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Medien

Starker Abgang

Von Engelbert Washietl

Styria befindet sich beim Abgang Horst Pirkers auf einem Höhepunkt der Unternehmensgeschichte. Der „Journalist“ zeichnet ihn als Medienmanager des Jahres aus.

Horst Pirker ist seit 1. Oktober nicht mehr Vorstandsvorsitzender der Styria Media Group. Das ist nach elf Jahren expansiver Tätigkeit in dieser Funktion ein Umbruch, der von jedermann in und außerhalb des Unternehmens so empfunden wird. Denn er hat das Verlagshaus, dessen Wurzeln im Katholischen Preßverein des 19. Jahrhunderts zu finden sind, von einem eher biederen regionalen Unternehmen zu einem modernen Konzern umgebaut. Zu Styria gehören heute die „Kleine Zeitung“ als zweitgrößte österreichische Tageszeitung, „Die Presse“, das „Wirtschaftsblatt“, die Wochenzeitung „Die Furche“, Wochen- und Monatszeitungen und Magazine, Radio Antenne Steiermark, Antenne Kärnten und weitere Lokalradios. Styria ist an Sat.1 Österreich und lokalen TV-Sendern beteiligt, hat einen Buchverlag, eigene Vertriebsnetze, Online- und Mediendienstleistungen. Rechnet man das Geflecht von Printmedien in Kroatien, Slowenien und auch Norditalien dazu, so ergibt das ein modern aufgestelltes Verlagshaus, das umsatzmäßig auf einer Ebene mit der Mediaprint („Kronen Zeitung“, „Kurier“) liegt und 3.500 Mitarbeiter beschäftigt.

Pirkers Alleinstellungsmerkmal unter den österreichischen Verlegern ist seine intellektuelle, in Ansätzen wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den sich rapid ändernden Grundlagen der Medienbranche. Mit der Dissertation „Die Zukunft der Zeitung. Vom Papier zu Multimedia, Multichannel und Multiplattform auf Basis einer Content-Engine“ holte er sich 2007 den zweiten Doktortitel. Diese Studie bleibt allerdings auf Wunsch des Autors bis 2013 für den öffentlichen Zugriff gesperrt. Neuerdings hat er an der Universität Graz eine Professur für Medienmanagement. Kern seiner Zukunftsvision ist die „MMM-Strategie“ vielfältiger Verlagstätigkeit durch Multimedia, Multiplattform und Multichannel.

Verleger und nicht Kaufmann

Über die Styria-Hierarchie wurde relativ rasch das Bonmot geboren: Über Pirker gibt es nur noch Gott. Er ließ führenden Mitarbeitern relativ große Eigenständigkeit in ihren jeweiligen Bereichen, doch mussten alle die Evaluierung fürchten, deren objektive Basis nicht allen Betroffenen einleuchtete. Eine Reihe von Geschäftsführern zog grollend ab, auch Spitzenjournalisten traf das Schicksal. Der Markt- und auch Geschäftserfolg schien Pirker jedoch recht zu geben, wobei er gegenüber Gesprächspartnern Wert darauf legte, primär als Verleger und nicht als Kaufmann betrachtet zu werden.

Warum sich der Vorstandsvorsitzende mit dem Aufsichtsrat so sehr überwarf, dass der Bruch als einziger Ausweg genommen wurde, lässt sich rein logisch kaum entschlüsseln (siehe Seiten 34 und 38). Glücklich scheint niemand mit dieser Entwicklung zu sein. Den Verlagschef in einem Geschäftsjahr ziehen zu lassen, in dem mit geschätzten 25 Millionen Euro Konzerngewinn ein Rekord erzielt wird, lässt sich selbst dann nicht rational begründen, wenn man in die Gewinnsumme selbstverständlich auch den Rückgang von Investitionen sowie die erhöhten Werbeeinnahmen in steirischer Wahlkampfzeit einrechnet.

Pirker feiert in den nächsten Tagen den 51. Geburtstag. Er wurde am 3. Dezember 1959 in Lind im Drautal (Kärnten) geboren. Den ersten Doktortitel erwarb er durch das Studium der Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre an der Uni Graz. Er stieß 1984 zur „Kleinen Zeitung“ in Kärnten, bekleidete nach und nach mehrere Managementpositionen und wurde 1999 Styria-Vorstandsvorsitzender. Die kirchlichen Wurzeln des Grazer Verlagshauses sind lediglich in einer allgemeinen Werteorientierung spürbar, auch wenn es einer Katholischen Medien Privatstiftung gehört.

Fünfeinhalb Jahre lang war Pirker auch Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ). Diese Ära war durch zahlreiche Bemühungen gekennzeichnet, das Verlagswesen zu modernisieren und aus den Zufälligkeiten unternehmerischer Bauchentscheidungen zu lösen. Pirkers Strategie war auf eine verstärkte Kooperation der Verlagshäuser ausgerichtet, aber nur von bescheidenem Erfolg gekrönt. Der ehrgeizige Fusionsplan zwischen Styria und der Tiroler Moser Holding ging 2009 nach nur wenigen Monaten in Brüche.

Erschienen in Ausgabe 10+11/2010 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 32 bis 33 Autor/en: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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