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Rechnet sich Pándi Chancen aus? - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2010 » Ausgabe 10+11/2010 »

Medien

Rechnet sich Pándi Chancen aus?

Von Elisabeth Horvath

Seit Christoph Dichand, ruhig und zurückhaltend, in der „Krone“ das Szepter übernommen hat, wird offenbar der Handlungsspielraum des innenpolitischen Redakteurs Claus Pándi größer. Ob sich Dichand einen geschäftsführenden Chefredakteur zur Seite nimmt, ist noch nicht geklärt.

Gelocktes, gelacktes Haar, schwarze Hornbrille, modisch gestreifter Herrenschal, salopper Parka oder dunkler Anzug, weißes Hemd, Krawatte, eleganter Mantel; breites Cheeselächeln oder Handy locker am Ohr – je nach Anlassthema. Bei den Aufnahmen in seinem Büro steht allerdings eines immer im Hintergrund: eine Bücherwand. So gibt sich Claus Pándi, smart und eloquent, auf Krone-TV in „Pándi: Politik im Bild“ jeden Dienstag ab 19 Uhr neu. Pándi, der Welterklärer. Pándi, der Uneitle.

Letzteres versichert der innenpolitische Redakteur der „Kronen Zeitung“ jedenfalls, als ihn der „Journalist“ zwecks eines Porträts um ein persönliches Treffen bittet. Pándi im Wortlaut auszugsweise: … Er wolle „aus prinzipiellen Erwägungen keine persönlichen Porträts oder Society-Berichte …“ Er finde das „immer peinlich, eher für Leute, die sich auf Kosten ihres Verlages plakatieren lassen (Anm.: Gemeint scheint etwa der neue „Kurier“-Chefredakteur Helmut Brandstätter.) oder großkarierte Zirkus-Sakkos tragen …“ (Anm.: Gemeint diesfalls ist offenbar „Profil“-Herausgeber Christian Rainer.) Pándi dann weiter: Er versuche, „diese Art von Eitelkeit aufzuschieben, bis ich ein Alter erreicht habe, ab dem auch übertriebene Eitelkeit nicht mehr als solche empfunden werden kann …“ Man möge „diese, meine Haltung, respektieren …“

Pándis „Politik im Bild“ war sicher seine eigene Idee, versichert der Außenpolitikchef der „Krone“, Kurt Seinitz, zurückhaltend. Ein anderer Insider formuliert zwar auch diskret, aber deutlicher: Seit dem Tod von Hans Dichand am 17. Juni werde „mit alten Gewohnheiten Schluss gemacht“. Zwar gibt es auch unter dem neuen Herausgeber und Chefredakteur Christoph Dichand jun. in der Politik keinen Ressortleiter, doch sei Pándi immerhin „der Erste, der als Video-Kommentator auftritt. So etwas geht nicht ohne Zustimmung des Herausgebers.“ Pándi habe „offenbar einen größeren Handlungsspielraum“. Zumal er ja auch in der „Krone“-Printausgabe Autor der einseitigen „Politik am Sonntag“ ist.

Gegen Hans Dichands Widerstand

Claus Pándi, 44, Sohn eines Flüchtlings aus Ungarn 1956, in zweiter Ehe verheiratet mit Angelika Feigl, der Sprecherin von Bundeskanzler und „Krone“-Liebkind Werner Faymann, begann seine „Karriere“ in der Chronik. 1989 beauftragte ihn Kurt Seinitz anlässlich des Umsturzes in Prag, ihm von vor Ort telefonisch zu berichten. Denn er vertrete die Meinung, „dass außenpolitische Berichterstattung nicht vom Schreibtisch aus gemacht werden kann“.

Als dann nach Prag auch in den anderen kommunistischen Staaten die Mauern wie Dominosteine fielen und der junge Kollege seine Sache gut gemacht hatte, holte ihn Seinitz zu sich ins Ressort. Anfangs gegen den geharnischten Widerstand von Hans Dichand. Doch das sollte sich ändern. Spätestens dann, als Dichand den „Smarty“ zum Chef der Chronik aufsteigen ließ. Von da an war Pándi „entfesselt, hetzerisch, untergriffig“, so ein älterer Kollege. In seiner Wortwahl, in seinem Verhalten zu Kollegen und Kolleginnen, in seinem vorauseilenden Gehorsam gegenüber dem Chef. Je nach Diktion auf den Leserbriefseiten, der Domäne von Dichand sen., verfasste Pándi seine Artikel im Gleichklang. Genauso anlässlich ziemlich jeder Dichand-Kampagne via Aufmacherseite und Leserbriefe – gegen Zuwanderer, gegen ausländische Mitbürger, gegen den Bau weiterer Moscheen, zumindest von Minaretten. Desgleichen in der Innenpolitik etwa gegen SP-Gesundheitsminister Alois Stöger, als dieser bei Faymann vorübergehend in Ungnade gefallen war, oder gegen Bundespräsident Heinz Fischer anlässlich seiner Wiederkandidatur und für Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll anlässlich dessen Kokettierens mit einer Gegenkandidatur.

Unbeliebt und gefürchtet

Pándi sei unbeliebt und gefürchtet gewesen und sei dies immer noch, erzählen Kenner von „Krone“ inside. Er habe den Zugang zu Hans Dichand gesucht und gefunden, er sei mitschuldig an verschiedenen unfreiwilligen Personal-Abgängen gewesen, etwa an jenem von Karin Strobl, die zu „Österreich“ wechseln musste und seit 2009 Politik-Ressortchefin bei Eva Dichands Gratiszeitung „Heute“ ist. Nebstbei ist Strobl seit Herbst 2007 Vorsitzende des „Frauennetzwerks Medien“. Unvergessen aber ist vor allem den Älteren in der Redaktion Pándis Verhalten während der emotional heftigen Auseinandersetzungen zwischen Hans Dichand und Chefredakteur Bibi Dragon. Schließlich musste Dragon die „Krone“ verlassen. Der junge Redakteur stand nicht nur fest aufseiten Dichands, er war auch im Hintergrund recht aktiv.

Belesen und freundlich

Claus Pándi kann aber auch anders. Er sei belesen, sehr höflich, sehr freundlich, so Leute, die ihn seit Langem mögen. Die gibt es nämlich auch. Und wenn er im Antwortmail schreibt, im Übrigen gebe es „eine große Zahl weitaus bedeutenderer Persönlichkeiten im Mediengetriebe“, dann klingt das nach höchster Bescheidenheit. Dazu kommt in der Tat, dass die „Krone“ seit der Herausgeberschaft Christoph Dichand insgesamt einen milderen Ton anschlägt – vor allem auch was die Leserbriefseiten betrifft.

Claus Pándi, ein Mensch mit mehreren Gesichtern? Je nachdem, wie es für ihn tauglich, opportun ist? Freilich ist solch ein zwiegesichtiges Verhalten durchaus ein menschliches und sehr oft anzutreffendes. Die Frage allerdings ist das Ausmaß solcher Gegensätzlichkeiten. Verständlich daher auch jene Beurteilung Pándis eines ebenfalls Nicht-genannt-werden-Wollenden mit Blick auf eine mögliche Installierung eines geschäftsführenden Chefredakteurs – neben Chefredakteur Christoph Dichand: „Blattmacher ist Pándi keiner.“

Erschienen in Ausgabe 10+11/2010 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 52 bis 53 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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