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Praxis

In den Spiegel schauen können

Christa Hofmann arbeitet seit 1991 für den ORF. Zuerst im Radio. Ab 1998 werkt die studierte Publizistin und Soziologin als Redakteurin und Reporterin im Aktuellen Dienst im TV. Seit 2008 ist die Mutter zweier Töchter Redakteurin und Reporterin im ORF-Auslandsmagazin „Weltjournal“. Bevorzugte Themen sind: Soziales, Frauen, Bildung und Globalisierung. Kürzlich wurde Hofmann mit der „Medienlöwin“ für ihren Beitrag „Norwegen: Starke Wirtschaft durch starke Frauen“ ausgezeichnet.

Wie viel Macht hat ein Journalist?

Weniger Macht, aber mehr Verantwortung, als man glaubt.

Ihr Verhältnis zur Macht?

Macht braucht Kontrolle.

Hat Ihre Arbeit schon einmal Einfluss auf wichtige Entscheidungen gehabt?

Wer weiß das schon …

Ihre Vorbilder im Journalismus?

Halte nichts von „Vorbildern“. Habe meinen eigenen Stil.

Was zeichnet einen guten Journalisten aus?

Interesse an seiner Umgebung, die Fähigkeit, in politischen Zusammenhängen zu denken, ein Gefühl für Sprache und Dramaturgie.

Wie wird sich der Journalismus künftig verändern?

Die Tendenz geht noch mehr in Richtung Infotainment: Inhalte kürzer, schneller, unterhaltsamer aufbereiten – mit dem Risiko, dass sie oberflächlicher, beliebiger, trashiger werden … „overnewsed but underinformed“. Der Unterschied zwischen Trash- und Qualitätsmedien wird immer größer.

Warum sind Sie Journalistin geworden?

Weil mich schon immer interessiert hat, was auf der Welt passiert, warum es so und nicht anders passiert und wie alles mit allem zusammenhängt. Und weil ich schon immer gerne Geschichten erzählt habe.

Wie kamen Sie an Ihren ersten Beitrag und was war das Thema?

Das Thema war die Sanierung des Jüdischen Friedhofs in Wien. Wurde in der Redaktionssitzung vergeben, ich habe mich gemeldet, weil ich den Jüdischen Friedhof, der so viel von beidem – vom Glanz und von der Tragödie der jüdischen Gemeinde – erzählt, schon immer sehr gemocht habe.

Schon einmal überlegt, den Beruf zu wechseln?

Ja: als ich im Aktuellen Dienst in Struktur-Schicht-Dienstpläne eingebunden war, die ein Privat- bzw. Familienleben nahezu unmöglich gemacht haben.

Wo und wie lernt man Journalismus am besten?

In der Praxis.

Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?

Stärke: Interesse an allem und jedem, Schwäche: Unpünktlichkeit.

Wie wichtig ist Klatsch?

Er versüßt das Leben und kann schon mal die eine oder andere Aufdecker-Story nach sich ziehen.

Stört Sie das schlechte Image von Journalisten?

Nö, das nehme ich nicht persönlich.

Journalisten gelten als eitle Zeitgenossen, und Sie?

Ich möchte immer in den Spiegel schauen können, in jeder Beziehung.

Was sagen Kollegen Böses über Sie?

???

Sie haben einen Wunsch frei, der wäre?

Mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt, sprich ein Ausgleich zwischen Arm und Reich, Alt und Jung, Mann und Frau, Nord und Süd. (Für mich persönlich: ein Haus mit Garten in Wien – hat jemand ein Angebot?)

Was soll Ihnen später einmal nachgesagt werden?

Sie hat ihr Leben gelebt.

Erschienen in Ausgabe 10+11/2010 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 122 bis 122. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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