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ARCHIV » 2010 » Ausgabe 12/2010+01/2011 »

Medien

Die Nichte und der Onkel

Von Elisabeth Horvath

SP-Geschäftsführerin Laura Rudas setzt auf Internet, Facebook, Twitter. Andreas Rudas, ihr Onkel und Vorgänger in der SP-Phase Klima, hatte sich aufs „Spindoktoren“ verlegt. Laura R. ringt um Anerkennung, Andreas R., heute Medienmanager, sagt: „Ich war nie Politiker.“

Plötzlich ist sie abgetaucht. Seit Oberhausers Sturz vom Küniglberg ist auch die SP-Geschäftsführerin aus der Öffentlichkeit verschwunden. Und selbst für dieses familiäre Doppelporträt ließ die 29-Jährige ausrichten, sie habe keine Zeit. Was ist los mit Laura Rudas?

Hat man ihr geraten, sich nach der Enthüllung des Ex-ORF-Direktors, Rudas hätte ihm Fritz Dittlbacher als Chefredakteur angekündigt, wiewohl er sich für Moderator Armin Wolf stark gemacht hat, eine Weile zurückzuziehen? Denn die Rede kann es ihr nicht verschlagen haben. Immerhin gehört ein unversiegbarer Redefluss zu ihrem Markenzeichen. Ältere Kollegen nennen es „goschert“.

Oder hat sie das Interview von Armin Thurnher in der „Presse“ derart deprimiert? Immerhin spricht der „Falter“-Herausgeber von der „Republik der jungen Dolme“. Und: „Wenn einmal junges Volk wie Laura Rudas und Co. auftaucht, vernichten wir Journalisten sie auch. Mir wäre nichts lieber als ein junges politisches Genie, von dem man sagt, das muss sofort ein Amt bekommen. Aber wahrscheinlich ist der politische Beruf so unattraktiv, dass man die wenigen Halbtalente, die auftauchen, sofort in Positionen drängen muss, um sie überhaupt zu halten.“

Laura Rudas, Nichte von Andreas Rudas, ihrem einstigen Vorgänger unter Viktor Klima, hat wirklich nichts zu lachen. Da ging es ihr früher schon mal besser, als sie politisch noch ein unbeschriebenes Blatt war. Zumal sie als jüngste Wiener Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin ziemlich unauffällig war, eher leichtgewichtig und durch keinerlei Ideen oder Themen von sich Reden gemacht hat.

Von daher jedenfalls stammt die Nähe zum damaligen Wiener Wohnbaustadtrat Werner Faymann. Dem fiel sie auf. Nicht wegen klarer Positionierungen, die vertritt sie auch heute nur selten. Auch nicht wegen eines jugendlich-parteikritischen Geistes. Der plagt sie nicht. Denn wenn kritisch, dann gegenüber Parteien anderer Couleur. Das aber so rundum und rotzig, dass die Kritisierten zumeist nur mitleidig den Kopf schütteln. Nein, was Faymann imponierte und offenbar noch immer imponiert, ist neben Lauras Jugendlichkeit ihr Hang zu umtriebigen Aktivitäten auf Internetplattformen wie Facebook, Twitter etc. Dies verstand und versteht man innerparteilich als „Öffnung“. Und Rudas soll der Motor sein, um die Generation der Jungen zu gewinnen.

Dazu kommt Lauras Rührigkeit, wenn es in den Wahlkämpfen darum geht, Junge zum Jubeln und Applaudieren zu bringen. Auch der Aufbau einer politischen Eventszene ist ihr und ihren „jungen Roten“ gelungen. Darauf stehen junge Leute klarerweise. Und schließlich tut sie auch was für ihre roten Freunde. Einige von ihnen werken im Büro der Parteimanagerin, anderen wie Niko Pelinka etwa verhalf sie zum Aufstieg als Sprecher des SP-Freundeskreises im ORF-Stiftungsrat.

Doch wie zuletzt die SP-Wahlverluste in den Bundesländern zeigen, bringen weder ein routinierter Umgang mit den neuen Kommunikationsmitteln noch Rudas jugendliche Mitstreiter Erfolge. Wenn nicht mit klaren Inhalten unterfüttert wird, sondern zumeist nur Allgemeinplätze abgesondert werden, greift das eben in der Bevölkerung nicht. Dazu kommt, dass sich sowohl ältere Leute aus der eigenen Partei als auch Politiker anderer Couleur von einer Jungpolitikerin wie Rudas nichts sagen lassen wollen. Andererseits bringt es ihre Funktion mit sich, dass sie vorgeben muss. Diese Diskrepanz allein schon provoziert. Worauf sie wiederum als Reaktion darauf – und weil sie sich offenbar fürchtet – stets nur im Rudel Gleichaltriger auftritt. Eine neuerliche Provokation für Altgediente.

Geboren ist Laura Rudas 1981 in Wien. Sie hat einen Bruder. Der Vater des Geschwisterduos und ältere Bruder von Andreas Rudas war der im Juni 2010 verstorbene Wiener Psychiater Stephan Rudas. In den 1970er-Jahren und bis 1986 war Stephan Rudas Arzt und Psychotherapeut in der Bewährungshilfe. 1977 machte ihn der damalige Wiener SP-Gesundheitsstadtrat Alois Stacher zum Psychiatriebeauftragten der Stadt Wien.

Nach der Matura an einem wirtschaftskundlichen Realgymnasium studiert L. Rudas Politikwissenschaft und schließt mit dem Magisterium ab. Danach engagiert sie sich in der Wiener SP-Bezirksorganisation Rudolfsheim-Fünfhaus, baut dort eine Bezirksjugendgruppe auf und wird deren Vorsitzende. Daneben werkt sie im Bezirksfrauenkomitee und als Mitglied des Kinderfreundevorstandes im Bezirk. 2007 wechselt sie als Abgeordnete in den Nationalrat. Nebstbei ist L.R. Kinder- und Jugendsprecherin der SPÖ. Seit November 2008 ist sie gemeinsam mit Günther Kräuter Bundesgeschäftsführerin der Partei.

Ursprünglich stammt die Familie Rudas aus Ungarn. Lauras Großvater, also Andreas und Stephan Rudas Vater, studiert Medizin an der Uni Wien, kehrt in seine Heimatstadt Budapest zurück und wird Internist an einem Spital. Er sei immer Sozialdemokrat gewesen und „war mit dem kommunistischem Regime niemals einverstanden“, erzählt Sohn Andreas. Dass er 1956 nicht geflohen ist, liege darin begründet, „dass mein Vater das Spital nicht verlassen konnte. Er wurde gebraucht.“ Erst als ihm später ein hochrangiger russischer Geheimdienstler, dessen Mutter Vater Rudas das Leben gerettet hatte, als Dankbarkeit das Angebot machte, er möge sich etwas wünschen, er werde jeden Wunsch erfüllen, war die Chance gekommen, sich in Wien niederzulassen. Von da an praktizierte Vater Rudas als Internist, bis er 1986 verstarb.

Sohn Andreas Rudas, der um neun Jahre jüngere Bruder von Stephan Rudas, ist 1953 ebenfalls noch in Budapest geboren und kam mit dreieinhalb Jahren nach Wien. Nach dem Besuch des Gymnasiums in der Wiener Maroltingergasse begann er ebenfalls, Medizin zu studieren. Während dieser Jahre engagierte er sich im Arbeitskreis Sozialistischer Mediziner in der Studentenpolitik. Danach war er während der Kreisky-Zeit Mitarbeiter des SPÖ-Zentralsekretariates, später Pressesprecher des damaligen Innenministers Karl Blecha. Aufgrund dessen war Rudas in den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen zur Affäre Lucona und zum Noricum-Skandal als Zeuge geladen.

1986 engagierte ORF-Generalintendant Thaddäus Podgorski den 33-Jährigen als Pressesprecher. Dessen Hauptaufgabe: Die damaligen Seilschaften aufzulösen, der Rudas nicht immer mit sanfter Hand nachgekommen ist. Podgorskis Nachfolger Gerhard Zeiler beförderte Rudas zum ORF-Generalsekretär. Neun Jahre später wechselte Rudas als SPÖ-Bundesgeschäftsführer unter dem eher glücklosen Bundeskanzler Viktor Klima in die Politik. Dort galt er gemeinsam mit Josef Kalina und Heinz Lederer als einer der drei Spindoktoren. Diese hierzulande umstrittene Taktik hatten sich die drei in den USA abgeschaut.

Zur Jahrtausendwende kehrte der Vater dreier Kinder der Politik für immer den Rücken und übernahm internationale Aufgaben. Zuerst im Magna-Vorstand, danach als WAZ-Chef für Südosteuropa, bis ihn 2008 Gerhard Zeiler in den Vorstand der RTL Group holte. Auch dort ist Andreas Rudas für das Geschäft in Ost- und Südosteuropa verantwortlich. Neuerdings ist der asiatische Markt dazugekommen. Weshalb Rudas nun sein Leben vorwiegend im Flieger zubringt. Und das entspricht seinem Naturell. Rudas: „Ich habe immer gesagt: Ich bin kein Politiker, ich bin Manager.“ Und: „Ich liebe das.“

Mit seiner Nichte Laura, seinem Neffen und deren Mutter hat Andreas Rudas indes seit Langem schon keinen Kontakt. Das habe „private Gründe“, wehrt er Nachfragen ab. Laura Rudas’ politische Karriere beruht also mit Sicherheit nicht auf Familienbanden. Zumindest nicht auf jenen zu ihrem Onkel.

Erschienen in Ausgabe 12/2011 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 56 bis 59 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Red
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