Warning: Use of undefined constant cms_navigation_js - assumed 'cms_navigation_js' (this will throw an Error in a future version of PHP) in /var/www/journalist.at/www/htdocs/wp-content/plugins/cms-navigation/CMS-Navigation.php on line 361
Europa neue Weltmacht der Nachrichten - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2010 » Ausgabe 12/2010+01/2011 »

Praxis

Europa neue Weltmacht der Nachrichten

Von Stephan Russ-Mohl

Die USA haben die globale Vorherrschaft im Journalismus nach dem Kalten Krieg an die alte Welt verloren.

Nach München, Köln, Wien und Biel hat nunmehr auch Luxemburg seine Medientage. Im Kleinstaat, der noch immer Europas Fernsehschwergewicht RTL beheimatet, haben die Veranstalter vom Institut Pierre Werner das einzig Sinnvolle getan, um in der Konkurrenz mit den Größeren zu bestehen: Sie haben ihren Event konsequent europäisch ausgerichtet und aus aller Herren Länder Referenten eingeladen.

Die Vorträge leuchteten aus, wie und weshalb das Internet und seine „sozialen Netzwerke“ in den unterschiedlichen Ecken, Kulturen und Sprachräumen Europas die öffentliche Kommunikation verändern und den herkömmlichen Journalismus gefährden. Und weil sich auf den Podien auch ein paar Luxemburger tummelten, wurde man ebenfalls gewahr, wie vielfältig anders als bei den großen Nachbarn Deutschland und Frankreich die Medienlandschaft in dem kleinen Ländchen ausgestaltet ist.

Die Gutmütigkeit der Tagungsteilnehmer wurde allerdings einem Härtetest unterzogen. Am Centre National de l’Audiovisuel im Provinznest Dudelange, in das die Teilnehmer per Autobus verfrachtet wurden, tagte man bis abends um acht. Nolens volens hielten die meisten anschließend abends im Hotel auch noch bis zum Dinner Speech von Denis McQuail durch, der auf 22:00 Uhr (!) angesetzt war. Dem Doyen der Kommunikationsforschung in Europa gelang dann immerhin auf bemerkenswert virtuose Weise das Unmögliche: In zehn Minuten ließ er 50 Jahre europäische Kommunikationsgeschichte Revue passieren, um zu dem Schluss zu gelangen, Europas Medien hätten sich „glücklicherweise“ der Amerikanisierung widersetzt und die „De-Regulierung der Medien“ habe der „Re-Regulierung“ Platz gemacht.

Nachrichtenfluss. Die Euro Media Research Group, ein loser Verbund von Kommunikationsforschern, dem als treibende Kräfte Werner A. Meier (Universität Zürich) und Josef Trappel (Universität Salzburg) angehören, nutzte die Gelegenheit und stellte in Luxemburg ihr neuestes Opus magnum der staunenden Weltöffentlichkeit vor: „Media in Europe Today“ ist das Buch betitelt, das einen Streifzug durch die zerklüftete Medienlandschaft des alten Kontinents verheißt. Im Schlussbeitrag arbeitet Jeremy Tunstall, Emeritus von der City University in London, heraus, wie Europa nach dem Kalten Krieg von den Amerikanern die Oberherrschaft über den internationalen Nachrichtenfluss als „World News Leader“ allmählich zurückgewonnen hat. Wobei er natürlich auf unstrittige Erfolgsgeschichten wie die von Reuters und der BBC verweist, aber merkwürdigerweise unerwähnt lässt, welch großen Einfluss Titel wie der „Guardian“, der „Economist“ oder die „Financial Times“ im Internetzeitalter weltweit bis tief in die amerikanischen Provinzen hinein ausüben.

Zwei bedeutende Rankings, welche die differenten europäischen Wirklichkeiten ausleuchten, blieben indes sowohl im Büchlein als auch auf der Tagung unerwähnt: Im globalen Index, den Reporters sans Frontières jährlich zur Pressefreiheit erstellt, teilt sich die Schweiz zusammen mit anderen meist kleineren (nord-)europäischen Staaten wie Finnland, Island, den Niederlanden, Norwegen und Schweden den ersten Platz. Estland und Litauen haben es als einzige Länder aus dem früheren Ostblock unter die ersten 15 geschafft; Österreich und Irland gehören ebenfalls zur Spitzengruppe.

Im „Corruption Perception Index“, einem von Transparency International erstellten Ranking, gehören nahezu dieselben Länder zu den 15 weltweit am wenigsten von Korruption gefährdeten Nationen – darunter auch die Schweiz, Deutschland und Österreich. „World News Leader“ – das hat ganz offensichtlich ein „Mehr“ an Pressefreiheit als anderswo zur Voraussetzung. Und dieses Mehr scheint auch seine Wirkung zu entfalten, wenn es darum geht, der Korruption vorzubeugen und entgegenzuwirken.

Lese-Tipp

Josef Trappel et al.:

Media in Europe Today

Bristol/Chicago: Intellect, 272 Seiten, 29 Euro

Erschienen in Ausgabe 12/2011 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 116 bis 116 Autor/en: Stephan Russ-Mohl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;