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Praxis

Sprechstunde

Macht Hubert Patterer bald eine Kinderzeitung, bekommt „News“ bald einen neuen Boss und steht der „Rundschau“ bald der Exekutor ins Haus?

Wird es für News-Boss Voigt eng?

Dr. Media: Da der Chef der österreichischen News-Verlagsgruppe, Oliver Voigt, Ende dieses Jahres sein Fünf-Jahres-Dienstjubiläum feiert, wird man ja danach fragen dürfen, ob es am 1. Jänner 2011 einfach so weitergeht wie bisher. Es wird nämlich behauptet, der deutsche Mehrheitseigentümer Gruner + Jahr halte fünf Jahre für genug und würde Voigt abberufen. Parallel dazu hört man, dass Christian Konrad, Raiffeisen-Obmann für NÖ-Wien und Vertreter des Mehrheitseigentümers des „Kuriers“, den Medienmanager recht gut als Geschäftsführer von Mediaprint brauchen könnte. Voigts Antworten lassen es wahrscheinlich erscheinen, dass eine bzw. auch beide der genannten Möglichkeiten tatsächlich eintreten könnten.

Zu Frage a) Wechsel an der News-Spitze: „Ich geh mal davon aus, dass das nicht so ist. Da kann immer vieles sein, aber das bespricht man mit einem großen Verlagshaus und nicht mit Medienvertretern, oder?“

Zu Frage b) Wechsel zu Mediaprint: „Bunte Menschen bieten anscheinend immer so eine Fläche an, dass man ihnen immer sofort Dinge unterschiebt – im Guten wie im weniger Guten.“

Nachfrage: „Unlogisch wäre es ja nicht, denn Mediaprint braucht auch erfahrene Medienmanager, die helfen könnten, in eine neue Zukunft aufzubrechen. Wäre das nichts für Sie?“

„Das wäre dann wieder so ein Gespräch, das man mit Mediaprint führen sollte, aber nicht mit Ihnen. (Schallendes Gelächter). Ich halte mich bei der Gerüchtebörse wohlwollend zurück.“

Anmerkung: Am Telefon war Voigt blendend gelaunt und fügte als Nachsatz hinzu, er mache seine Arbeit und wolle sie „sauber zu Ende bringen“. Es sehe so aus, als gebe es im zweiten Halbjahr endlich eine deutliche Erlössteigerung nach der Wirtschaftskrise. Achtung, jetzt folgt Voigts Gewinn-Sudoku: „Wir haben einstellige Netto-Zuwachsraten im charmanteren Bereich, also oberhalb der unteren Grenze, und im Endergebnis ein sehr gutes Jahr, wenn nicht das beste der Gruppe.“

Die Auflagenentwicklung der wichtigsten News-Medien hat ähnliche Lichtblicke noch nicht zu bieten.

Können Kinder Zeitung lesen?

Dr. Media: Grundsätzlich schon im ersten Schuljahr. Die „Kleine Zeitung“ möchte es genauer wissen und sowohl Fähigkeiten als auch Neigungen auf dem freien Markt testen. Auf Chefredakteur Hubert Patterers Schreibtisch liegt bereits eine Nullnummer der „Kleinen Kinderzeitung“. Ab Jänner soll sie an jedem Samstag zum Abo der „Kleinen Zeitung“ angeboten werden. Allerdings gegen Aufpreis, denn Inserate wird es nicht geben, dafür aber Hochglanzpapier geheftet im Zeitungsformat. Die Kinderzeitung ist nach dem Magazin „G7“ für jüngere und dynamische Leser der Region Graz das zweite Produkt innerhalb eines Jahres, das auf bestimmte Lesersegmente zugeschnitten wird. Auf eine sehr wichtige Zielgruppe übrigens, wenn man an die Klage über den Schwund junger Leser denkt. Die „Kleine Kinderzeitung“ will dem Negativtrend entgegenwirken. Eine „Fortsetzungsgeschichte in vielen Teilen“ wird auch drin sein. Na dann!

Steht der „Rundschau“ der Exekutor ins Haus?

Dr. Media: Schaut so aus – schon in den nächsten Tagen. Die Vorgeschichte: 2008/2009 ging es bei der „Rundschau“ rund. Nach Einstellung der „Sonntags-Rundschau“ baute die Moser Holding die Donnerstagsausgabe in eine Gratiszeitung um. Die meisten Mitarbeiter wurden abgebaut. Bei Vertragsauflösung unterschrieben die Mitarbeiter, dass sie auf alle weiteren Ansprüche verzichten. Eine Journalistin hat jetzt dennoch die Oberösterreichische Rundschau GmbH geklagt. Sie war als Freie beschäftigt, fühlte sich aber als angestellte Journalistin. Zu Recht, sagt das OLG Linz jetzt. Durch die Zuständigkeit der Journalistin für die Berichterstattung eines Teils des Bezirkes Braunau und die Verantwortung für einzelne Seitengestaltung sei ein Dienstverhältnis vorgelegen (Wochenzeitungsredakteur), so das OLG.

Der Klägerin wurden 33.400 Euro plus 10 Prozent Zinsen seit 1. Jänner 2009 zugesprochen. Darüber hinaus muss die Rundschau GmbH die Anwalts- und Gerichtskosten in Höhe von 10.000 Euro tragen.

Gezahlt hat die „Rundschau“ aber nicht. So hat die die Klägerin vertretende Rieder Rechtsanwaltskanzlei Puttinger, Vogl & Partner jetzt einen Exekutionsantrag gestellt. Nach dem Urteil ist zu erwarten, dass weitere ehemalige „Freie“ die „Rundschau“ klagen werden.

Welche Ressortleiter überleben unter „Brandy“?

Das Change-Management beim „Kurier“ ist in vollem Gang: Mit seinen Umstrukturierungen hat der neue Chefredakteur Helmut Brandstätter eine ganze Reihe von Ressortleitern entmachtet. Sein Artdirector Helge Schalk, den „Brandy“ von der „Presse“ mitgebracht hat, wird gleich vier Ressorts – Layout, Fotoredaktion, Grafik und Bildtechnik – leiten, Sex-Kolumnistin Gaby Kuhn soll das Mega-Ressort Leben, Mode, Gesundheit und Gesellschaft leiten. Michael Jäger ist Eva Gogala als Chronik-Chef nachgefolgt, die Ressorts Außenpolitik und International werden zusammengelegt, Karriere untersteht künftig der Wirtschaft. Keine Änderungen gab es in den Ressorts Innenpolitik, Europa, Kultur und Sport.

Erschienen in Ausgabe 10+11/2010 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 120 bis 121. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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