Warning: Use of undefined constant cms_navigation_js - assumed 'cms_navigation_js' (this will throw an Error in a future version of PHP) in /var/www/journalist.at/www/htdocs/wp-content/plugins/cms-navigation/CMS-Navigation.php on line 361
2011: Ärmel aufkrempeln gilt für Journalisten und Verleger - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2010 » Ausgabe 12/2010+01/2011 »

Medien

2011: Ärmel aufkrempeln gilt für Journalisten und Verleger

Von Interview: Engelbert Washietl

2011 wird kein Jahr zum Zurücklehnen. Für manche geht’s ums Überleben, sogar für einen ganzen Berufsstand.

Was bringt 2011? Fangen wir mit den Zeitungsmachern an, also den Journalisten: Es müsste unbedingt ein Kollektivvertrag zustande kommen, der für viele Jahre das arbeitsrechtliche Rahmenprogramm aufstellt. Die Medienhäuser können ja nicht in das digitale Zeitalter aufbrechen, ohne sich zu jenen Mitarbeitern zu bekennen, die die Internet-Clouds mit vernünftigen und für das Publikum interessanten Inhalten füllen. Also lautet die vom Verhandlungsführer auf Gewerkschaftsseite, Franz C. Bauer, aufgestellte Forderung: Beendigung des prekären Unwesens, Stopp legaler und illegaler Ausgliederungen von Mitarbeitern in Tochterfirmen, Einbeziehung der Online-Mitarbeiter in den Journalisten-KV. „Im Prinzip sind wir uns einig, jetzt steht die Absicherung der Durchführung im Vordergrund.“

Dem pflichtet der Verhandlungschef auf Herausgeberseite, Hermann Petz, bei: „Das ist gewiss einer der Punkte, die in den Verhandlungen besprochen werden. Der Vertrag macht nur Sinn, wenn er mehr oder weniger flächendeckend eingehalten wird. Wenn wir den Kollektivvertrag zustande bringen, dann gibt es für die Mitglieder des Zeitungsverbandes VÖZ starke Argumente, ihn auch anzuwenden. Es ist ganz klar besprochen, dass der Kollektivvertrag nur in Kraft tritt, wenn er flächendeckend gilt. Das ist seine Existenzgrundlage.“

Eine wasserdichte Lösung sei die Voraussetzung, dass die Betriebsräte und Journalistenvertreter zustimmen, fügt Bauer hinzu, denn: „Wir haben keine Verbesserungen anzubieten, der neue KV wird schlechter sein. Aber es wird Übergangsbestimmungen geben, sodass niemand weniger haben wird als vorher.“ Er will ein Antragsrecht der Gewerkschaft und Betriebsräte erreichen, wenn es um die Beschreibung der Tätigkeit von Verlagsmitarbeitern geht. „Diese Aufgabe kann man nicht den Betroffenen aufbürden.“ Im ersten Halbjahr 2011 sei der Verhandlungsabschluss hoffentlich zu erreichen.

Auch Petz ist optimistisch: „Im ersten Quartal 2011 müssten die großen Durchbrüche erfolgen. Wir haben den Zeitbedarf unterschätzt, aber man kann nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag warten. Dieser Kollektivvertrag soll ja für die nächsten 25 oder 30 Jahre gelten, also lohnt es sich, Kraft zu investieren.“

Und jetzt zu den Zeitungshäusern. Ihre Manager können nach dem Abklingen der Wirtschaftskrise 2009 aufatmen, sich aber keineswegs zurücklehnen. Der Wettbewerb hat schon im Herbst voll eingesetzt und wird das ganze nächste Jahr bestimmen. Dafür gibt es Gründe:

* Die „Kronen Zeitung“ ist dabei, den Übergang in die Ära nach Hans Dichand zu meistern. Sowohl gesellschaftsrechtliche Entscheidungen – werden die WAZ-Anteile zurückgekauft – als auch personalpolitische bis hinein in die Mediaprint sind überfällig. Der Zahn der Zeit nagt an der gigantischen Auflage des Kleinformats, besonders in Wien. Die Reichweite für ganz Österreich ist unter 40 Prozent gerutscht – ein Alarmsignal, dem die „Krone“ mit einem massiven Werbefeldzug begegnet, der fast schon an den Zeitungskrieg gegen „Täglich alles“ erinnert: Gratis-Abos, „Goldrausch“ mit Philharmoniker-Münzen, Gratis-Vignette, Sachertorten, Trafik-Rabatt-Abo und mehr. So etwas heizt den Markt an.

* „Kurier“: Der Chefredakteurswechsel zu Helmut Brandstätter muss ausgespielt werden. Mehr Werbung, mehr Exklusivgeschichten, Besetzung der Qualitätsschiene als Kontrastprogramm zur „Krone“ und zu „Österreich“. Und mehr unternehmerische Freiheit innerhalb der Mediaprint. Geschäftsführer Thomas Kralinger und Brandstätters Vorgänger Christoph Kotanko stürmen ins digitale Zeitalter. Sie werden der dem ORF abgekauften Futurezone im Jänner ein neues Gesicht geben und neue Themen hinzufügen. Auf dem iPad sollen laut Kralinger alle interaktiven Werbeformen integriert werden, neue iPad-Versionen werden entwickelt. Kotanko: „Der, Kurier‘ ist das einzige österreichische Nachrichtenmedium, das im App-Store unter den Top 25 regelmäßig vorkommt.“ iPad-Leser haben eine Morgen- und Abendausgabe auf dem Tablet. Der Unfall bei „Wetten, dass …?“ löste auf kurier.at und am iPad an einem Tag insgesamt 249.000 Zugriffe aus. 2011 kommt eine Mittagausgabe mit Inhalten, die nur für das iPad erstellt werden. „Content is king“, sagt Kotanko. Es wird eine Android-Version des „Kuriers“ geben. 2011 werden differenzierte Abonnement-Modelle für die digitalen Ausgaben angeboten werden. Die Durchdringung des Marktes mit Endgeräten wird als Kern der Digital-Strategie gesehen, zum iPad gibt’s bei Niedermeyer, Hartlauer & Co eine „Kurier“-App dazu. Mit den neuen Medien experimentieren andere Verlage auch. Die Experimente des „Kuriers“ sind besonders interessant, weil die Zeitung den Massenmarkt bedient.

* „Standard“: Keine Horuck-Aktionen, sondern Fortsetzung der Qualitätsarbeit. Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid schließt Ego-Trips von Reformern, die die Leser verärgern, aus. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren bereits mehr als 70 Schritte vorgenommen, sogar das Format etwas geändert, haben statt sechs nun fünf Spalten. Alles zusammengenommen ist das ein veritabler Relaunch, der aber niemanden irritiert hat.“ Schwerpunktthemen werden selbstverständlich sein. „Wir haben heuer erstmals mit Portfolio ein Hochglanzmagazin im Großformat vorgelegt, das die wirtschaftlichen Entwicklungen des Jahres Revue passieren lässt und den Versuch wagt, ins neue Jahr zu blicken. Das werden wir fortsetzen.“ Eine Grundentscheidung ist schon gefallen: Print und Online bleiben getrennt – Zusammenarbeit statt Zusammenlegung.

* „Presse“: Zielgruppenarbeit wird das Thema des Jahres. Chefredakteur Michael Fleischhacker sieht die dringende Notwendigkeit, auf berufsrelevante Bedürfnisse der Leser einzugehen. „Wenn wir dort nicht überzeugend sind, wo Relevanz erwartet wird, würden sich die Leser ja wirklich fragen, wozu sie Geld für die Zeitung ausgeben.“ Österreichs Bildungsdesaster führte bereits zu einem Schnellschuss. Es wurde ein Lehrerportal eingerichtet, dessen Internetkomponente sich auch auf den gedruckten Seiten quantitativ und qualitativ spiegelt. In ähnlicher Form sollen andere Sparten erschlossen werden. Überbegriffe für diese Entwicklung sind Community, Lebenswelten, Berufsrelevanz. Die Initiativen führen zugleich zu einer engeren Verschränkung zwischen Print und Online – aber nur dort, wo dies sinnvoll ist, schränkt Fleischhacker ein.

* ORF: Tatsächlich ein Jahr der Entscheidung. Ist der ORF noch zu retten?

* Moser Holding und „TT“: Siehe Tirol-Special, Seite 84.

* „Heute“ und „Österreich“: Es wird in Ballungszentren noch mehr bedrucktes Papier geben, das ist das Gratis-Geschäftsmodell. Die Konkurrenz der Kaufzeitungen wartet weiter, ob sich die Rechnung auf Dauer ausgehen kann.

* Styria: Wolfgang Bretschko und Klaus Schweighofer müssen zeigen, dass sie entscheiden können, nach Möglichkeit richtig. Das ist nicht immer leicht im verästelten Styria-Reich.

Für alle Aufgezählten und alle anderen gilt: Ärmel aufkrempeln. Wieder einmal.

Erschienen in Ausgabe 12/2011 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 76 bis 77 Autor/en: Interview: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;