sich dadurch als Medienopfer, weil über seine Attacken gegen einen Fotografen berichtet wurde, der bei einer Trauerveranstaltung für den Erschossenen fotografiert hatte. Der Fotograf erlitt schwere Verletzungen, Kevin erwartet ein Verfahren wegen Körperverletzung.

Dennoch wurde „Österreich“ wegen einiger Berichte über diesen Vorfall und einer „Verletzung der Unschuldsvermutung“ in erster Instanz von Richter Gerald Wagner zur Zahlung einer Entschädigung von 4.200 Euro verurteilt. Ungewöhnlich dabei war, dass die Pflichtverteidigerin ein Schreiben vorgelegt hatte, wonach ihr vom Burschen alle medienrechtlichen Entschädigungsansprüche abgetreten wurden. Er habe nämlich Schulden bei ihr, begründete Kevin vor Gericht den ungewöhnlichen Schritt.

Neben dem Fellner-Blatt war auch der „Kurier“ vom Bruder des Einbrechers vor Gericht zitiert worden. Auch „Kurier“-Anwalt Stephan Ruggenthaler legte das Schreiben der Rechtsanwältin Eva Plaz vor, wonach sie berechtigt sei, eventuelle Entschädigungszahlungen zu kassieren. Richterin Brigitte Zeilinger wies die Klage zurück und kündigte sogar eine Beschwerde gegen die Anwältin bei der Kammer an. Auch die Eltern des erschossenen „Merkur“-Einbrechers wollen von den Medien Geld, da im Vorjahr über angeblich desolate Familienverhältnisse berichtet worden war. In einem der ersten Verfahren war „Österreich“ zur Zahlung von 4.500 Euro an die Eltern (Ernestine und Robert) verurteilt worden. „Wir werden berufen“, kündigte Anwalt Peter Zöchbauer an.

Bereits vor dem Urteil hat Zöchbauer seltsame Post erhalten. Eine Kremser Anwältin teilte mit, dass die Eltern des Einbrechers einem Geldinstitut rund 33.000 Euro schulden und eventuelle medienrechtliche Entschädigungen zuerst einmal an die Kremser Bank fließen müssen, sie also vorausschauend gepfändet wären.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2010 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 15 bis 15 Autor/en: Kurt Tozzer . © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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