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Praxis

Surfen auf der nationalistischen Welle

Osch. Journalisten geht es in Südkirgistan an den Kragen. Wütende Kirgisen stürzten sich in Osch auf den Journalisten, der die Demonstration zur Unterstützung des nationalistischen Bürgermeisters Melis Mirsakmatow Ende August fotografierte. Einer griff nach der Kehle, ein anderer nach dem Fotoapparat. Tags drauf ging die Filmkamera eines „Voice of America“-Kollegen zu Bruch. Den internationalen Medien wirft die kirgisische Öffentlichkeit vor, „einseitig“ von den ethnischen Unruhen im Juni in Kirgistan berichtet zu haben. Tausende kirgisische Plünderer brandschatzten tagelang mithilfe der Sicherheitskräfte die usbekischen Wohnviertel in den südkirgisischen Städten Osch und Dschalalabad. Mehr als 2.600 usbekische Häuser, Hunderte Geschäfte und Restaurants wurden niedergebrannt, zeitweise mussten mehr als 100.000 Menschen nach Usbekistan fliehen. Es gab bei den Unruhen auch kirgisische Opfer, aber die Hauptleidtragenden gehörten zur usbekischen Minderheit. Dennoch sehen sich die Kirgisen als die eigentlichen Opfer und die Usbeken als die Initiatoren. Dass die übrige Welt das anders sieht, sei Schuld der internationalen Medien. Selbst kirgisische Journalisten, die jahrelang vom Westen ausgebildet und finanziert wurden, surfen auf der nationalistischen Welle. Und auch Shirin Aitmatowa, die Tochter des weltbekannten verstorbenen kirgisischen Schriftstellers Tschingis Aitmatow, beklagte im Internetportal ferghana.ru: „Die einseitige Berichterstattung der Medien schmerzt die Kirgisen.“

http://www.ferghana.ru/article.php?id=6707

Erschienen in Ausgabe 10+11/2010 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 119 bis 119. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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