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Medien

Das Friedens-Radio

Die kongolesische Radiostation Radio Okapi wurde mit dem Free Media Pioneer Award 2010 ausgezeichnet, dem „Preis für herausragende Arbeit unter schwierigen Umständen“. Seit 2002 strahlen Chefredakteur Léonard Mulamba und sein Team ihr unabhängiges Programm aus, sie wollen damit zum Frieden in ihrem Land beitragen, was bereits Opfer forderte. 2007 wurde der Nachrichtenherausgeber Serge Maheshe von Unbekannten ermordet, ein Jahr später sein Kollege Didace Namujimbo, der über dessen Tod Nachforschungen anstellte. Radio Okapi hat 20 Millionen Zuhörer, arbeitet mit 24 lokalen Radiostationen zusammen und wird in Kooperation mit der UNO und der Schweizer Fondation Hirondelle betrieben. Der Preis gebe seinen Mitarbeitern „die Verantwortung, weiterhin nach den höchsten Standards des Journalismus zu arbeiten“, so Mulamba bei der Verleihung. Auch Radio Okapis Bedeutung in der Verbreitung von Toleranz im Land und die gefährliche Situation, in der die Mitarbeiter tagtäglich arbeiten, wurde betont.

Was unterscheidet Radio Okapi von anderen Stationen in Ihrem Land? Léonard Mulamba: Wir sind wirklich unabhängig. Wir verbreiten Information objektiv, geben das Wort an alle politischen Vertreter, berichten auch über soziale Missstände, haben großen Respekt vor unserer Berufsethik. Das alles ist in der Republik Kongo sehr selten – ebenso unsere Überzeugung, keine Korruption zu akzeptieren. Unsere Kollegen sind gut bezahlt, sie haben gar keinen Grund, korruptionsanfällig zu sein. Wir halten uns daran, dass die Unabhängigkeit eines Journalisten seine Macht ist.

Wissen Sie heute schon mehr über die Ermordung Ihrer beiden Kollegen? Sie haben beide in einer sehr unsicheren Region, in Bukavu, gearbeitet, wo es viele Milizen gibt. Wir wissen noch immer nicht, warum sie getötet wurden, aber sie haben Reportagen über die Sicherheitssituation im Kongo gemacht – wie sie bei uns oft gemacht werden. Eventuell war es jemand vom Militär, aber es gab keinen geregelten Prozess, wir konnten nichts nachweisen.

Wie haben Sie nach den Vorfällen weitergemacht? Ganz normal, wir haben in Bukavu weiterhin eine Redaktion, aber unsere Mitarbeiter sind sehr vorsichtig, sie verlassen die Redaktion früh, gehen am Abend nicht mehr auf die Straße. Wir haben unsere Linie trotz allem nie geändert, wir wollen die Leute auf die objektivste Art und Weise informieren – wir machen weiter!

Erschienen in Ausgabe 10+11/2010 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 63 bis 63. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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