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Special

Antenne Kärnten neu auf Schiene gesetzt

Von Christian Krebs

Neue Mannschaft, neuer Senderstandort: Bei der Antenne Kärnten herrscht wieder Aufbruchsstimmung – ganz im Gegenteil zu Radio Agora, das im Zuge eines Lizenzstreits mit Radio Dva möglicherweise vor dem Aus stehen könnte.

Vom Stadtrand direkt ins Zentrum Klagenfurts – der Umzug der Antenne Kärnten ist nicht nur ein einfacher Standort-Wechsel, sondern auch ein Schritt näher an noch mehr Hörer, meint Geschäftsführer Rudi Kuzmicki: „Wir haben uns zu großen Investitionen entschlossen, und zwar in ein neues Studio und in eine neue Mannschaft, weil wir die Aufholjagd in Kärnten, die wir seit fünf Jahren betreiben, konsequent fortsetzen wollen. Unser Ziel ist es, mittelfristig das ORF-Radio Kärnten zu überholen, wie es uns in der Steiermark mit der dortigen Antenne gelungen ist. Ich habe großen Respekt vor Radio Kärnten, aber wir haben das Potenzial, es am Hörermarkt zu überholen. Bereits jetzt ist die Antenne Kärnten die Nummer drei unter Österreichs Privatradios.“

Der Radiosender zog vom ländlichen Schloss Ehrenhausen, wo man seit der Gründung vor zwölf Jahren residierte, mitten in die Landeshauptstadt: Die neuen Studios und Büros, in denen insgesamt 25 Mitarbeiter auf einer Gesamtfläche von 376 Quadratmetern arbeiten (gesendet wird aus drei Studios, die Redaktion verteilt sich auf zwei Newsrooms), befinden sich nun im Styria-Medienhaus am Völkermarkter Ring, in dem sich u. a. auch der Newsroom der „Kleinen Zeitung“ sowie die Redaktionen der Kärntner „Woche“ und der Kärntner Regionalmedien befinden. „Durch die kurzen Wege vor Ort werden wir Synergien zukünftig noch intensiver nutzen können“, meint Geschäftsführer Gottfried Bichler.

In Betrieb genommen wurden die Studios, in denen Cheftechniker Thomas Unger und sein Team 15 Kilometer Kabel verlegt, 250 Schuko-Steckdosen installiert und 120 Beleuchtungskörper montiert haben, am 22. Oktober mit einer Premiere: Die Kärntner stehen jetzt mit der neuen Morgenshow „Timm & Co.“ auf, wobei „Timm“ für Timm Bodner und das „Co.“ für die Service-Redakteurinnen Claudia Schlifni und Patricia Jordan stehen.

Grundlegendes wurde auch in der Mannschaftsstruktur des Senders verändert: Programmchefin Martina Klementin, die in den vergangenen acht Jahren als Morgen-Moderatorin die Kärntner aus dem Bett holte, freut sich darauf, endlich ausschlafen zu können – Klementin wird sich nun intensiver ihrer Aufgabe als Station Manager der Antenne Kärnten widmen, bleibt aber auch Moderatorin. Mit einer „Muntermacher XXL“-Ausgabe von 5:00 bis 18:00 Uhr nahm sie am letzten Tag im alten Studio nach genau 2010 Sendungen Abschied von der Frühschicht, und das Geschäftsführer-Duo streut ihr Rosen: „Die unermüdliche Arbeit von Martina Klementin war die Basis für unsere Reichweitensteigerungen in den vergangenen Jahren. Hinter den Kulissen hat sie eine schlagkräftige Mannschaft geformt“, so Bichler und Kuzmicki.

Unterstützt wird Klementin von einem jungen, um einige neue Stimmen erweiterten Team: Sheyda Kharrazi ist aus der Steiermark zu Antenne Kärnten gewechselt, die 27-Jährige mit persischen Wurzeln begleitet im Anschluss an den Vormittag mit Kathrin Eckert die Hörer durch den Nachmittag. Philipp Renner (35) präsentiert jeden Samstag von 14:00 bis 16:00 Uhr die „Antenne Top 20“, Neo-Moderator Marko Knöbl (32) sorgt vorher und am Sonntag für „Das perfekte Wochenende“, und Thomas Kraxner (32) kommt gleichermaßen in Moderation und Redaktion zum Einsatz. Last, but not least unterstützt Markus Wutte seit Kurzem die Antenne Kärnten: Der Producer machte mit diesem Job sein Hobby zum Beruf und zeichnet jetzt für die Erstellung von Spots, Sendeelementen oder Singalongs verantwortlich.

Musikformat und On-air-Auftritt der Antenne Kärnten haben sich jedoch nicht verändert: Vor dreieinhalb Jahren gab man eine große Marktforschungs-Studie in Auftrag, die das AC-Format des Senders mit der Kernzielgruppe 35 plus im Wesentlichen bestätigte. Seitdem sei man „ein bisschen flotter“ geworden, so Kuzmicki, bleibe aber bei der bewährten Programmstruktur und dem Musik-Format.

Katerstimmung bei Agora

Während also in den neuen Studios im Styria-Medienhaus Aufbruchsstimmung herrscht, macht sich etwas weiter weg in der Paracelsusgasse bei Radio Agora / Radio Dva doch schon so etwas wie Katerstimmung breit: Das zwei- bis mehrsprachige, freie Radio Agora (Agora bedeutet Arbeitsgemeinschaft offenes Radio, es wird von einem gemeinnützigen Verein betrieben, der auch Sendezeit für interessierte Hörer und Volksgruppen anbietet), das seit 1998 in Kooperation mit dem slowenischsprachigen, kommerziellen Radio Dva (slowenisch für Radio Zwei) auf der Frequenz 105,5 sein Programm ausstrahlt, bangt um seine Zukunft.

Ende August hätte die gemeinsame Sendelizenz für weitere zehn Jahre beantragt werden sollen, doch kurz vor Ende der Verhandlungen mit Radio Agora beantragte Radio-Dva-Geschäftsführer Marjan Pipp (der gleichzeitig auch Präsident des Österreichischen Volksgruppenzentrums ist, das sich um die Rechte in Österreich lebender Volksgruppen kümmert) plötzlich im Alleingang die Lizenz und bekam dazu noch Rückenwind von der Kärntner Landesregierung und dem als konservativ geltenden Rat der Kärntner Slowenen: Die Landesregierung entschied sich mit fünf Pro-Stimmen von FPK und ÖVP (bei zwei Gegenstimmen von der SPÖ) für eine Empfehlung für Radio Dva, was das Aus für Radio Agora, dem einzigen nicht kommerziellen und zweisprachigen Radio im Bundesland, bedeuten könnte – sollte der Bundeskommunikationssenat dieser Empfehlung folgen. In der Presseaussendung der Kärntner Landesregierung heißt es dazu explizit: „Nach Rücksprache mit Valentin Inzko (Vorsitzender des Rats der Kärntner Slowenen – Anm. der Red.) habe man sich für Radio Dva ausgesprochen, dabei soll das bisherige Sendeschema aber beibehalten werden.“

Was ausgesprochen seltsam wirkt: Seit 2004 sendet Radio Dva nur noch zwei Stunden Programm am Tag (ausschließlich in Slowenisch), und nicht einmal aus eigenen Studios, sondern aus dem ORF-Landesstudio, denn bereits 2001/2002 hatte man das gesamte Studio-Equipment nach Slowenien verkauft, nachdem die damalige schwarz-blaue Bundesregierung die Förderungen für das Zwitter-Radio gestrichen hatte. Insgesamt 14 Stunden Programm bestreitet Radio Agora (in Deutsch und Slowenisch, aber auch in anderen Sprachen wie etwa Bosnisch, Serbo-Kroatisch, Englisch und Spanisch), und die restlichen acht Stunden wurden an den ORF-Kärnten vermietet, damit dieser seinen im ORF-Gesetz verankerten Auftrag, Programm für autochthone Volksgruppen anzubieten, auch erfüllen kann – die Kärntner Heimatverbände hatten sich zuvor massiv dagegen gewehrt, dass es beim ORF-Radio Kärnten mehr slowenischsprachiges Programm gibt.

Und was noch seltsamer, ja geradezu medienpolitisch delikat ist: Laut Angelika Hödl (Geschäftsführerin von Radio Agora) will Radio Dva die vollen 16 Stunden Programm nicht selbst produzieren, sondern mit Koroski Radio, das aus Slovenj Gradec in Slowenien sendet, in den Abendstunden ein kommerzielles slowenisches Programm ausstrahlen, das bereits in Unterkärnten mit einem, gelinde gesagt, „sehr bodenständigen Programm“ zu hören ist.

Dazu kommt, dass Radio Dva ausschließlich in Slowenisch sendet, was bedeutet, dass von der technischen Reichweite von ca. 400.000 Hörern, die mit der Frequenz von Radio Agora / Radio Dva erreicht werden können, nur noch jene ca. 20.000 Hörer übrig bleiben, die in Kärnten slowenisch sprechen. Angelika Hödl: „Eine Entscheidung des Bundeskommunikationssenats für Radio Dva wäre ein Rückschritt ins 20. Jahrhundert. Wir dagegen bemühen uns, mit unserem zwei- bis mehrsprachigen Programm das Verständnis der verschiedenen, in Kärnten lebenden Volksgruppen füreinander und für die Kultur der jeweils anderen zu fördern.“

Zum Programm von Radio Agora gehören u. a. zweisprachige Diskussionen zu aktuellen Themen (und die gibt es im Bereich der Volksgruppen mehr als genug, auch über den Bereich des sattsam bekannten Ortstafel-S
treits hinaus), aber auch Sendereihen zu historischen Ereignissen, Sprachkurse (für die eigens Hörer-Scripte entwickelt wurden), eine Schülerradio-Schiene, wo bisher mehr als 1.000 Schüler in Radioworkshops in ihrer eigenen Sprache an das Thema Radio herangeführt wurden, sowie bis dato ca. 100 Sendestunden zur slowenischen Literatur, ein Projekt, das mit EU-Geldern gefördert wurde.

Angelika Hödl: „Protestaktionen unsererseits gibt es derzeit keine – es besteht ja die Möglichkeit, dass die Medienbehörde der Empfehlung des Landes nicht folgt, dann wäre eine Fortsetzung des Sendebetriebes möglich. Wir wollen also nichts vorwegnehmen, obwohl uns eine positive Empfehlung des Landes lieber gewesen wäre.“ Der Bundeskommunikationssenat, der über die Lizenzvergabe entscheidet (und nicht an Empfehlungen der Länder gebunden ist), wäre also gefordert, eine Entscheidung im Sinne einer medien- und meinungspolitischen Vielfalt zu fällen, was ja nicht ganz abwegig erscheint. Allerdings, wie heißt es im Volksmund doch so treffend: In Kärnt’n is ois lei’ anders …

Erschienen in Ausgabe 12/2011 in der Rubrik „Special“ auf Seite 82 bis 83 Autor/en: Christian Krebs. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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