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Führungsqualität durch starkes Selbstbewusstsein - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2010 » Ausgabe 12/2010+01/2011 »

Praxis

Führungsqualität durch starkes Selbstbewusstsein

Von Kirsten Annette Vogel

Führungskräfte sollen selbstbewusst sein und selbstbewusst führen. Das ist doch selbstverständlich. Wie selbstverständlich ist es aber tatsächlich? Was bedeutet Selbstbewusstsein? Und welche Auswirkungen hat das auf Führung in den Medien?

Bevor die facettenreichen Auswirkungen von Führung in den Medien erkannt und verstanden werden, bevor durch bewusstes Handeln neue Akzente in der Führungskommunikation gesetzt werden können, müssen die Phänomene und Konstrukte erst einmal wahrgenommen werden können. Was bedeutet das?

Zunächst ist die Tatsache, dass alle Informationen über die fünf Sinne wahr- und aufgenommen werden, hinlänglich bekannt, und sie bedürfte keiner weiteren Ausführung. Und doch ist die Komplexität, die sich hinter dem Prozess der Wahrnehmung verbirgt, sind die ihr innewohnende Faszination und die Gestaltungsmöglichkeiten und die Auswirkungen und Konsequenzen für Medienschaffende und ihre Führungskräfte bisher kaum thematisiert.

Durch die fünf Sinne werden einerseits die Informationen aus der Umwelt – der äußeren Welt – wahrgenommen, andererseits wird mit eben diesen Sinnen auch die innere Welt wahrgenommen, also alle Informationen, die man bereits in sich trägt.

Das Bewusstsein über beide Wahrnehmungsvarianten, also die äußere Wahrnehmung oder Außenwahrnehmung und die innere Wahrnehmung oder Innen- wahrnehmung, bildet das, was als Selbstbewusstsein empfunden wird. Es bildet im wahrsten Sinne des Wortes das Bewusstsein über das Selbst, das heißt über die eigene Person, die eigene Identität.

Je mehr man sich also darüber im Klaren ist, was man selbst wie wahrnimmt, ob außen und in sich selbst, desto ausgeprägter ist das Selbstbewusstsein, desto selbstsicherer erlebt man sich.

Für die professionelle Kommunikation, für die Gestaltung von Medien und natürlich vor allem für die Führung von Menschen in den Medien öffnet die genaue Betrachtung der äußeren und vor allem aber der inneren Wahrnehmung buchstäblich neue Welten.

Innere und äußere Wahrnehmung

Vorab noch einige wesentliche Erkenntnisse aus dem weiträumigen Forschungsfeld der menschlichen Wahrnehmung:

Alles, was man wahrnimmt, speichert man in sich – auf die eine oder andere Weise.

Die durch die Sinneswahrnehmungen aufgenommenen Informationen verdichten sich im Inneren (oder anders gesagt in der persönlichen Innenwelt) unter anderem zu Bildern, die man bewusst abrufen kann.

Darüber hinaus, also auch, wenn man diese Bilder nicht bewusst abruft, sind sie doch grundsätzlich für das Handeln bedeutend: Die inneren Bilder sorgen dafür, dass die neuen Informationen, die man durch seine Sinne aufnimmt, durch die über Jahre entstandenen eigenen Ordnungskriterien aus Vorerfahrungen angebunden werden.

Das bedeutet, dass alles, was man in seinem beruflichen Kontext (und natürlich nicht nur da) erlebt, in der inneren Welt eine Anbindung an bereits Bestehendes erfährt.

In den inneren Bildern sind Erfahrungen ebenso verankert wie die dazugehörigen Empfindungen und Gedanken und die daraus entstehenden Annahmen und Haltungen.

Konkret für das Thema Führen und Führen lassen bedeutet dies, dass alle bisherigen Erfahrungen sowie die persönlichen Annahmen und damit auch die persönliche Haltung die Grundlage dafür bilden, wie man mit dem Phänomen Führung umgeht und welche Rückschlüsse man aus den Informationen durch die Verhaltensweisen der Umwelt zieht.

Diese bisherigen Erfahrungen können dabei sowohl die eigenen Erlebnisse sein als auch Informationen, die man von Kollegen oder Freunden gehört hat. Es können Informationen sein, die man über das Phänomen gelesen hat, als auch (bewegte) Bilder, die das Thema zeigen. Was von diesen Informationen wahrgenommen wird und wo und wie diese Informationen in der inneren Welt verknüpft werden, hat wiederum mit den bereits vorhandenen Vorerfahrungen zu tun.

Je bewusster man die eigenen Erfahrungen benennen kann, umso genauer kann man entscheiden, ob die derzeitige Haltung als Führender oder Geführter die ist, mit der man sein derzeitiges oder künftiges Arbeiten gestalten will.

Je bewusster das eigene Handeln gestaltet werden kann, umso intensiver können Kompetenzen und Fähigkeiten wirklich wirksam eingesetzt und erlebt werden. Und die Erfahrung der eigenen Wirksamkeit ist in vielerlei Hinsicht eine lebensnotwendige, in aller Konsequenz eine lebenserhaltende!

Es geht also darum, das Bewusstsein für das Phänomen Führung zu entwickeln oder zu schärfen.

Der Prozess des Sichbewusstwerdens ist ein reflektives Vorgehen, das Erkenntnisse in vielfältiger Weise hervorbringt und mit dem entsprechenden Verstehen die Kraft und die Energie für die nächsten, möglicherweise ganz neuen Handlungsimpulse hervorbringt.

Bei diesem genannten reflektiven Prozess, kurz Reflexion, handelt es sich nicht um ein einfaches Nachdenken, das erfahrungsgemäß eher dazu führt, dass man sich im Kreis dreht, sondern es handelt sich hier um ein bewusstes methodisches Betrachten und Verstehen vorliegender Phänomene bzw. Informationen aus den inneren Bildern.

Die Erkenntnisse können während oder nach einer Reflexion dazu genutzt werden, bekannte Situationen neu zu gestalten und auch unbekannte Situationen selbstbewusst anzugehen.

Professionelle Reflexionsprozesse können Gedanken und Empfindungen ordnen oder neu ordnen, sodass in der inneren Wahrnehmung Raum für Neues entsteht. In diesem freien Raum erlebt man meist zunächst Entspannung und wohltuende Leere, dann entstehen darin Ideen und Visionen, finden sich Kreativität, Lösungen und Vorgehensweisen.

Konsequenterweise heißt dies auch, dass gerade im Bereich der Medien, also in Berufen, in denen permanent neue kreative Ideen auch für bekannte Themen gesucht werden, idealerweise immer wieder dieser innere Freiraum aufgesucht werden kann.

Auch an dieser Stelle hat Führen – und immer mitzudenken auch Führen lassen – eine besondere Bedeutung. Denn dieser innere Freiraum und damit die empfundene Freiheit können nur entstehen, wenn die Informationen, die man innerhalb der Führungssituation wahrnimmt und seinen Bildern zuordnet, auch das alles ermöglichen.

Äußere Wahrnehmung

Noch einmal kurz zum Ausgangspunkt zurück: Über die Sinneswahrnehmungen, also die fünf Sinne Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten, werden alle Informationen aufgenommen. Es ist einfach nachzuvollziehen, dass eine intensive Wahrnehmung mehr Potenzial besitzt, aktiv in Erinnerung zu bleiben, das bedeutet, Teil derjenigen inneren Bilder zu werden, die mit Leichtigkeit abgerufen werden können.

Das bewusste Erleben der Sinne bringt ein Empfinden von Lebendigkeit mit sich. Die dadurch verstärkt wahrgenommene Wachheit ist ein Vorgang im Gehirn, der die sogenannten Synapsen erregt und sie anregt, Informationen schneller zu verarbeiten, also zu den Bildern zu bringen.

Sie ermöglichen damit zugleich den Zugriff auf die inneren Ressourcen, auf die Fähigkeiten und Kenntnisse, die man sich im Laufe des Lebens angeeignet hat.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Je wacher, je lebendiger das eigene Empfinden, desto einfacher der Zugang zu dem, was man für sein Handeln benötigt. Von großer Bedeutung ist bei der Verarbeitung der Informationen durch die Sinneswahrnehmung die Tatsache, dass, wie schon erwähnt, Denken und Empfinden zugleich stattfinden.

Auf Situationen angewendet, in denen Führung stattfindet, heißt dies ganz einfach, dass in dem Moment, in dem etwas gehört wird – zum Beispiel eine Arbeitsanleitung oder eine Anmerkung zu dem soeben verfassten Beitrag –, zugleich Gedanken und Empfindungen entstehen.

An dieser Stelle soll nur schon kurz angerissen werden, dass in vielen Systemen der Gleichzeitigkeit von Denken und Fühlen noch mit veralteten Annahmen zum Menschsein begegnet wird. Mit Systemen sind die Strukturen einer Organisation gemeint. Diese Strukturen, zum Beispiel in einem Sender oder in einem Verlag, zeigen sich in ausdrücklich formulierten und nicht formulierten Leitlinien für Verhaltens- und Vorgehensweisen, die ebenfalls einen Einfluss auf die Haltung des Einzelnen und damit auch auf die Qualität des Produkts haben.

Und wie bekannt
ist das Produkt in Medienhäusern Kommunikation. In dem komplexen Gewebe der verbalen und nonverbalen (Führungs-)Kommunikation können dann diese Strukturen auch Ausdruck finden in der unausgesprochenen Haltung mit unausgesprochenen Sätzen wie „Gefühle haben bei der Arbeit nichts verloren“ oder „Sei nicht so emotional“.

Und das Gegenüber wird auch das Unausgesprochene aufnehmen und darauf reagieren. In jeder Begegnung, bei jedem Kontakt in diesen Situationen kommunizieren nämlich auch die inneren Bilder der Kommunizierenden miteinander. Dies gilt natürlich sowohl in den Kommunikationssituationen zwischen Chef und Mitarbeiter und umgekehrt als auch zwischen den Medienschaffenden und den Rezipienten.

Die Erkenntnisse über die Wirkungen und Auswirkungen der inneren Bilder füllen viele einschlägige Fachbücher.

Längst bekannte Erkenntnisse sind zum Beispiel auch, dass diese menschliche Fähigkeit, mit inneren Bildern zu arbeiten – oft als Visualisieren bezeichnet –, in vielen Bereichen für die Entwicklung von Kompetenzen und Fähigkeiten eingesetzt wird. Diese Fähigkeit wird ebenso genutzt, um gesundheitsfördernde und heilende Prozesse zu initiieren oder zu unterstützen. Seit vielen Jahren wird diese Fähigkeit unter anderem im Leistungssport eingesetzt, um spezifische, sogenannte mentale Haltungen und körperliche Bewegungsabläufe vorzubereiten.

Um es nicht zu vergessen: Je bewusster die Wahrnehmung und damit das Wissen über die eigene Person ist, desto klarer wird das Verständnis für Kommunikationssituationen, insbesondere Führungssituationen, aus denen heraus wieder professionelle Kommunikation entsteht.

Um das bewusste Wahrnehmen zu trainieren oder zu vertiefen, eignen sich viele einfache Übungen wie auch die folgende. Sie ermöglichen das bewusste Erleben der Wahrnehmung durch die fünf Sinne und die daraus folgende erlebte Lebendigkeit, die manch einer mit Wachheit beschreibt, andere mit Konzentration oder Gelassenheit. Wie es auch immer beschrieben wird, in jedem Fall ist die Sensibilisierung der Außenwahrnehmung eine Grundlage für den bewussten Zugang zu den inneren Bildern, die die persönliche Innenwelt abbilden und die wesentliches Recherchematerial zum Verständnis der eigenen Prägung und Haltung bereithalten.

Merlin und die Medienmenschen – ein Märchen

Als es eines Tages keine Nachrichten mehr gibt, versammeln sich die Chefs aller Sender und Verlage zu einer außergewöhnlichen Krisensitzung …

Dieses Buch von Kirsten Annette Vogel ist im Verlag Oberauer erhältlich für 14,90 Euro, das Kombiangebot mit dem Buch „Führung.Macht.Medien.“ kostet 34,90 Euro, http://cf.newsroom.de/shop/ oder vertrieb@oberauer.com.

Erschienen in Ausgabe 12/2011 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 108 bis 108 Autor/en: Kirsten Annette Vogel. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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