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82 Jahre Gefängnis

Chiranuch Premchaipoen, die Direktorin des thailändischen Newsportals Prachatai, kehrte Ende September von einer Konferenz in Budapest zurück. Bei der Passkontrolle in Bangkok wurde sie verhaftet. Sie ist inzwischen gegen eine Kaution von umgerechnet mehr als 4.500 Euro frei, muss sich aber jeden Monat auf einem Provinz-Polizeiposten melden, der 400 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt ist. Ihr werden „Majestätsbeleidigung“, „unruhestiftende öffentliche Äußerungen“ und „Verbrechen in Zusammenhang mit der Nutzung von Computern“ vorgeworfen. Dafür sehen die Gesetze bis zu 32 Jahre Haft vor.

2008 wurde auf Prachatai ein Interview mit dem Studenten Chotisak Onsoong veröffentlicht. Dieser hatte sich geweigert, beim Abspielen der Nationalhymne im Kino aufzustehen. Zahlreiche Leute haben sich im Prachatai-Blog mit ihm solidarisiert. Chiranuch Premchaipoen entfernte die Einträge zu wenig schnell, ein Geschäftsmann aus einer thailändischen Provinz erstattete daraufhin Anzeige gegen sie.

Gegen die international renommierte Chiranuch Premchaipoen läuft noch ein zweites Verfahren wegen ähnlichen Vergehen im Jahr 2009. Auch hier hatte sie Einträge, die als Majestätsbeleidigung gewertet werden, nicht schnell genug entfernt und es drohen ihr 50 Jahre Haft. Insgesamt ergibt dies 82 Jahre Gefängnis. Prachatai.com ist in Thailand eine wichtige Quelle für unabhängige und kritische Informationen. Während den Unruhen im Mai dieses Jahres wurde die Seite sofort blockiert. Bei den Unruhen wurden ein italienischer und ein japanischer Journalist erschossen. Der Titel der internationalen Konferenz, die Chiranuch Premchaipoen in Budapest besuchte, war übrigens „Internet und Freiheit 2010“.

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Sylvia Valentin, ROG, Schweiz

Erschienen in Ausgabe 10+11/2010 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 14 bis 14. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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