ARCHIV » 2010 » Ausgabe 10+11/2010 »

Rubriken

Sagen die Karten die Wahrheit?

5 Eine alte Zeitungs-Tradition gebietet es, dass die Redaktion unabhängig von der Anzeigenabteilung agiere. Der Inhalt einer Zeitung darf nicht davon abhängig sein, ob man bestimmte Inserate hat oder ob man welche verlieren oder gewinnen könnte.

Manchmal allerdings sollte man diese Tradition mit Überlegung beachten. Ein Beispiel dafür, dass das nicht passierte, war in der „Kronen Zeitung“ zu finden. Im redaktionellen Teil schrieb Ombudsfrau Barbara Stöckl über eine Wienerin, die bei Telefonaten mit „aus diversen TV-Kanälen bekannten Kartenlegern“ viel Geld loswurde. Bekanntlich läuft ja die Tarifuhr auf Hochtouren, ruft man Hellseher, Wahrsager oder auch Kartenleger an. Eine Gesprächsminute mit einer Kartenlegerin kostet zwischen einem und drei Euro – da kann schon etwas zusammenkommen.

Der Schönheitsfehler: Nicht nur TV-Kanäle, sondern auch die „Kronen Zeitung“ selbst bietet die Dienste derartiger Kartenleger im Inseratenteil an. In diesem Fall sollte man wohl mit Warnungen vor der Inanspruchnahme von Kartenlegern im redaktionellen Teil absehen, wenn man ein paar Seiten weiter die Dienste dieser Wahrsager, Sterndeuter und Kartenleser anpreist.

Erschienen in Ausgabe 10+11/2010 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 17 bis 17. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;