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Special

Fleischleiberl im CSR-Test

Von Christian Krebs

Wenn man an Unternehmen denkt, die CSR als Management-Tool in ihrer Philosophie verankert haben, so fällt einem nicht als erstes McDonald’s ein: Die Hamburger-Braterei-Kette wird gern als die Verkörperung des American Way of Life gesehen, und dazu wollen Umweltschutz, soziales Engagement und nachhaltiges Wirtschaften nicht so passen. Das sieht Ursula Riegler, Senior Manager Communications bei McDonald’s Österreich, allerdings anders.

Also mal ganz ehrlich, Frau Riegler: Spielt das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) in Ihrem Unternehmen überhaupt eine Rolle?

Ursula Riegler: Also mal ganz ehrlich zu behaupten, wir hätten das erfunden, wäre natürlich eine glatte Lüge. Aber ein Unternehmen unserer Größe, das fest in der Gesellschaft verankert ist, ist nicht nur bestrebt, effizient und nachhaltig zu wirtschaften – CSR ist bei McDonald’s ein integrierter Bestandteil der Unternehmenskultur. Wir wollen nicht nur an der Gesellschaft verdienen, sondern stehen auch in der Verantwortung, ihr etwas zurückzugeben. Diese Philosophie geht schon auf unseren Gründer Ray Kroc zurück, von dem der Ausspruch überliefert ist: „We are not a hamburger company serving people, we are a people company serving hamburgers.“

Das klingt sehr nett – vielleicht könnte man das mit einem Beispiel untermauern …

Gern – nehmen wir zum Beispiel den Verein Ronald McDonald Kinderhilfe. Ray Kroc unterstützte zu Beginn seiner Laufbahn eine Sportmannschaft, und als das Kind eines der Spieler einmal schwer erkrankte und die Eltern während des Krankenhausaufenthalts Probleme bekamen, unterstützte er auch die Familie. Aus diesem Engagement erwuchs der Gedanke einer Stiftung für schwerkranke Kinder und deren Familien.

Der Verein Ronald McDonald Kinderhilfe wurde 1987 auch in Österreich gegründet und hat es sich zur Aufgabe gemacht, in unmittelbarer Nähe von Kinderkliniken Ronald-McDonald-Häuser zu errichten und zu betreiben, in denen betroffene Familien während der Behandlungszeit ihrer Kinder wohnen können: Für die kleinen Patienten ist die Nähe ihrer Familien sehr wichtig, denn wie die Erfahrung gezeigt hat, kann das den Heilungsprozess um bis zu einem Drittel beschleunigen. Und auch in der Nachbehandlungsphase können Eltern und Geschwister dort noch wohnen. Heute gibt es bereits vier Ronald-McDonald-Häuser – in Wien, Graz, Innsbruck und Salzburg, 9.800 Familien konnte so ein „Zuhause auf Zeit“ zur Verfügung gestellt werden, es gab mehr als 100.000 Nächtigungen, und jetzt planen wir, in Wien ein zweites Haus zu bauen.

Und das finanziert Ihr Unternehmen allein?

Die Ronald McDonald Kinderhilfe ist ein eigenständiger, gemeinnütziger Verein und nicht Teil der McDonald’s-Organisation; die finanzielle Basis bilden Beiträge unserer Franchisenehmer, der Erlös aus den Spendenhäuschen, die in allen Restaurants stehen, sowie die Spenden bei den großen und zahlreichen Charity-Events, die wir veranstalten, etwa dem Carwash-Day oder den McMasters-Golfturnieren, und die eins zu eins weitergegeben werden. Wir machen keine Einmal- und Hauruck-Aktionen, sondern unsere Unterstützung ist permanent.

Hat sich damit das Thema soziale Verantwortung bei McDonald’s erledigt?

Nein, ganz und gar nicht, wir tragen ja als Arbeitgeber Verantwortung für mehr als 8.000 Mitarbeiter in Österreich. Apropos: Wir haben auch in den Zeiten der Krise nicht abgebaut, sondern 2008/2009 zusätzliche 500 Mitarbeiter eingestellt, 2010 noch einmal 500, und auch 2011 planen wir, rund 500 weitere Mitarbeiter einzustellen. Aber die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen ist nur der eine Teil – in unseren Restaurants arbeiten Menschen aus knapp 70 Nationen und fast allen Weltreligionen, da ist Integration natürlich ein wichtiges Thema. Unser Managing Director Andreas Scherla hat sich dieses Themas speziell angenommen, er ist Vorstandsmitglied des Vereins „Wirtschaft für Integration“, wir bieten bei McDonald’s Österreich unter anderem Deutschkurse an und Kurse für Persönlichkeitsentwicklung und für selbstsicheres Auftreten – wir sehen es als echte Aufgabe an, Menschen zu integrieren.

Und auch die 2001 gestartete Jobfabrik mit der Initiative McStart für behinderte Jugendliche geht in diese Richtung: Abgänger von Schulen mit sonderpädagogischem Schwerpunkt erhalten eine faire Chance für eine Arbeit, die ihren Bedürfnissen und ihrem Arbeitstempo entspricht. Nach längstens neun Monaten wird für sie nach einem passenden Arbeitsplatz im McDonald’s-System gesucht.

Wovon können Mitarbeiter bei McDonald’s noch profitieren?

Von einer flexiblen Arbeitszeit einerseits, andererseits von unserem umfangreichen Ausbildungs- und Schulungsprogramm: Rund 50 Prozent unserer großteils jungen Mitarbeiter – vor allem weibliche Angestellte – nutzen die Möglichkeit eines Teilzeitmodells, was zu einer guten Vereinbarkeit von Familie und Job führt. Und bei der Aus- und Weiterbildung setzen wir ganz am Anfang an: 1998 wurde die Lehrlingsausbildung zum Fachmann beziehungsweise zur Fachfrau für Systemgastronomie eingeführt, derzeit werden 182 junge Menschen ausgebildet.

Zusätzlich zur Lehre gibt es die Möglichkeit, die Matura zu machen – mit McCampus, dem internen Aus- und Weiterbildungsprogramm, eröffnet sich dann eine Karriere in Richtung Restaurant-Manager, die bei entsprechendem Know-how und erfolgreich absolviertem Coaching über das Management in der McDonald’s-Zentrale hier im Campus 21 in Brunn am Gebirge auch zu einer weltweiten Karriere führen kann. Es ist uns wichtig, unsere zukünftigen Restaurant-Manager aus unserer eigenen Personalreserve heranzuziehen, genauso wie es uns wichtig ist, gute und gut ausgebildete Mitarbeiter zu haben – manche Menschen haben ja noch immer das Bild, wir würden Mitarbeiter schlecht bezahlen und nur ausbeuten. Das sind nur lange tradierte Klischees.

Apropos Klischee: Werden noch immer die Regenwälder am Amazonas für die McDonald’s-Rinderherden abgeholzt, und wie sehr ärgern Sie Filme wie „Super Size me“ des US-Regisseurs Morgan Spurlock, in dem Spurlock 30 Tage lang nur Fast Food von McDonald’s isst, am Ende fast zwölf Kilogramm zunimmt und gesundheitliche Probleme bekommt?

Also zunächst: Regenwald wird für uns nicht abgeholzt, aber was McDonald’s Österreich in Sachen nachhaltiger Umweltschutz unternimmt, dazu später. Was „Super Size me“ betrifft: Das war eine sehr aggressiv aufgezogene, extrem tendenziöse Geschichte, denn wenn jemand jeden Tag 5.000 Kalorien zu sich nimmt und außerdem darauf besteht, täglich nicht mehr als 2.000 Schritte zu gehen, braucht er sich nicht zu wundern, wenn er dick wird und Probleme bekommt. Andererseits war der Film auch sehr positiv: In Amerika, wo das Ernährungsverhalten sicher ein anderes als in Europa ist, hat der Film angeregt, darüber nachzudenken, wie man sich ernährt.

McDonald’s setzt seit 2006 freiwillig auf die Angabe von Nährwerten auf Verpackungen, aber auch auf Tablettsets, im Restaurant und im Internet. Zusätzlich wenden wir das Guideline-Daily-Amount-System an, das von internationalen Ernährungsexperten entwickelt wurde und über den empfohlenen Tagesbedarf informiert (www.mcdonaldsmenu.info). Außerdem entwickeln wir unsere Produkt-Range beständig weiter, mit Fisch- und Hühnerprodukten, den Wraps und vor allem den Salaten – wir sind heute Österreichs größter Salatverkäufer. Und schließlich stehen wir auch für einen aktiven Lebensstil und ausgewogene Ernährung ein, wir unterstützen ebenso wie viele unserer Franchisenehmer zahlreiche regionale Sportvereine, Sportevents, Jugendturniere und den ÖFB und geben Broschüren für Eltern mit Kindern heraus, unter anderem mit der Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler, in denen über ausgewogene Ernährung informiert wird.

Zurück zum Umweltschutz: Wie tickt McDonald’s im grünen Bereich?

1992 wurde – noch vor Inkrafttreten der österreichischen Verpackungsverordnung – McRecycle ins Leben gerufen: McRecycle ist das McDonald’s-eigene Abfallsammel- und Verwertungskonzept, mit dem man plante, die mit der raschen Expansion einhergehende Umweltrelevanz langfristig und ganzheitlich in den Griff zu bekommen. Dieser proaktive Beitrag zum Umweltschutz durch eine integrierte Kreislaufw
irtschaft wurde durch das von Klaus Galle in der Umweltabteilung von McDonald’s Österreich entwickelte GUT-System (GUT steht für Galle Umwelt Technik GmbH) ermöglicht und war bereits 1993, nach einem knappen Jahr, flächendeckend in allen österreichischen McDonald’s-Restaurants im Einsatz. Heute können bis 95 Prozent aller im Restaurant entstehenden Abfälle wiederverwertet werden.

Außerdem hat sich das McDonald’s-eigene Logistik-Unternehmen SDL Korneuburg bewährt: Waren werden effizient und umweltschonend transportiert, Lieferungen in Bezug auf optimale Laderaum- und Tourenauslastung zusammengestellt. Darüber hinaus fahren die SDL-LKW neun Monate im Jahr mit Biodiesel, der aus dem Alt-Frittieröl der Restaurants hergestellt wird – das bedeutet 99 Prozent weniger Schwefelverbindungen und 45 Prozent weniger Kohlenwasserstoffe gegenüber herkömmlichem Diesel. Um die Effizienz zu steigern, wurde im Sommer 2010 das zweite Logistiklager in Vomp/Tirol in Betrieb genommen: Damit können insgesamt jährlich rund 800.000 LKW-Kilometer eingespart werden.

In jedem Restaurant gibt es außerdem einen Abfallbeauftragten, der sich um die Kontrolle der Umweltstandards kümmert, und durch den Einsatz energieeffizienter Restauranttypen (unter anderem mit Wärmerückgewinnungssystemen, LED-Lampen und intelligenter Brennwerttechnik ausgestattet) können heute Einsparungen bei Wasser und Energie von bis zu 50 Prozent erzielt werden.

Und nicht zuletzt durch Optimierung und Konzentration auf in Österreich produzierte Nahrungsmittel – Kartoffeln für Pommes frites, Milch, Eier, Salat, das gesamte Rindfleisch und insgesamt rund 70 Prozent aller zu verarbeitenden Produkte kommen aus Österreich – konnten nicht nur Lieferwege verkürzt und LKW-Kilometer gespart, sondern auch etwa 90.000 Arbeitsplätze in Österreich gesichert werden.

Erschienen in Ausgabe 10+11/2010 in der Rubrik „Special“ auf Seite 72 bis 75 Autor/en: Christian Krebs. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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